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Analyse der volkswirtschaftlichen Bedeutung der Wertschöpfungskette Bau

Ergebnisse

Projektbeschreibung

Projektbeteiligte

Eckdaten

Analyse der volkswirtschaftlichen Bedeutung der Wertschöpfungskette Bau


Projektnummer
10.08.17.7-07.23
Projektbeginn
12.2007
Projektende
08.2008
Projektstatus
abgeschlossen mit Bericht

Ergebnisse

Obwohl die Wertschöpfungskette Bau einer der größten Wirtschaftsbereiche in Deutschland sein dürfte, liegen derzeit keine belastbaren empirischen Daten vor. Ziel der Studie war es, die volkswirtschaftliche Bedeutung der Wertschöpfungskette Bau zu analysieren und zu quantifizieren. Dabei wurde nicht nur das Baugewerbe als betrachtet, sondern alle wirtschaftlichen Prozesse, die direkt oder indirekt mit Bautätigkeiten zusammenhängen.

Projektlaufzeit: Dezember 2007 - August 2008

Ausgangslage

In der öffentlichen Berichterstattung wird der Baubereich meistens auf das Baugewerbe eingeschränkt. Nach dieser Sichtweise beträgt die direkte volkswirtschaftliche Bedeutung des Baugewerbes gemessen an der Gesamtwirtschaft knapp 5 % des Produktionswertes und rund 4 % der Bruttowertschöpfung. Zur Beurteilung der gesamtwirtschaftlichen Bedeutung des Wirtschaftsfaktors "Bauen" in Deutschland ist diese Sicht aber zu eng, weil sie wichtige Zulieferer aus anderen Branchen unberücksichtigt lässt. Insbesondere die Leistungen der planenden Berufe werden nicht dazu gerechnet. Das Baugewerbe hat in den letzten 15 Jahren einen turbulenten Strukturwandel verkraften müssen, der mit Schrumpfungsprozessen und volkswirtschaftlichem Bedeutungsverlust verbunden war. In der Literatur ist dieses Problem bereits wahrgenommen worden und es liegen verschiedene Ansätze zu einem erweiterten Baubegriff vor.

Ziel

Ziel dieser Studie war es, die Wertschöpfungskette Bau sachgerecht und möglichst umfassend darzustellen und ihren volkswirtschaftlichen Beitrag zu ermitteln. Dabei ging es nicht nur um das Baugewerbe als , sondern um alle wirtschaftlichen Prozesse, die direkt oder indirekt mit Bautätigkeiten zusammenhängen. Dafür wurde sie aus verschiedenen Perspektiven analysiert. Zentrale Fragen waren hierbei:

Auftragnehmer des Forschungsprojektes war das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW ).

Wie hoch ist die volkswirtschaftliche Bedeutung der Wertschöpfungskette Bau, wenn man nicht nur - wie bei der isolierten Branchensicht - das Baugewerbe, sondern zusätzlich auch alle mit dem Bauen verbundenen Tätigkeiten berücksichtigt? Dabei sind die Zulieferer des Baugewerbes genauso einzubeziehen wie andere baurelevante Tätigkeiten außerhalb des Kernbereiches.

Wie wichtig sind vor- und nachgelagerte Bereiche? Was gehört eigentlich alles zur Wertschöpfungskette Bau?

Konzept

Im Idealfall sollten bei der Definition der Wertschöpfungskette Bau drei Dimensionen berücksichtigt werden:

Empirisch kann die idealtypische Wertschöpfungskette Bau allerdings nur sehr unvollkommen dargestellt werden. Es gibt keine konsistente Statistik, die alle Facetten umfasst und Daten bereitstellt. Die amtlichen Statistiken stellen gute Daten über die Tätigkeiten des Baugewerbes einschließlich seiner Vorleister zur Verfügung, aber Daten über baurelevante Leistungen außerhalb des Baugewerbes sind kaum vorhanden.

Durch die Kombination von Mikro- und Makrodaten konnte aber eine sachgerechte Abgrenzung der Wertschöpfungskette Bau vorgenommen werden. Die Datengrundlage hierfür bildeten -Tabellen, Sonderauswertungen des Statistischen Bundesamtes sowie eine speziell dafür im Rahmen des IW-Zukunftspanels durchgeführte Unternehmensbefragung.

Zwei Sichtweisen, die einen wesentlichen Teil dieses Leistungsprozesses abdecken, stehen im Vordergrund, wenn man die volkswirtschaftliche Bedeutung der Wertschöpfungskette Bau quantifizieren will:

Unberücksichtigt bleiben bei diesen Ansätzen jedoch Bautätigkeiten sowie die Bewirtschaftung von Bauten privater Haushalte sowie von Unternehmen, die diese selbst erstellen.

Abschließend erfolgt die Darstellung einer Wertschöpfungskette "Bauen und Planen", da es Branchen gibt, die fast ausschließlich baurelevante Produkte und Dienste erstellen und somit eigentlich zum Kern der Wertschöpfungskette gehören. Unter Zuhilfenahme von detaillierten 4-steller Beschäftigungszahlen wurde hierfür eine Unterteilung der Wertschöpfungskette Bau in einen inneren Kern (Baugewerbe und Planungsbüros), einen äußeren Kern (Branchen mit baurelevanten Leistungen) und einen Randbereich (Rest) vorgenommen.

  • Tätigkeiten entlang des Produktlebenszyklus:Akteure:Verflechtungen zwischen den Akteuren:
  1. Engere Sicht (Wertschöpfungskette Baugewerbe):
    Input-OutputErweiterte Sichtweise (Wertschöpfungskette Bau):



  2.  
  3.  

Ergebnisse

Ein zentrales Ergebnis dieser Studie ist, dass der Wirtschaftsfaktor "Bauen" in Deutschland eine wichtige Rolle spielt. Die Ergebnisse können folgendermaßen zusammengefasst werden:

Wertschöpfungskette Baugewerbe (engere Sicht)

Berücksichtigt man auf Basis von -Analysen zusätzlich zum Beitrag des Baugewerbes den dazugehörenden Vorleistungsverbund, kann in einer engeren Sicht das Baugewerbe und seine Wertschöpfungskette dargestellt werden. Es kann so analysiert werden, welche Branchen zentral für das Baugewerbe sind - sowohl als Lieferanten in einer Brutto- als auch in einer Nettobetrachtung.

In der Bruttosicht müssen Vorleistungslieferungen in Höhe von 122 Mrd. Euro hinzugerechnet werden, was einem Anteil von gut 3 % am gesamtwirtschaftlichen Produktionswert entspricht. Von diesem Betrag entfallen knapp 88 Mrd. Euro auf direkte Lieferungen anderer Branchen an das Baugewerbe (Primäreffekt) und 35 Mrd. Euro auf den Zweitrundeneffekt, d. h. auf Einkäufe von Lieferanten des Baugewerbes, die diese benötigen, um ihre baurelevanten Produkte und Dienste herstellen zu können.

In einer Nettobetrachtung, bei der die Lieferungen anderer Branchen an das Baugewerbe und die Bezüge von dort saldiert werden, erwirtschaftet der Vorleistungsverbund gemeinschaftlich eine Wertschöpfung von 55 Mrd. Euro. Das entspricht 2,8 % der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung.

Je nach Berechnungskonzept beteiligt sich das Baugewerbe somit direkt oder indirekt über seine Vorleistungsverflechtungen an der Entstehung von knapp 8 % des gesamtwirtschaftlichen Produktionswertes sowie von 7 % der Bruttowertschöpfung.

Wertschöpfungskette Bau (erweiterte Sicht)

Eine zentrale Hypothese dieser Studie war, dass es neben dem Baugewerbe noch eine Vielzahl anderer Unternehmen gibt, die baurelevante Leistungen anbieten. Die Daten wurden in einer entsprechenden erweiterten Sicht auf Basis des IW-Zukunftspanels erhoben. Insgesamt addieren sich die Produktionswerte mit baurelevanten Umsätzen außerhalb des Baugewerbes auf 251 Mrd. Euro. Das sind 6,2 % der gesamtwirtschaftlichen Produktion. Darin enthalten sind auch die oben erwähnten Primär- und Sekundäreffekte über 122 Mrd. Euro. Die Lieferungen von baurelevanten Leistungen außerhalb des Baugewerbes entsprechen einer Wertschöpfung von 118 Mrd. Euro und somit 5,9 % der gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung.

Die gesamte Wertschöpfungskette Bau kann dargestellt werden, wenn man die Produktionswerte mit baurelevanten Umsätzen (251 Mrd. Euro) zum Produktionswert des Baugewerbes (192 Mrd. Euro) hinzurechnet. Der Produktionswert der gesamten Wertschöpfungskette Bau beträgt somit insgesamt 443 Mrd. Euro, was 11 % des gesamtwirtschaftlichen Produktionswertes entspricht. Davon erbringt das Baugewerbe selbst rund zwei Fünftel des Produktionswertes der Wertschöpfungskette Bau. Die restlichen drei Fünftel werden von anderen Branchen erbracht. Allein die rohstoffnahen Branchen sowie die industriellen Vorleister sind für ein Viertel des Produktionswertes verantwortlich. Die Finanzdienste tragen 15 % dazu bei.

Versteht man die gesamte Wertschöpfungskette Bau als die Leistungen des Baugewerbes plus die baurelevanten Leistungen anderer Branchen, so wird jeder zehnte Euro Wertschöpfung durch den Leistungsprozess der damit verbundenen Wertschöpfungskette, der Wertschöpfungskette Bau, generiert. Davon werden immerhin 6 % der Wertschöpfung außerhalb des Baugewerbes erwirtschaftet. Rund 12 % aller Beschäftigten sind in der Wertschöpfungskette Bau tätig. Im Baugewerbe selbst sind es alleine schon knapp 6 %.

Wertschöpfungskette Bauen und Planen

Es gibt Branchen außerhalb des Baugewerbes, die fast ausschließlich baurelevante Produkte und Dienste erstellen und somit eigentlich zum Kern der Wertschöpfungskette Bau gehören. Berücksichtigung findet dies in einer abschließenden Darstellung der Wertschöpfungskette "Bauen und Planen" unter Zuhilfenahme von detaillierten 4-steller Beschäftigungszahlen. Hierfür wird eine Unterteilung der Wertschöpfungskette Bau in einen inneren Kern (Baugewerbe und Planungsbüros), einen äußeren Kern (Branchen mit baurelevanten Leistungen) und einen Randbereich (Rest) vorgenommen.

Der innere und äußere Kern tragen zu 60 % des Produktionswertes der Wertschöpfungskette "Bauen und Planen" bei. Bezogen auf die Beschäftigung für 2007 bedeutet dies, dass rund 7 von 10 Beschäftigten innerhalb der Wertschöpfungskette "Bauen und Planen" in den Unterbranchen des inneren oder äußeren Kerns tätig sind. Darunter macht der innere Kern alleine schon fast 60 % der Beschäftigten innerhalb dieser Wertschöpfungskette aus.

Projektbeteiligte
Eckdaten
Schlagworte zum Projekt : Wertschöpfungskette Bau, Baugewerbe, Bautätigkeiten, Bauunternehmen, Bauen, Planen, Input-Output-Analysen
Einordnung in Zukunft Bau : Bauwirtschaft, Ökobilanzierung/ Lebenszyklusanalyse, Ressortforschung, Bauprozesse