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Leitfaden barrierefreies Bauen: Umsetzung der neuen Normen

Ergebnisse

Projektbeschreibung

Projektbeteiligte

Eckdaten

Leitfaden barrierefreies Bauen: Umsetzung der neuen Normen


Projektnummer
10.08.17.7-08.27
Projektbeginn
09.2008
Projektende
08.2009
Projektstatus
abgeschlossen mit Bericht

Ergebnisse

Mit dem Leitfaden sollte ein Hilfsmittel für die planerische Umsetzung der künftigen DIN 18040 erarbeitet werden. In einer Übersicht der in- und ausländischen Normen wurden relevante Einzelanforderungen der Standards zum barrierefreien Bauen gegenübergestellt, um weiterführende Erfordernisse und abweichende Sichtweisen zu identifizieren. Im Ergebnis wurden technische Mindeststandards für barrierereduziertes Bauen im Wohnungsbestand aufgestellt.Projektlaufzeit: September 2008 - August 2009

Das barrierefreie Bauen hat einen Stand erreicht, der die wesentlichen Parameter für Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen berücksichtigt, die sich auch in der neuen DIN 18040 (liegt im Entwurf vor) wiederfinden. Wie stellt sich jedoch diese DIN in der heutigen Situation hinsichtlich der anstehenden dringlichen Bauaufgaben dar?

Es besteht ein steigender Bedarf an Wohnraum, der für die wachsende Anzahl älterer Menschen adäquat zu nutzen ist. Dieser ist in der nächsten Zukunft zu schaffen. Es gilt hier einerseits über bauliche Maßnahmen den spezifischen ergonomischen Belangen der Zielgruppe gerecht zu werden und andererseits auch auf die ergänzenden sozio-psychologischen Bedürfnisse eines Nutzerkreises Rücksicht zu nehmen, der auf eine lange Wohnerfahrung zurückblickt. Diese Bedürfnisse sind vordringlich der Wunsch nach Verbleib in der angestammten Wohnung, dem vertrauten Wohnumfeld in Verbindung mit den bestehenden sozialen Netzwerken und der gewohnten Infrastruktur und Nutzung des (ggf. noch) kostengünstigen Wohnraums durch die gegebene Altbausubstanz.

Mit dem Leitfaden sollte zunächst für die bauenden Verwaltungen des Bundes eine praktische Handreichung erarbeitet werden, um die bauliche Barrierefreiheit bei Neubauten als Selbstverpflichtung des Bundes über die Landesbauordnungen hinaus umzusetzen. Ferner soll dieser Leitfaden auch für andere Bauherren als Vorbild dienen, um den gleichen Stand der Barrierefreiheit auch außerhalb des Bundesbaues zu verwirklichen. Dies ist von besonderer Bedeutung, da nicht sicher ist, ob und in welchem Umfang die Länder die DIN 18040 bauaufsichtlich verbindlich einführen werden.

Auftragnehmer des Forschungsprojektes war Prof. Dr.-Ing. Gerhard Loeschcke, Freier Architekt BDA/dwb, Karlsruhe.

Konzept

Um die notwendigen Grundlagen herauszuarbeiten, wurden Normen und Regelwerke verschiedener Nationen gegenübergestellt. Bei der Auswahl wurden Standards und Regelwerke aus dem Bereich des Bauwesens gewählt; Standards aus medizinischen und ergonomischen Bereichen blieben bei dieser Betrachtung unberücksichtigt.

In einem weiteren Schritt wurde die einschlägige aktuelle Literatur zur Thematik zusammengestellt. Ergänzend wurden darüber hinaus einige Standardwerke älteren Datums in die Liste aufgenommen. Der Zusammenstellung lassen sich die jeweiligen aktuellen Arbeitsschwerpunkte der jeweiligen Länder entnehmen.

Ein Teil der Untersuchung befasste sich mit relevanten Parametern bei Anpassungsmaßnahmen in Wohnbauten des Bestands. Es wurde eine Kategorisierung nach Bereichen vorgenommen unter der Prämisse, bezogen auf die Struktur der Bestandsbauten der frühen Nachkriegsjahre ein vernünftiges Maß zu finden, um im Sinne der Verhältnismäßigkeit der Mittel zwischen den Forderungen der DIN 18040 und den ökonomischen Belangen, sozialen Begebenheiten und den vorzufindenden baulichen Restriktionen eine sinnvolle Basis zur Abwägung der notwendigen Maßnahmen zu schaffen.

Weiterhin wurden die Bau- und Grundrisstypologien der Bestandsbauten aus den frühen Nachkriegszeiten hinsichtlich der Umsetzungsmöglichkeiten von Barrierefreiheit bzw. Barrierereduzierung analysiert. Darauf aufbauend wurden die Potenziale zur Anpassung in Verbindung mit einschlägigen Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt und erläutert.

Abschließend erfolgte eine Zusammenstellung der Kosten zur Barrierereduzierung im Wohnungsbau. Nach einer kurzen Bestandsaufnahme, welche aufzeigt, wie die Kostenrelationen für spezifisch barrierefreie Maßnahmen sich im Bezug zum Gesamtbauvolumen darstellen, wurden in Form übersichtlicher Tabellen Kostendaten für spezifische Einzelmaßnahmen zusammengestellt.

Ergebnisse

Untersucht man die Wohnsituation von älteren Menschen, zeigt sich, dass diese zu einem großen Anteil in den Bestandsbauten der Nachkriegszeit wohnen. Vergleiche zwischen den Vorgaben der DIN und den vorgefundenen Prämissen dieses Wohnungsbestands zeigen, dass es nicht möglich sein wird, die Vorgaben der DIN "eins zu eins" umzusetzen, da - unabhängig von psycho-sozialen Konsequenzen eines notwendigen Umzugs - bereits Bau- und Tragwerksstruktur sowie eventuelle ökonomische Fragestellungen Ausschlusskriterien darstellen können.

Aus dieser Konstellation heraus erscheint es unabdingbar, parallel zur DIN 18040 Maßgaben für eine "barrierereduzierte Umwelt" zu erarbeiten. Diese Anforderungen berücksichtigen nicht im vollen Umfang die Parameter dieser Norm, sondern bauen auf einen Kompromiss zwischen dem Machbaren und dem Erforderlichen, indem auf die speziellen Fragestellungen des Bestandsbaus eingegangen wird und dennoch die spezifischen ergonomischen Bedürfnisse der Nutzer Berücksichtigung finden.

Bei der Gegenüberstellung der Normen und Regelwerke verschiedener Nationen konnte festgestellt werden, dass die Ausgangslagen der verschiedenen Länder sehr unterschiedlich sind. Es ließ sich ein vielseitiges Vokabular erfassen, aus dem sich ablesen lässt, in welche Norm - fokussiert - sich die altersspezifischen Parameter herausstellen lassen. So konnte unter anderem festgestellt werden, dass in einigen nationalen Normen spezifische Grundlagen für ein anpassbares Bauen vorhanden sind.

Die Identifizierung des vorhandenen Planungsvokabulars kann als Basis für einen barrierereduzierten Baustandard dienen. Es soll pragmatisch nach dem Motto "so viel wie nötig, so behutsam wie möglich" die Belange der Nutzer berücksichtigen, deren oberster Wunsch der Verbleib in der eigenen Wohnung ist. Zu unterstreichen bleibt jedoch, dass die künftige DIN 18040 übergeordnet die Ausgangslage für öffentlich zugängliche Gebäude - auch derjenigen im Bestand - sowie aller Neubaumaßnahmen zu sein hat.

Die Untersuchungen zeigten weiterhin, dass bereits viele Recherchen und Vorschläge zu Grundrissanpassungen und Grundrissverbesserungen des einschlägigen Wohnungsbestands vorliegen. Daher wurde davon abgesehen, nochmals spezifische Einzellösungen zu eruieren. Der Fokus lag vielmehr darauf, Typologien sowie generelle und Übertragbare Kriterien aufzuzeigen. Diese wesentlichen Kriterien des "Barrierereduzierten Bauens" wurden anhand von typisierten Grundrissstrukturen, die die Potenziale der Anpassungsmöglichkeiten darlegen, dargestellt. Als Gesamtergebnis der Untersuchung wurden die Erkenntnisse in ein "Technisches Merkblatt" überführt, das die Einzelmaßnahmen in Form von einzelnen Bausteinen - insgesamt 23 - zusammenfasst.

Projektbeteiligte
Eckdaten
Schlagworte zum Projekt : Leitfaden, barrierefreies Bauen, Normen
Einordnung in Zukunft Bau : Barrierefreies Bauen, Normen/ Standards, Ressortforschung