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Quantifizierung von Rebound-Effekten bei der energetischen Sanierung von Nichtwohngebäuden/ Bundesliegenschaften

Projektbeschreibung

Projektbeteiligte

Eckdaten

Quantifizierung von Rebound-Effekten bei der energetischen Sanierung von Nichtwohngebäuden/ Bundesliegenschaften


Projektnummer
10.08.17.7-15.07
Projektbeginn
04.2016
Projektende
09.2016
Projektstatus
abgeschlossen ohne Bericht

Ziel des Vorhabens war es, einen Beitrag zur Ermittlung von -Effekten bei der energetischen Sanierung von Bundesliegenschaften zu leisten. Hierfür wurden Untersuchungen in acht Gebäuden durchgeführt, bei denen in nächster Zeit umfassende Sanierungsmaßnahmen geplant sind. Die Fallstudien umfassten die Ermittlung von Verbrauchs- und Bedarfswerten sowie eine Befragung der Nutzer/innen und des Fachpersonals und eine stichprobenartige Dokumentation des Lüftungsverhaltens im Winter.

Projektlaufzeit: April 2016 – September 2016

Ausgangslage

Bei Wohngebäuden wurde beobachtet, dass es bei der energetischen Sanierung zu -Effekten kommt, das heißt der Verbrauch sinkt danach nicht im selben Maß wie der Bedarf. Dadurch werden die Einspareffekte energetischer Sanierungen vorab häufig überschätzt.

Ziel

Für Nichtwohngebäude liegen bisher keine umfassenden Untersuchungen zum Vergleich der Höhe von Energieverbrauchs- und -bedarfswerten und dem Einfluss des Verhaltens der Nutzer/innen auf diese Werte vor. Ziel des Vorhabens war es deshalb, der Frage nachzugehen, ob bei der energetischen Sanierung von Bundesliegenschaften ebenfalls -Effekte zu erwarten sind und was Ursachen dafür sind. Hierfür wurden die Energiekennwerte und das Verhalten der Nutzer/innen in acht Gebäuden untersucht, bei denen in den nächsten Jahren eine energetische Sanierung zu erwarten war, da sie im Sanierungsfahrplan Bundesbauten eine hohe Priorität erhalten haben. Erst zusammen mit einem Folgeprojekt, in dem eine Ex-Post-Untersuchung durchgeführt wird, lassen sich Ergebnisse zum direkten -Effekt bei energetischen Sanierungen ableiten. Auf Basis der Ergebnisse des aktuellen Vorhabens können jedoch bereits Aussagen zum Nutzerverhalten in unsanierten Bundesliegenschaften sowie zum Zusammenhang von Bedarf und Verbrauch - und damit zum -Effekt - getroffen werden.

Auftragnehmer des Forschungsprojekts war das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung () in Berlin, dass das Vorhaben in Zusammenarbeit mit der Brandenburger Technischen Universität () Cottbus-Senftenberg und der Rheinisch-Westfälischen Hochschule () Aachen bearbeitete.

Konzept

Als Fallstudiengebäude wurden in einem ersten Schritt acht Büro- und Verwaltungsgebäude des Bundes ausgewählt, für die im Rahmen der Erstellung von Energiekonzepten Energiebedarfsberechnungen vorlagen. Es handelt es sich dabei um zwei Gebäude des Kraftfahrt-Bundesamtes in Flensburg, das Hauptzollamt Saarbrücken, zwei Gebäude der Theodor-Heuss-Kaserne in Stuttgart, das Bildungs- und Wissenschaftszentrum der Bundesfinanzverwaltung in Frankfurt , die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in Augsburg und das Hauptzollamt Nürnberg. Neben einer breiten Streuung der Lage der Gebäude, variierte ebenso das Baujahr (von 1912 bis 1979), die Größe (von 1.800 m² bis 24.000 m² beheizter Nettogrundfläche) und damit auch die Anzahl der Nutzer/innen im Gebäude (von 38 bis 400).

Im Rahmen der Fallstudien ermittelte das Projektteam zunächst die Energiekennwerte für die untersuchten Gebäude auf Basis vorhandener Bedarfsberechnungen. Die thermischen Energieverbrauchswerte wurden witterungsbereinigt. Anschließend wurden basierend auf den Verbrauchs- und Bedarfswerten die -Effekte der einzelnen Fallstudiengebäude berechnet. Dieser Wert gibt an, wie stark Verbrauch und Bedarf in unsanierten Gebäuden voneinander abweichen.

Um das Verhalten der Nutzer/innen zu untersuchen, wurden einerseits persönliche, qualitative halbstrukturierte mit fünf ausgewählten Nutzer/innen in jedem Gebäude und anderseits eine quantitative Erhebung durchgeführt. Die quantitative Panelerhebung bietet bei einer Nachsanierungsbefragung die Möglichkeit der quantitativen Auswertung der Verhaltensänderung. Zudem wurden qualitative halbstrukturierte mit dem Fachpersonal durchgeführt, durch die ergänzende Informationen zum Nutzerverhalten sowie zum Zustand des Gebäudes und geplante Sanierungsmaßnahmen erhoben werden konnten. Außerdem wurden das Lüftungsverhalten und die Raumlufttemperatur in einigen Büros stichprobenartig erfasst, um die Selbsteinschätzungen der Nutzer/innen zu ergänzen.

Ergebnisse

Die spezifischen thermischen Energiebedarfe der Fallstudiengebäude liegen mit Werten zwischen 93 bis 448 / (m² a) bei allen Gebäuden oberhalb der Verbrauchswerte, die im Bereich zwischen 68 bis 177 / (m² a) liegen. Der Durchschnittswert des thermischen Energieverbrauch aller Fallstudiengebäude liegt bei 107 / (m² a) und der Energiebedarf bei 211 / (m² a). Die durchschnittlichen Energieverbrauchswerte liegen damit in einer ähnlichen Größenordnung wie bei anderen Bundesliegenschaften: So ermittelte das für das Jahr 2008 den durchschnittlichen Verbrauch von über 900 Liegenschaften des Bundes, der bei 117 /(m² a) lag.

Da die Verbrauchswerte alle unter den Bedarfswerten liegen ergeben sich durchgängig positive -Effekte. Diese liegen für die Fallstudiengebäude im Bereich zwischen 13 und 63 % und im Durchschnitt bei 44 %. In der Hälfte der Fallstudiengebäude wurden hohe -Effekte von um die 60 % berechnet, in den anderen vier Gebäuden sind die Werte dagegen deutlich geringer – auch da in diesen teilweise eine Anpassung der Annahmen zur Bedarfsberechnung in Folge eines Verbrauchs-Bedarf-Abgleichs erfolgte. Denn bei der Bewertung der Daten ist zu berücksichtigen, dass die Berechnung der -Effekte abhängig von der Genauigkeit der Verbrauchswerte und insbesondere den getroffenen Annahmen der Bedarfsberechnung ist. Aufgrund der Vielzahl von zulässigen Annahmen bei der Energiebedarfsberechnung nach kann der berechnete Wert für ein Gebäude mit einem definierten energetischen Zustand eine breite Streuung aufweisen. Da bei den Bedarfsberechnungen der acht Gebäude nicht einheitlich vorgegangen wurde, hat dies einen relevanten Einfluss auf die ermittelten Bedarfswerte und damit auch auf die -Effekte .

Die objektspezifische Auswertung lässt keinen Zusammenhang zwischen der Höhe der -Effekte und dem erfassten und beobachteten Nutzerverhalten erkennen. Insgesamt verhalten sich die Nutzer/innen in allen Gebäuden recht ähnlich. Trotz der hohen -Effekte lassen die Ergebnisse der qualitativen und quantitativen Erhebungensowie den Beobachtungen nicht darauf schließen, dass sich die meisten der Nutzer/innen am Arbeitsplatz besonders energieeffizient verhalten. So ist die Zahl der Heizungsregulierungen pro Tag sehr viel geringer als die Zahl der Lüftungsvorgänge – die demnach in der Regel mit aufgedrehter Heizung stattfinden. Viele Interviewte gaben an, die Heizung kaum zu regulieren und auch beim Verlassen des Gebäudes nach Feierabend diese nicht herunterzudrehen. Gleichzeitig geben viele Nutzer/innen an, dass sie die Raumtemperatur eher über das Öffnen von Fenster und Türen als über das Regulieren der Heizung anpassen. In vielen Gebäuden sind die Türen der Büros aus Gründen der Ansprechbarkeit immer geöffnet. Dadurch erhöht sich der thermische Energieverbrauch, da Flure und tlw. Treppenhäuser annährend auf das Temperaturniveau der Büros geheizt werden.

Ein Großteil der Nutzer/innen gab an sich im privaten Bereich deutlich effizienter zu verhalten als im dienstlichen Bereich. Daher ist das Interesse am Energieverbrauch und die Bedeutung des Themas Energiesparen im privaten Umfeld deutlich höher als am Arbeitsplatz. Dennoch geben zwei Drittel der Nutzer/innen an, dass ihnen Energiesparen am Arbeitsplatz wichtig ist. Rund die Hälfte hat Interesse an Informationen zum Energieverbrauch des Dienstgebäudes. Maßnahmen, um das Interesse am Thema und die Umsetzung von Energiesparen zu steigern, wären aus Sicht der Nutzer/innen insbesondere mehr und bessere Informationen sowie Wettbewerbe und finanzielle Anreize. Gewünscht werden darüber hinaus aber auch Unterstützungsmöglichkeiten, wie bessere Steuerungsmöglichkeiten und mehr Automatisierung. Auch die energetische Sanierung könnte ein energieeffizientes Verhalten unterstützen.

Die Befragung der Nutzer/innen ergab darüber hinaus, dass ein Großteil zufrieden mit der Raumtemperatur und der Regulierbarkeit der Heizung im Winter ist. Aber immerhin jedem Vierten ist häufig zu kalt; vereinzelt wird auch über Zugerscheinungen geklagt. Hierbei gibt es deutliche Unterschiede zwischen den untersuchten Gebäuden. In allen Gebäuden stellt jedoch aus Sicht der Nutzer/innen der sommerliche Wärmeschutz ein deutlich größeres Problem als das Raumklima im Winter dar. Deshalb erhoffen sich die Nutzer/innen durch eine energetische Sanierung primär eine Verbesserung der Situation im Sommer. Erst an zweiter Stelle steht das Ziel der Energieeinsparung. Auch bei vorhandenen Außenjalousien fehlen den Nutzer/innen im Sommer effektive Regulierungsmöglichkeiten und sie leiden unter zu hohen Raumtemperaturen.

Projektbeteiligte
Eckdaten
Schlagworte zum Projekt : Nichtwohngebäude, Energieausweise, Rebound-Effekt, energetische Sanierung
Einordnung in Zukunft Bau : Ressortforschung, Energieeinsparung/ -gewinnung