11. Workshop Netzwerk Effizienzhaus Plus am 18. Januar 2017 in München

Mehr als 300 Teilnehmer und Teilnehmerinnen hatten sich zum öffentlichen Werkstattdiskurs des Effizienzhaus Plus Netzwerks unter dem Titel „Gebäudestandard für die Zukunft“ angemeldet. In seinen Grußworten betonte Herr Ministerialrat Lothar Fehn Krestas (BMUB) den Rang des Effizienzhauses Plus als wichtigen Baustein des Energiekonzepts und des Klimaschutzplans der Bundesregierung auf dem Weg zum CO2-neutralen Gebäudebestand. Die Vorstellung der Effizienzhaus Plus Initiative als Highlight in dem Deutschen Pavillon auf der anstehenden Weltausstellung im Juni in Astana soll dem internationalen Publikum zeigen, in welcher Richtung Deutschland eine Vorreiterrolle einnimmt. Er dankte den engagierten Beteiligten des Netzwerks und wünschte der Veranstaltung ein gutes Gelingen.

Die Projektleiterin der Initiative Effizienzhaus Plus im Bundesbauministerium (BMUB) Petra Alten, führte in ihrem Vortrag die Erfolge der Initiative durch eine zügige Markteinführung, diverse Preise für Einzelobjekte, Architekten und Planer, sowie den gut frequentierten Internetauftritt an. Sie wies jedoch auch auf bestehende Hemmnisse hin, deren Abbau ressortübergreifende Tätigkeiten erfordere.

Lösungsansätze zur Überwindung dieser Hemmnisse werden zur Zeit in einigen, teilweise durch die Forschungsinitiative Zukunft Bau geförderten Projekten entwickelt, berichtet Arnd Rose vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR).

Derzeit werden u.a. Handlungsempfehlungen zur Kostenreduzierung für den Effizienzhaus Plus Ansatz formuliert und eine ganzheitliche energetische Betrachtung der Gebäude (von der Erstellung bis zum Abriss) ausgearbeitet. Energieeffiziente Gebäude werden in Deutschland unter sehr unterschiedlichen Begriffen auf dem Markt beworben. Der Endnutzer kann die Unterschiede zwischen den Ansätzen kaum noch nachvollziehen. Hans Erhorn (Fraunhofer IBP) berichtet, dass derzeit im Rahmen der Begleitforschung zum Effizienzhaus Plus an seinem Institut eine Broschüre erarbeitet wird, in der die Unterschiede zwischen den Konzepten erklärt werden und die Besonderheiten der unterschiedlichen Gebäudestandards transparent dargestellt sind. Das Erscheinen wurde für das Frühjahr 2017 angekündigt.

Antje Bergmann (Fraunhofer IBP) stellte auf zukünftige Bauvorhaben übertragbare Erfahrungen aus dem Netzwerk Effizienzhaus Plus vor. Aus der Praxis der Wohnungswirtschaft berichtete Frank Junker (Geschäftsführer ABG Frankfurt Holding) über die Erfahrungen mit dem größten, bisher realisierten Effizienzhaus Plus im Geschosswohnungsbau, dem Aktiv-Stadthaus in Frankfurt.

Andreas Bayer (Weberhaus / BDF) berichtete, dass über die Hälfte der Käufer eines Fertighauses im vergangenen Jahr im KfW 55-Standard oder besser gebaut haben, und weist auf die Effizienzhäuser Plus im Portfolio der Fertighausbranche hin, die 2016 einen Branchenumsatz von knapp 10 % ausmachten. Die Ergebnisse aus der Praxis zeigen, dass der Effizienzhaus Plus Ansatz am Markt angekommen ist, Optimierungen aber stetig weiter vorangetrieben werden müssen um das Kostenniveau der Gebäude weiter zu senken.

Die umfangreiche Posterausstellung zu den Aktivitäten und Erkenntnissen aus dem Netzwerk Effizienzhaus Plus konnte in der Pause besucht werden, bevor am Nachmittag in zwei Diskussionsrunden mit Partnern aus Planung, Forschung, Sozialwissenschaft und mit Herstellern über den Einfluss des Gebäudestandards auf Planung und Nutzung debattiert wurde. Ein besonderer Fokus der Diskussion lag auch auf einer vielfach eingesetzten Haustechnikkomponente und deren Effizienz: der Wärmepumpe.

Moderiert von Petra Alten (BMUB) diskutierten im ersten Erfahrungsaustausch Prof. Karsten Tichelmann (TU Darmstadt) von Ingenieursseite mit Dr. Eva Schulze (BIS Berlin) und Prof. Bernd Wegener (HU Berlin), beide Sozialwissenschaftler, über den Einfluss des Effizienzhauses Plus auf die Architektur und die Nutzer. Dabei mahnte Herr Tichelmann neben der Konzentration auf den Effizienzhaus Plus Ansatz, die Nachhaltigkeit in der Qualität von Architektur und Baukultur nicht aus den Augen zu verlieren. Auch mangele es dem Handwerk teilweise am Gewerke übergreifenden Verständnis für das Effizienzhaus Plus. Die Sozialwissenschaftlerin Dr. Schulze gab zu bedenken, dass die Motivation der Beteiligten mit der Beschäftigung mit einem Thema steigt. Die Ergebnisse der Bewohnerevaluation zeigen deutlich, dass sich die Akzeptanz des Effizienzhauses Plus bei dessen Nutzern eingestellt hat. Bei den Planern und Ausführenden hingegen fehle es partiell an der Akzeptanz zur Interdisziplinarität, die sowohl in der Ausbildung als auch in der täglichen Arbeitspraxis selbstverständlich sein sollte.

Im zweiten Diskussionsforum, geleitet durch Peter-M. Friemert (Informationsstelle Effizienzhaus Plus) tauschten sich Hans Erhorn (Fraunhofer IBP), Dr. Marek Miara (Fraunhofer ISE), zwei Vertreter aus der Forschung, mit dem Vertreter der Hersteller der Wärmepumpen Volker Weinmann (Bundesverband Wärmepumpen) und zwei Planern, Stefan Oehler (Greentech Frankfurt) und Harald Fonfara (Ingenieurbüro Fonfara) über die partiell vorzufindende Differenz von Herstellerkennwerten und der messtechnisch ermittelten Effizienz von Wärmepumpen in der Praxis aus.

Auf Grund der Erkenntnisse aus der Begleitforschung des Fraunhofer IBP, in denen sich herausstellte, dass in einigen Modellprojekten des Effizienzhaus Plus Netzwerks, teilweise nicht zufriedenstellende Arbeitszahlen der Wärmepumpen vorgefunden wurden, wurde von der Informationsstelle Effizienzhaus Plus eine Diskussion mit dem Bundesverband Wärmepumpen zur Qualitätsverbesserung angestoßen. Aus seiner langjährigen Berufspraxis berichtete aus Planersicht Herr Fonfara von vielfältigen möglichen Fehlerquellen, sowohl in der Planung, Ausführung, Inbetriebnahme als auch dem Betrieb von Wärmepumpenanlagen. Herr Dr. Miara bekräftigte, dass höchste Effizienz am sichersten mit einfachen, robusten und sorgfältig geplanten Anlagen erreicht werden könne. Herr Erhorn zeigte beim Blick über die Landesgrenze, dass im europäischen Ausland bereits erfolgreich Schulungs- und Weiterbildungsmaßnahmen für Planer und Handwerker standardisiert Anwendung finden.

In Deutschland erscheint in Kürze, als ein ergänzendes Hilfsmittel, die VDI 4645, die sowohl als ein Planungsinstrument eingesetzt werden kann, als auch Modelle für Schulungen aufzeigen wird. Eine von Forscherseite geforderte Performancegarantie wurde jedoch seitens des Bundesverbandes Wärmepumpen e.V. aufgrund der vielfältigen Einflussmöglichkeiten abgelehnt. Die Nutzer sollen vielmehr Mindestinformationen direkt am Gerät erhalten und über Konsequenzen in Bezug auf die Effizienz der Wärmepumpe aufgeklärt werden, falls diese auf eine andere Weise genutzt wird als in der Planung vorgesehen .

Aus dem Auditorium kam hierzu der Einwand, das Nutzerhandbücher selten gelesen werden und ein begleitendes obligatorisches Monitoring zu kostspielig sei. Vielmehr wird gefordert, dass die Ingenieure am Inbetriebnahme-Management beteiligt werden, das entsprechend vergütet werden sollte. Nach einem regen Informationsaustausch mit dem Auditorium schloss Herr Friemert die Diskussion. Frau Alten bat die Teilnehmer in ihren Schlussworten, die positiven Impulse des Tages fächerübergreifend weiter zu tragen und dankte den Teilnehmern und Organisatoren für die gelungene Veranstaltung, die allseitig auf eine sehr positive Resonanz stieß.

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