Forschungsplattform Zukunft Bau


Projektnummer
10.08.17.7-15.51
Projektbeginn
10.2019
Projektende
04.2020
Projektstatus
abgeschlossen ohne Bericht

Forschung und Innovation im Bauwesen spielen eine entscheidende Rolle für die Zukunft unserer gebauten Umwelt. Für eine schnelle Umsetzung von Forschungsergebnissen in die Baupraxis sind anwendungsorientierte Forschungsprojekte ein wichtiges förderpolitisches Instrument. Das Ressortforschungsprojekt hat untersucht, inwieweit eine Forschungsplattform als physische und virtuelle Infrastruktur das Bauwesen in Deutschland stärken und weiterentwickeln kann.

Ausgangslage

Das Innovationsprogramm Zukunft Bau des Bundesbauministeriums ist eine wichtige Säule der Architektur- und Bauforschung in Deutschland. Zukunft Bau fördert anwendungsbezogene, erfolgsversprechende Forschungsprojekte zu architektur- und baubezogenen Themen, vernetzt Forschende untereinander und stärkt den Innovations- und Wissenstransfer in die Bauwelt. Das Themenspektrum reicht von Fragen der Nachhaltigkeit und des Umgangs mit dem Gebäudebestand über aktuelle Themen wie dem demografischen Wandel und kostengünstigen Wohnungsbau hin zu optimierten digitalisierten Bau- und Planungsprozessen, neuen Materialien und Techniken, Mehrwerten von Architektur und Stadtraum, Gestaltungsqualitäten und Zukunftsperspektiven.

Im Rahmen von Aufrufen vergibt das Innovationsprogramm Zukunft Bau jährlich Zuwendungen an etwa 60 Projekte mit einer Laufzeit von zwei bis drei Jahren. Ein aktuelles Anliegen des Innovationsprogramms Zukunft Bau besteht darin, die Ergebnisse der Bauforschungsprojekte für die (Fach-)Öffentlichkeit sichtbarer und für die Baupraxis anwendbarer zu machen.

Ziel

Das Ressortforschungsprojekt sollte klären, inwieweit eine nationale Forschungsplattform die Sichtbarkeit der Bauforschung und den Transfer ihrer Ergebnisse in die Baupraxis verbessern kann. Die Forschungsplattform ist dabei als physische Forschungs- und Entwicklungsinfrastruktur zu verstehen. Sie soll einerseits als Forschungswerkstatt Raum für das Entwickeln und den Test von Innovationen dienen und andererseits Raum für Dauer- und Wechselausstellungen zur Information der (Fach-)Öffentlichkeit bieten. Außerdem soll die Plattform von sämtlichen Stakeholdern des Bauwesens zur Kommunikation und Weiterbildung genutzt werden können. Ergänzend soll eine virtuelle Plattform mittels moderner Medien- und Visualisierungstechnik über die Bauforschung via Internet informieren.

Auftragnehmer des Ressortforschungsprojekts war das KIT Karlsruher Institut für Technologie unter der Leitung von Andreas Wagner und Dirk Hebel.

Konzept

Forschungskonzept und Projektstufen

In einem ersten Schritt wurden bestehende physische und virtuelle Forschungsplattformen im internationalen Kontext recherchiert, in Form von Steckbriefen dargestellt und im Hinblick auf Gemeinsamkeiten mit der zu entwickelnden Zukunft Bau Forschungsplattform untersucht. In einem zweiten Schritt wurden bereits durchgeführte Projekte der Zukunft Bau Forschungsförderung analysiert und entsprechende Anforderungen hinsichtlich einer möglichen Durchführung bzw. Darstellung dieser Projekte auf der Zukunft Bau Forschungsplattform abgeleitet.

Auf dieser Basis erfolgte ein Fazit, ob mit einer Forschungsplattform in Deutschland ein deutlich neuer Akzent für die angewandte Bauforschung gesetzt werden kann. Dabei wurden die für eine Umsetzung notwendigen Randbedingungen und geeignete Szenarien exemplarisch ausgearbeitet und Handlungsstränge im Hinblick auf die Realisierung einer Forschungsplattform entwickelt, welche die notwendigen Aktionen der jeweiligen Beteiligten und den daraus in etwa abschätzbaren Zeitrahmen beinhalten.

Ergebnisse

Die zu Projektbeginn durchgeführten Recherchen haben gezeigt, dass international eine große Bandbreite an Forschungsplattformen mit unterschiedlichem Forschungsportfolie existiert. Dabei überwiegen Plattformen von Institutionen, die selbst Forschung betreiben und dafür ihre spezifische Infrastruktur aufgebaut haben. Nur teilweise werden diese auch Dritten für Projekte zur Verfügung gestellt.

In Deutschland gibt es derzeit keine Plattform, die von ihrem Betreiberkonzept her offen ist und eine Infrastruktur ausschließlich für Forschungsaktivitäten Dritter anbietet. Mit einem solchen Alleinstellungsmerkmal könnte die Zukunft Bau Forschungsplattform ein neues und attraktives Angebot schaffen – insbesondere für des Bauwesens, die über keine eigene oder für die anwendungsnahe Forschung geeignete Forschungsinfrastruktur verfügen. Die Analyse durchgeführter Zukunft Bau Forschungsförderungsprojekte ergab, dass die thematische Bandbreite der Zukunft Bau Forschungsschwerpunkte problemlos auf einer Forschungsplattform umgesetzt werden kann.

Im Projektverlauf wurden alternative Szenarien für eine Zukunft Bau Forschungsplattform entwickelt, die die deutsche Bauforschung bereichern würde. Einen innovativen Weg mit Blick auf die anstehenden Bauaufgaben einer nachhaltigen Entwicklung des Gebäudebestands beschreibt das Szenario, das auf einem Ensemble aus Bestandsgebäuden (mit möglichst unterschiedlichen Bauepochen) aufbaut. Im Sinne des An-, Aus-, Um- und Weiterbauens könnte die Zukunft Bau Forschungsplattform hier angewandte Bauforschung fördern und selbst zum Forschungsprojekt und Living Lab werden. Die Zukunft Bau Forschungsplattform sollte dabei keine fixe Infrastruktur darstellen, sondern durch das Angebot und die Vernetzung eines bestehenden Gebäudeensembles ein sehr dynamisches und im hohen Maße systemisches Umfeld darstellen, das vielfältige Forschungsmöglichkeiten und anwendungsbezogene Untersuchungsgegenstände bietet und für die praxisorientierte Forschung im Bauwesen daher sehr attraktiv ist. Damit würden Projekte für Forschende und Planende sowie Fachleute aus der Industrie initiiert, die sich in dieser Form und Bandbreite auf keiner anderen der international bereits existierenden Forschungsplattformen wiederfinden.

Der Mehrwert dieser Zukunft Bau Forschungsplattform für den Bund, die deutsche Forschungslandschaft und das Bauwesen im Allgemeinen besteht darin, dass eine Forschungsinfrastruktur dezidiert dafür bereitgestellt wird, drängende Fragen im Umgang mit dem sehr großen Gebäudebestand ( der Nachkriegsära) vor dem Hintergrund zukunftsbestimmender Themen wie Klimawandel, nachhaltige Kreislaufwirtschaft, Digitalisierung, Baukultur und gesellschaftliche Veränderungen zu behandeln. Mit einem solchen Aushängeschild könnte der Bund eine Lücke in der deutschen Forschungslandschaft schließen und international ein bedeutendes zur Bauforschung setzen. Die Forschungsplattform – in ihrer physischen als auch virtuellen Präsenz – wird zum Kreativraum, in dem sie neue Themen in die Bauwirtschaft einspeist, andererseits aber auch innovative Ideen aus Forschung und Praxis aufgreift und damit neue Teamkonstellationen fördert.

Projektbeteiligte
Eckdaten
Schlagworte zum Projekt : Ressortforschungsprojekt, Zukunftsperspektiven, Kreislaufwirtschaft, Digitalisierung, Baukultur
Einordnung in Zukunft Bau : Innovationsmanagement, BIM/ digitale Planungsprozesse, Baukultur/ Nutzerpartizipation, Bestandsgebäude, Ressortforschung