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Bauliche Infektionsprävention in Krankenhäusern

1.0 Einleitung

Bauliche und technische Maßnahmen können das Übertragungsrisiko von Infektionserregern in Gebäuden reduzieren und damit zu einer reduzierten Anzahl von Infektionen beitragen – etwa bei nosokomialen Infektionen im Krankenhaus. Besonders in Krankenhäusern muss die Übertragung multiresistenter Keime vermieden und daher höchste Hygienestandards erfüllt werden. Dabei gilt es, die Übertragung multiresistenter Keime zu unterbinden, die sich bereits im Krankenhaus befinden, aber auch das Eintragen von Erregern bis hin zu möglicherweise hochkontagiösen Patienten zu kontrollieren.

Der Anstieg des Auftretens multiresistenter Keime in Krankenhäusern, die bei Patienten zu einem erhöhten Risiko sich in einer Klinik mit einem dieser Keime zu infizieren führt, sowie die Änderung des Infektionsschutzgesetzes, machen es für Krankenhausbetreiber unumgänglich, sich mit der Thematik Krankenhaushygiene zu beschäftigen. Das gilt aber nicht nur bei der Planung alltäglicher Arbeitsprozesse für die Träger und Betreiber der Kliniken, sondern insbesondere auch für Architekten und alle Fachleute, die mit der Planung und Errichtung von Krankenhäusern befasst sind. Die gebaute Umgebung schafft die Rahmenbedingungen, innerhalb derer erfolgreich Hygienestandards umgesetzt werden können. Die hier beschriebenen Empfehlungen richten sich dabei an verschiedenen Planungsphasen und stellen bereichsspezifische Maßnahmen dar, die bei Neu- und Umbauten, aber auch teilweise temporär im Bestand umgesetzt werden können. Sie sind baulicher und prozessualer Natur.

Die im Folgenden vorgestellten Planungsempfehlungen bauen auf den im Forschungsprojekt HYBAU und KARMIN durchgeführten Untersuchungen sowie auf den Ergebnissen weiterer Forschungsprojekte im Themenfeld der baulichen Hygiene auf. Mit diesen Empfehlungen können die baulichen Strukturen in Krankenhäusern so gestaltet werden, dass sie nachhaltig infektionspräventiv auf Patienten und Klinikmitarbeiter*innen wirken und diese in ihren alltäglichen Abläufen hygienesicher unterstützen können. Gefördert wird dies durch bauliche Strukturen, welche die räumliche Orientierung und die Übersichtlichkeit stärken, welche die Entfernungen zwischen hygienerelevanten Räumen reduzieren oder die auf Veränderungen im Betrieb durch Infektionsfälle flexibel reagieren können. Hierbei werden insbesondere die Bereiche Operation, Notfallaufnahme, Intensivstation und Materialien basierend auf den Erkenntnissen des Projekts HYBAU [1], die Normalpflege und deren Ausstattung basierend auf den Erkenntnissen des Projekts KARMIN [2], sowie die Unterbringung hochkontagiöser Patienten in einem Zeltsystem basierend auf dem Projekt EKOS [3] berücksichtigt. Diese Empfehlungen sollen die aus dem Jahr 1976 stammende und damit veraltete Musterkrankenhausbauverordnung ergänzen, zu deren Überarbeitung und zu neuer Forschung in diesem Themenfeld anregen.

HYBAU - Bauliche Hygiene im Krankenhaus
Projektleitung

Institut für konstruktives Entwerfen, Industrie- und Gesundheitsbau (IKE), TU Braunschweig
Dr.-Ing. Wolfgang Sunder, Architekt
Dr.-Ing. Jan Holzhausen, Architekt

Kontakt Projektkoordinierung

gesundheitsbau-ike@tu-braunschweig.de
+49 531 391-2544

Forschungskonsortium

- Institut für Baustoffe, Massivbau und Brandschutz (IBMB), TU Braunschweig
- Institut für Hygiene und Umweltmedizin, Charité Universitätsmedizin Berlin
- Institut für konstruktives Entwerfen, Industrie- und Gesundheitsbau (IKE), TU Braunschweig

Industriepartner

- Deutsches Kupferinstitut Berufsverband e.V.
- Franz Kaldewei GmbH & Co. KG, Ahlen
- objectmöbel-concept, Lüdinghausen
- Kusch + Co, Hallenberg
- Reiss Büromöbel, Bad Liebenwerder
- Resopal, Groß-Umstadt
- Hornschuh, Weißbach
- Meiko Maschienenbau GmbH & Co. KG, Offenburg
- OWA Odenwald Faserplattenwerk GmbH, Amorbach
- Planungsgruppe Schweitzer & Partner, Braunschweig
- Saint-Gobain Glass France, Courbevoie/ Aachen
- Sana Kliniken AG, Ismaning
- Schön Klinik Verwaltung GmbH, Prien am Chiemsee
- Sika Deutschland GmbH, Stuttgart
- Städtisches Klinikum Braunschweig GmbH
- Tarkett Holding GmbH, Frankenthal
- Vorwerk & Co. Teppichwerke GmbH & Co. KG, Hameln

Förderzeitraum

09.2014-11.2016

Auslobung/Call

Zukunft Bau

Mittelgeber

Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB)

Förderträger

Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBSR)

Förderkennzeichen

SWD - 10.08.18.7-14.04

Bildquelle: Luis Melendez auf unsplash.com

1.1 Warum wird die bauliche Infektionsprävention im Krankenhaus benötigt?

Das Ausmaß nosokomialer Infektionen ist beträchtlich. Jährlich erkranken in Deutschland ca. 500.000 Patienten an solchen im Krankenhaus erworbenen Infektionen. Die häufigsten Krankenhausinfektionen sind Wundinfektionen, untere Atemwegsinfektionen und Harnwegsinfektionen. Auch Blutstrominfektionen (Sepsis) und bestimmte Darminfektionen (Clostridium diffizile Infektion, CDI) werden häufig beobachtet. Viele Krankenhausinfektionen sind nicht nur für die Patienten sehr unangenehm, sondern führen auch zu einer Verlängerung der Verweildauer im Krankenhaus und führen so zu einer Mehrbelastung des Gesundheitssystems. Damit haben Krankenhausinfektionen auch erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen. Teilweise können Krankenhausinfektionen sogar zum Tode des Patienten führen oder dazu beitragen. Man nimmt in vorpandemischen Zeiten an, dass etwa 10.000 bis 15.000 Patienten pro Jahr aufgrund von krankenhausinduzierten Infektionen verstarben [4]. Insbesondere die nosokomialen Lungenentzündungen (Pneumonie) und die Sepsis sind mit einer erhöhten Sterblichkeit der Patienten assoziiert.

Die Gefahr des Auftretens neuer Erreger ist hoch. Regelmäßig werden neue Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten beschrieben, die das Potenzial haben, Infektionen beim Menschen hervorzurufen. So sind die letzten Influenza-Epidemien wie SARS und Ebola oder der Ausbruch der COVID-19-Pandemie bekannte Beispiele mit weitreichenden gesellschaftlichen Folgen vornehmlich in den betroffenen Regionen. Kritisch ist das Auftreten neuer Erreger hauptsächlich dann, wenn sie sich schnell ausbreiten können. Das zeigen die bisherigen Erfahrungen, die im Zusammenhang mit der seit Ende 2019 weltweiten Ausbreitung des Coronavirus (SARS-CoV-2) stehen. So erfordert die Versorgung von Patienten in Zeiten der COVID-19-Pandemie eine besondere Umgebung und Arbeitsprozesse, die das Risiko einer Übertragung von SARS-CoV-2 verringert. Dabei werden luftgetragene Infektionen fokussiert, um einerseits das Personal und andererseits die bereits vulnerablen Patienten zu schützen. Über die baulich-konstruktiven Bedingungen hinaus müssen dafür speziell auch lüftungstechnische Maßnahmen in Erwägung gezogen werden.

1.2 Was sind die Herausforderungen der Infektionsprävention?

Die erfolgreiche Umsetzung von Hygienestandards wird aktuell gleich durch mehrere Faktoren erschwert [5].

Zunahme nosokomialer Infektionen und multiresistenter Keime
In den letzten Jahren ist eine signifikante Zunahme der Zahl von MRSA bzw. von nosokomialen Infektionserregern mit erheblichem Ausbreitungspotenzial zu beobachten [6]. Zugleich wird in absehbarer Zeit die Anzahl der zur Verfügung stehenden Antibiotika deutlich eingeschränkt sein. Zudem ist ein steigender Antibiotikaverbrauch, insbesondere bei den Reserveantibiotika, festzustellen, da weiterhin ein übermäßiger Gebrauch von Antibiotika in Behandlungsstrategien zu beobachten ist.

Neue Erreger
Regelmäßig werden neue Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten beschrieben, die das Potenzial haben, Infektionen beim Menschen hervorzurufen. So sind die letzten Influenza-Epidemien, SARS oder der Ausbruch von EHEC ebenso bekannte wie besorgniserregende Beispiele. Kritisch ist das Auftreten neuer Erreger vornehmlich dann, wenn sie sich schnell ausbreiten können. Die medizinische Routineversorgung ist nicht auf die Diagnostik neuer Erreger vorbereitet, da die meisten Methoden auf dem Nachweis bekannter Erreger beruhen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Normal- und speziell die Intensivpflegebereiche nur unzureichende Isoliermöglichkeiten für infizierte Patienten haben.

Demografischer Wandel
In Deutschland liegt seit 1972 die Sterberate höher als die Geburtenrate, sodass die Gesamtbevölkerungszahl sinkt. Zugleich steigt durch die höhere Lebenserwartung der Anteil der älteren Menschen gegenüber dem Anteil jüngerer. Dabei hat eine zunehmende Anzahl älterer Menschen bis ins hohe Alter von ca. 80 Jahren geringe oder sogar gar keine chronischen Krankheiten oder Behinderungen. Eine große Herausforderung bei dieser Bevölkerungsgruppe besteht in der deutlich gestiegenen Zahl von immunsupprimierten Patienten mit Begleiterkrankungen und ihrer sinnvollen Unterbringung auf den Pflegestationen. Da das Abwehrsystem dieser Personen durch eine chronische Grunderkrankung oder durch die Verabreichung bestimmter Medikamente geschwächt ist, müssen sie verstärkt vor Infektionen geschützt werden.

Rückgang der Anzahl der Krankenhäuser und Zunahme der Bettenbelegung:
Der Konkurrenzdruck unter den deutschen Kliniken, das neue Krankenhausfinanzierungsgesetz [6] und das seit 2004 eingeführte pauschalierte Abrechnungsverfahren, kurz DRG, hat in Deutschland nicht nur die Anzahl der Krankenhäuser, sondern auch die Verweildauer der stationären Patienten nachhaltig reduziert. Gleichzeitig kam es zu einem Anstieg der Anzahl stationär behandelter Patienten, gerechnet pro Bett im Krankenhaus

Erhöhter Bedarf an medizinischem Personal
Die veränderten Ansprüche der Patienten und die ihnen gewährten Leistungen haben in den vergangenen Jahrzehnten einen starken Anstieg an medizinischem Personal (Ärzte, Pflegekräfte und Verwaltung) verursacht. Die Zunahme der Personalkosten ist ihrerseits in erster Linie auf eine deutliche Steigerung der ärztlichen Dienste zurückzuführen, während die Kosten im Pflegedienst nur sehr moderat gewachsen sind. Insbesondere in den letzten zehn Jahren wurde das Personal in der Pflege kontinuierlich aufgestockt. [7]. Demgegenüber steht ein akuter Fachkräftemangel. Zudem ergeben die Personalkosten durchschnittlich 60 % der Gesamtkosten eines Krankenhauses, die in den vergangenen zehn Jahren um ca. 3 % pro Jahr stiegen. Diese Kostenbelastung erfordert häufig Einsparungen, die teilweise zu Defiziten bei den Hygienestandards führen können.

Innovationen in der Medizintechnik und neue Behandlungsformen
Mit der Entwicklung neuer diagnostischer und therapeutischer Verfahren wurden Untersuchungs- und Behandlungseinrichtungen von den Pflegestationen abgespalten. Gleichzeitig stieg die Leistungsfähigkeit am einzelnen Patienten stark an. In den letzten Jahren haben sich zudem neue abgestufte Behandlungsformen wie teilstationäre Behandlung, vor- und nachstationäre Betreuung usw. etabliert, welche die traditionelle Form der Pflege mehr und mehr ablösen. Zusätzlich hat es eine starke Zunahme an Intensivpflegebetten sowohl an Universitätskliniken als auch an allgemeinen Krankenhäusern gegeben [8], [9]. Neue Medizintechnik und Behandlungsformen erfordern und ermöglichen neue Arbeitsprozesse und Umschulungen. Daraus können Risiken für die korrekte Umsetzung von Hygieneprozessen entstehen.

Zunahme an Patienten mit Demenz
Neben der stetig zunehmenden Anzahl älterer Patienten wird auch das Risiko, an einer Demenz zu erkranken, zunehmen. Insgesamt sind in Deutschland derzeit rund 1 Million Menschen im Alter von 65 Jahren und älter von Demenz betroffen, was ca. 7 Prozent dieser Altersgruppe entspricht. Die Zahl der Neuerkrankungen nimmt jedes Jahr um ca. 200.000 Personen zu und wird sich bis 2050 auf über 2 Millionen Menschen verdoppeln. Dies wird zu einem höheren Pflegeaufwand und einem höheren Bedarf an Pflegekräften führen, da die Möglichkeiten der Automatisierung in diesem Bereich begrenzt sind. Nicht immer kann der Personalbedarf gedeckt werden, sodass Arbeits- und Hygieneprozesse inkorrekt durchgeführt werden können. Demente Patienten können sich außerdem häufig unhygienischer verhalten.

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1.3 Was sind krankenhausspezifische Infektionen?

Art der Infektionen
Es wird grundsätzlich zwischen zwei Infektionsformen im Krankenhaus unterschieden. Ein Teil der Krankenhausinfektionen kommt durch Erreger zustande, die von außen an den Patienten herangetragen werden, z. B. durch direkten oder meistens indirekten Kontakt mit anderen Patienten oder mit den Mitarbeitern des Krankenhauses. Dies nennt sich exogene Infektion. In der Regel sind es weniger als 20 bis 30 % der Krankenhausinfektionen, bei denen die Erreger exogener Natur sind [10], [11]. Insbesondere die Hände des Personals und der Übertragungsweg über gemeinsam genutzte Instrumente oder Gegenstände spielen hier die wesentliche Rolle. Bauliche Infektionspräventionsmaßnahmen wirken vorrangig auf das Auftreten dieser Infektionsform.

Die zweite Infektionsform nennt sich endogene Infektion. Durch invasive medizinische Maßnahmen wie Injektionen, Infusionen, Gefäßkatheter, Harnwegkatheter oder Intubation zur künstlichen Beatmung kann es leicht zum Eindringen der körpereigenen Bakterienflora in solche Körperbereiche kommen, die normalerweise steril sind und wo eingedrungene Bakterien leicht zu einer Infektion führen können. Dazu zählen zum Beispiel die Blutbahn, die Lunge oder die Harnwege. Deshalb sind die meisten Krankenhausinfektionen endogener Natur und auch nur bedingt zu verhindern, indem man z. B. solche invasiven Prozeduren sehr restriktiv anwendet.

Durch geeignete bauliche Maßnahmen ist es im Wesentlichen möglich, den Anteil der exogen bedingten Infektionen zu reduzieren. In einer Umgebung, in der der Patient sich wohlfühlt und neben der Erkrankung nicht zusätzlichen Stressfaktoren ausgesetzt ist, kann es unter Umständen möglich sein, auch einen geringen Anteil der endogen bedingten Infektionen zu reduzieren.

Infektionsorte
Entsprechend der Infektionsform treten Krankenhausinfektionen vor allem in den Krankenhausbereichen auf, wo die Behandlung mit besonders vielen invasiven Maßnahmen verbunden ist (z. B. Intensivstationen) oder wo Patienten liegen, deren Immunsystem im Rahmen der Grunderkrankung oder im Rahmen der medizinischen Behandlung besonders geschwächt ist (z. B. onkologische Stationen oder Stationen mit Transplantationspatienten). Zu den besonders invasiven Maßnahmen gehören selbstverständlich die Operationen. Deshalb hat die Infektionsprävention in diesem Bereich auch einen hohen Stellenwert [Abb. bauliche Isolierung].

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Unterschiedliche Ansatzpunkte für die bauliche Isolierung von Patienten im Krankenhaus. Manche Patientengruppen (z.B. Intensivpatienten) können beiden Kategorien zugeordnet werden.

Hygienemaßnahmen
Allgemein unterscheidet man die horizontalen und die vertikalen Präventionsmaßnahmen. Die horizontalen sind diejenigen, die bei allen Patientengruppen gleichermaßen umgesetzt werden müssen. Das wichtigste Beispiel hierfür ist die Händedesinfektion, die vor und nach jedem Patientenkontakt erfolgen muss sowie zusätzlich vor sogenannten aseptischen Tätigkeiten, wie z. B. Manipulationen am Gefäßkatheter oder beim Verbandswechsel. Auch die Reinigung und Desinfektion gehören zu den horizontalen Maßnahmen, ebenso wie der gezielte und zurückhaltende Umgang mit Antibiotika (Antibiotic Stewardship).
Vertikale Präventionsmaßnahmen sind solche, die man durchführt, wenn man weiß, dass der Patient eine bestimmte Infektion hat bzw. mit bestimmten Erregern (z. B. multiresistente Erreger) kolonisiert ist. Auch das Screening auf bestimmte Erregerarten gehört zu den vertikalen Präventionsmaßnahmen, wenn man damit bestimmte zusätzliche Maßnahmen kombiniert, z. B. die Dekolonisierung von Erregern der Patienten, die nur bei einigen wenigen Erregerarten möglich ist (z. B. MRSA), oder die Unterbringung der Patienten im Einzelzimmer [Abb. vertikale und horizontale Präventionsmaßnahmen].

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Übersicht über vertikale und horizontale Präventionsmaßnahmen

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2.0 Allgemeine, baukonstruktive und baufunktionale Empfehlungen

Mit den folgenden allgemeinen Empfehlungen können bei der Neu- oder Umplanung die baulichen Strukturen so gestaltet werden, dass sie nachhaltig infektionspräventiv auf Patienten und Klinikmitarbeiter wirken können. Dazu werden die Potenziale auf den Ebenen vom Grundriss, über einzelne Stationen bis hin zu baulichen Details dargestellt, die der Gesamtausrichtung des jeweiligen Krankenhauses angepasst werden können. Die hier dargestellten Empfehlungen beziehen die Bereiche der technischen Gebäudeausrüstung (TGA), wie z.B. die Trinkwasserinstallation oder Lüftungsanlagentechnik, nicht mit ein, da der thematische Schwerpunkt der Empfehlungen auf den baukonstruktiven (Oberflächen, Materialen und Möbel) und baufunktionalen (Prozesse) Komponenten liegen soll.

Die vorgestellten Empfehlungen haben das Ziel, die Patienten und das ärztliche und pflegerische Personal in ihren alltäglichen Abläufen in einem hygienesicheren Umfeld zu unterstützen. Gefördert wird dies durch bauliche Strukturen, die die räumliche Orientierung und Übersichtlichkeit stärken, die die Entfernungen zwischen hygienerelevanten Räumen reduzieren oder die auf prozessuale Veränderungen flexibel reagieren können.

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Fugenlose Oberflächen

Fugenlose Oberflächen verhindern, dass sich Biofilme mit Erregern bilden und Zwischenräume schlecht oder nur sehr aufwendig reinigen lassen. Eine fugenlose Oberfläche ist wichtig für eine reibungslose Flächendesinfektion. Reinigungskräften werden Arbeitsprozesse erleichtert und die Einhaltung von Reinigungsvorschriften kann wahrscheinlicher werden.

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Ausreichende, dezentrale Lagerflächen

Ausreichende, dezentrale Lagerflächen entlasten das Pflegepersonal, indem Laufwege verkürzt werden. Auch können die anderen Lagerflächen weitergenutzt werden, wenn ein Lagerbestand aufgrund einer Kontamination verworfen werden muss. Allerdings birgt die Lagerung im Patientenzimmer das Risiko, dass der Bestand vernichtet werden muss, wenn ein Patient sich als infektiös herausstellt. Auch bedeuten dezentrale Lagerflächen ein Mehraufwand in der Logistik und ein Zugänglichkeit der Flächen bei der Bestückung der Lager.

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Exemplarische Struktur

Eine exemplarische Struktur z.B. für Normal- und Intensivpflege, OP, Zentrale Notaufnahme (ZNA)

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Kurze Wege

„Bereichsintern“ sollte es kurze Wege zwischen häufigen Anlaufstationen geben. Diese sind entsprechend dem Stationsbedarf und den dortigen Arbeitsprozessen und Patientenbedürfnissen zu planen.

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Optimierte Abläufe

Die Anordnung der Räume sollte optimierte Abläufe
ermöglichen, sodass Personen und Materialien
effizient bewegt werden können.

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Kompakte Grundrissstruktur

Eine kompakte, funktionsoptimierte Grundrissstruktur kann Arbeitsabläufe erleichtern und reduziert Laufzeiten.

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Natürliche Be- und Entlüftung

Um das Risiko einer aerogenen Infektion zu verringern ist neben einer entsprechenden mechanischen oder hybriden Belüftung eine natürliche Be- und Entlüftung erforderlich.

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Gute Übersichtlichkeit

Durch eine gute Übersichtlichkeit der Räumlichkeiten, können Gefahrenquellen früh identifiziert, Personen ausgewichen und Zielorte schnell angesteuert werden.

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Ausreichende Verkehrs- und Bewegungsflächen

Ausreichende Verkehrs- und Bewegungsflächen erleichtern das Verschieben von Gerätschaften, Pflegeprozesse, das Halten von Abstand und vergrößern das Luftvolumen in gemeinschaftlich genutzten Räumen, sodass das Risiko einer aerogenen Infektion verringert werden kann. sollen aber nicht als Lagerflächen umfunktioniert werden.

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Vor- und Rücksprünge vermeiden

Es sollten Vor- und Rücksprünge vermieden werden, die Reinigungsvorgänge erschweren. Zudem verringert sich so die Anzahl an Fugen. Vorsprünge sollten oberhalb von 2 m Höhe vermieden werden, da dort selten gereinigt wird.

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Kurze Wege zu benachbarten hygienerelevanten Funktionsbereichen

Kurze Wege zu benachbarten hygienerelevanten Funktionsbereichen erleichtern Arbeitsprozesse, verringern Laufzeiten und können zu einer höheren Compliance mit Hygieneprozessen führen.

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Temporäre Abtrennbarkeit einzelner Gebäudeteilen

Die räumliche Infrastruktur und Einrichtung sollte eine temporäre Abtrennbarkeit von einzelnen Gebäudeteilen ermöglichen, sodass Kohorten getrennt werden können. Dies betrifft die Unterteilung eines ganzen Gebäudekomplex aber auch einzelner Stationen und stellt entsprechende Anforderungen an Infrastruktur und Erschließung.

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Stützenfreie Räume

Räume in hygienerelevanten und behandlungsintensiven Bereichen, wie z. B. Schock- und Eingriffsraum, sollten stützenfreie konstruiert werden.

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Ausreichende Stell- & Arbeitsflächen

Es müssen ausreichende Stell- und Arbeitsflächen in pflege- und behandlungsintensiven Bereichen vorgehalten werden.

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Getrennte Aufzüge

Es sollten möglichst voneinander getrennte Aufzüge für liegende Patienten und Besucher bereitstehen.

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Infrastruktur bündig integrieren

Leitungen, Schächte und Heizelemente sollten in Wand bzw. Decke/Boden integriert werden, um Reinigungsprozesse zu erleichtern.

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Positionierung Desinfektionsmittelspender

Desinfektionsmittelspender gut sichtbar entlang von Arbeitswegen und vor Kollision geschützt platzieren.

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Separierte Toilettenanlagen

Nach Nutzergruppen separate Toilettenanlagen planen, um Kreuzkontaminationen vorzubeugen. Die den Patienten zur Verfügung stehenden Sanitäranlagen und deren Einrichtung ist je nach Stationsbedarf zu planen. Zu viele Sanitäranlagen bergen wiederum bei Nichtbenutzung eine Verkeimungsgefahr.

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3.0 Material, Oberflächen und Farben

Die Prävention von nosokomialen Infektionen kann auf verschiedenen Betrachtungsebenen erfolgen. Bauliche Anforderungen an hygienesichere Materialien werden bisher wenig forciert, gehören aber zu dem Repertoire infektionspräventiver Maßnahmen. Aufgrund der vielfältigen Nutzungsprofile der Räumlichkeiten im Krankenhaus sind unterschiedliche Anforderungen in mechanischer, physikalischer, chemischer und hygienischer und wahrnehmungspsychologischer Hinsicht an das Bauteil bzw. das Material zu stellen. Demzufolge werden auf Bauteilebene die technischen Anforderungen der in direktem oder indirektem Kontakt mit dem Nutzer stehenden Ebene definiert. Hierbei sind Boden-, Wand- und Deckenbeläge sowie Ausstattungsgegenstände von unmittelbarem Interesse. Aber auch gestalterisch visuell kann die Oberflächenbeschaffenheit oder Textur zu einer besseren Infektionsprävention führen. So sollten Oberflächen, die häufig gereinigt werden müssen monochrom gefärbt sein, sodass Verunreinigungen schneller wahrgenommen und beseitigt werden können. Auch kann die eine farbliche abgesetzte Zonierung von Räumen Patienten und Mitarbeitenden helfen sich zu orientieren und nur die ihnen zugewiesenen Flächen zu berühren und zu benutzten. Insbesondere demente Patienten können in Mehrbettzimmern in ihrer Orientierung unterstützt werden, wo sich beispielsweise ihre eigene und wo sich die Zahnbürste des Zimmernachbars in der Nasszelle befindet. Eine ruhige Farbgebung und Texturierung der Umgebung kann zu konzentrierteren Arbeitsabläufen und weniger hygienischen Versäumnissen führen. Auf Seiten der Patienten kann eine beruhigende Umgebung den Genesungsprozess unterstützen und somit den möglichen Zeitraum einer nosokomialen Infektion verkürzen.

Detaillierte Informationen zu den spezifischen Materialanforderungen in den einzelnen Krankenhausbereichen, sind auf den jeweiligen bereichsspezifischen Informationsseiten beschrieben.

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4.0 Operationsbereich (OP)

OP-Bereiche sind funktionell, organisatorisch und prozessual komplexe Einrichtungen; viele Prozesse laufen hier zeitgleich ab. Konzepte für OP-Bereiche werden maßgeblich von Überlegungen zu Kapazitäten, Wirtschaftlichkeit, hygienischen Aspekten, Wegetrennung und technischen Lösungen bestimmt, insbesondere in Bezug auf Raumlufttechnik (RLT) im OP-Saal und in den angrenzenden Nebenräumen. Auch die der Operation vor- und nachgeschalteten Funktionen wie Holdingfunktion, Narkoseeinleitungs- und aufwachfunktionen sind Gegenstand unterschiedlicher Lösungsansätze.

Während ursprünglich dezentrale, d. h. medizinisch fachspezifisch ausgerichtete OP-Bereiche geplant wurden, werden nunmehr bei Neubauprojekten fast ausschließlich Zentral-OP-Bereiche realisiert. Eine Dezentralisation der aufwendigen Technik und der Personalressourcen ist wirtschaftlich nicht vertretbar.

Die Funktionalität von OP-Bereichen wird maßgeblich durch den reinen bzw. unreinen (z. T. kontaminierten) Güterfluss beeinflusst. Vornehmlich die optimale Bereitstellung der Sterilgüter ist wichtig. Hier sind unterschiedliche Lösungen der Logistik denkbar. Sie sollte über eine dem Zentral-OP-Bereich räumlich und zeitlich nahe gelegene zentrale Sterilgutversorgungsabteilung (ZSVA) bereitgestellt werden.

In Bezug auf die Raumkonfigurationen ist dem OP-Bereich eine Schleusenzone vorgeschaltet, die den hygienisch wichtigen internen Bereich vom übrigen Krankenhaus abtrennt. Zur Schleusenzone gehören Holdingbereiche für die Patienten, Personalumkleiden, Patienten- und Güterschleusen, Leitstellen usw.

Wesentlicher Teil der OP-Bereiche ist die OP-Einheit, definiert als OP-Saal mit zugehörigen Nebenräumen. Im Zentrum stehen die Arbeitsabläufe am OP-Tisch, wo alle Funktionen präzise koordiniert zusammenlaufen. Außerhalb des OP-Bereiches, aber in direktem Anschluss an die Schleusenzone liegt ein zentraler Aufwachbereich, in dem die Patienten, die nicht auf Intensivbereiche gelegt werden, in der Aufwachphase betreut werden.

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Schematischer Grundriss Operationsbereich (OP)
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Planungsempfehlungen Operationsbereich (OP)
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Zu 1 - Abstufung Hygienerelevanz

Es sollte möglichst separat geführte Prozesse von Patient, Mitarbeiter und Material, zur OP und von der OP weg geben. Diese drei Prozesse sollen dabei spezielle, hygienerelevanten Abstufungen berücksichtigen, die durch das Raumprogramm und dessen Anordnung widergespiegelt werden.

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Zu 2 - Anforderungen an den Prozess Sterilgut

Damit das Sterilgut keimfrei bleibt, sind mehrere Anforderungen an den Prozess zu erfüllen:
- Es darf keine Überschneidung von Ver- und Entsorgungsprozessen geben.
- Der Entsorgungsraum muss einen separaten Anschluss an die Entsorgungseinheit (z.B. vertikaler Fahrstuhl, direkte Anbindung an OP-Einheit) haben.
- Es muss eine separate Versorgung der Ops aus der ZSVA über einen separaten Raum und Sterilgutflur möglich sein.
- Das Sterilgut muss in einem separaten Bereich/Raum gerüstet werden.
- Die separate Entsorgung des Materials vom septischen OP muss sichergestellt sein.

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Zu 3 - Temporäre Abtrennbarkeit für Häuser mit einem sehr heterogenen OP-Spektrum / Isolierung für ein spezifisches OP-Spektrum

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Zu 4 - Keine zu große räumliche Distanz von Einleitung zu OP-Raum/Feld

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Zu 5 - Räumlicher Kurzschluss von OP-Bereich zu Aufwachraum

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Zu 6 - Medizintechnische Geräte

- Medizintechnische Geräte mit möglichst wenig Kontakt zum Boden
- Festinstallierte Geräte möglichst von der Decke installiert
- Nur notwendige Geräte im OP-Saal vorhalten
- Lagerflächen extern, in räumlicher Nähe planen

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Zu 7 - Türen mit Sichtfenster zur Kontrolle und Kommunikation einrichten

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Zu 8 - Behandlungsintensive Räume (wie z.B. OP-Raum) mit Bezug zum Außenraum (Fenster) konzipieren

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5.0 Zentrale Notaufnahme (ZNA)

Für alle Notfallpatienten ist die Notfallaufnahme eines Krankenhauses die zentrale Anlaufstelle. Unter Notfallpatienten werden jene Personen gezählt, die sich infolge einer Erkrankung, Verletzung, Vergiftung oder aus sonstigen Gründen in unmittelbarer Lebensgefahr befinden und bei denen eine wesentliche Einschränkung der Vitalfunktionen festzustellen ist.

In der Notaufnahme werden der medizinische Steuerungsprozess und die Effektivität der medizinischen Organisation maßgeblich beeinflusst. Unabdingbar ist, dass alle für die Primärdiagnostik und Erstbehandlung notwendigen Einrichtungen, Funktionen und Geräte in der Notaufnahme unmittelbar zugriffsfähig sind.

Die Notaufnahme ist häufig durch komplexe Abläufe gekennzeichnet, in der das Zusammenspiel des Personals und die Koordination der Prozesse lebenswichtig sind. Die Anordnung von Warteflächen, Notfallräumen und Umlagerungsflächen für Patienten sind bei der Akutversorgung zu beachten. Die Anbindung der Notfallaufnahme an einen Notfall-OP ist notwendig.

Die Patientengruppen, die die Notfallaufnahme durchlaufen, lassen sich in den Abläufen nur begrenzt voneinander trennen. Viele Notfälle verlassen z. B. das Krankenhaus nach einer Erstversorgung und werden zur Nachkontrolle als ambulante Patienten wieder einbestellt (Basisdiagnostik). Die diagnostischen Verfahren sind zumindest in der Anfangsphase – bei Notfallpatienten und ambulanten Patienten – vielfach identisch. Ein optimales Hygienemanagement in der Notaufnahme ist aufgrund des Erstkontaktes mit dem Patienten wichtig. Dazu gehören sowohl das Erkennen von gesicherten und potenziellen Infektionserkrankungen in enger Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst als auch ein MRE-Screening nach Risikoprofil und Risikobewertung noch während des Aufenthaltes in der Notaufnahme. Die Gestaltung des Wartebereichs und die Art der Datenaufnahme und Warteschlange, ob Digital, Single, Multiple oder Number Queue, kann bereits Einfluss auf das Infektionsrisiko und die Selektierung der Wartenden untereinander haben.

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Schematischer Grundriss einer Notfallambulanz
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Planungsempfehlung zentrale Notaufnahme (ZNA)
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Zu 1 - Übersicht Funktionsschema und Planungsempfehlungen Zentrale Notaufnahme (ZNA)

- Zuwegung von Außen zwischen liegend (RTW), fußläufig und kritischem Infektionsfall separieren. Die Zuwegung sollte meist in der Nähe des Haupteingangs der Klinik liegen.
- Eine zentrale Triage für diese drei Zuwegungen
- Übergabe des Patienten ins Haus über Pufferstation (IMC)
- Räumliche Separierung der Station zwischen immobil liegenden und mobilen Patienten
- Diagnostik und Eingriffsbereich (Schockraum, CT etc.) als zentralen Strang zwischen dem Bereich für Liegende und Fußläufige organisieren
- Den Bereich „Warten, Untersuchung und Behandlung sowie dienende Funktionen“ radial oder in parallelen Strängen zum zentralen Bereich organisieren

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Zu 2 - Separate Erschließung

Klare und sichtbare Trennung der Zugänge von ZNA und Haupteingang gewährleisten

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Zu 3 - Patientenfluss

Optimalen Patientenfluss in der Planung berücksichtigen

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Zu 4 - Übersicht in der Triage

Triage zentral zur Überwachung räumlicher Prozesse organisieren

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6.0 Intensivstation (ITS)

Funktional und aufgrund der umfangreich eingesetzten Medizintechnik weisen Intensivpflegebereiche besonders komplexe Strukturen auf. Es sind Bereiche, in denen Patienten zur Wiederherstellung der vitalen Funktionen entweder unter anästhesiologischer oder unter fachspezifischer Verantwortung behandelt werden. Intensivpflichtige Patienten erfordern einen hohen Anteil an medizinischen Ressourcen. Dabei ergeben sich spezielle Anforderungen an die Krankenhaushygiene und Infektionsprävention bei schwer kranken, infektiösen oder infektionsgefährdeten Patienten. Aus diesem Grund sind in diesem Bereich spezielle hygienische Maßnahmen zu beachten.

Darüber hinaus sollte die Station ein hohes Maß an Funktionalität, Benutzerfreundlichkeit, Sicherheit und Kommunikation aufweisen. Das ärztliche und pflegerische Personal trägt maßgeblich zur Vermeidung von Infektionskrankheiten bei. An ihre Tätigkeit auf der Intensivmedizin werden hohe qualitative und quantitative Anforderungen gestellt, die durch häufig auftretende Notfallsituationen noch komplexer werden. Aus diesem Grund ist eine gute personelle Ausstattung der Intensivstation auch hinsichtlich der Infektionsprävention entscheidend. Eine Verbesserung des aktuellen Personalschlüssels ist anzustreben. Entsprechend der hohen personellen und apparativen Besetzung und der speziellen hygienischen Maßnahmen sollten Intensivstationen als eigenständige Einheiten betrachtet und geführt werden. Darüber hinaus sind die folgenden weiteren Planungsempfehlungen zu beachten.

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Schematischer Grundriss zweier parallel gespiegelter Intensivstation (ITS)
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Planungsempfehlungen zweier parallel gespiegelter Intensivstation (ITS)
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Zu 1 - 100% Einzelzimmerausstattung

Zu 2 - Stationsgröße 8-10 Betten

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Zu 3 - Übersichtlichkeit der Pflegeprozesse

Pflegestützpunkt mit kurzem Weg und freiem Blick auf alle Patientenzimmer

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Zu 4 - Temporäre Abtrennbarkeit einzelner Bereiche zur Kohortenbildung ermöglichen

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Zu 5 - Hinweise Patientenzimmer

Mindestabstand zwischen den Patientenbetten von 1,40 m einhalten

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Zu 5 - Hinweise Patientenzimmer

Medizintechnik und Ausstattung verschiebbar planen
 

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Zu 5 - Hinweise Patientenzimmer

Zugänglichkeit der Patientenbetten von allen Seiten ermöglichen

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Zu 5 - Hinweise Patientenzimmer

Räumliche Flexibilität ermöglichen

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Zu 5 - Hinweise Patientenzimmer

Für hygienerelevante Pflegeprozesse eine Teilverglasung zwischen den Patientenzimmern und zum Pflegeflur planen

Bildquelle: IKE - TU Braunschweig

Zu 5 - Hinweise Patientenzimmer

Desinfektionsmittelspender gut sichtbar und in Armlänge am Patientenbett verorten

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Bildquelle: IKE - TU Braunschweig
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7.0 Normalpflegestation

Der Pflegebereich steht seit jeher im Zentrum des Krankenhausbaus und der Hygiene, da auf dieser Station zum einen der Prozess des Heilens am Patienten konkret sichtbar wird und zum anderen, weil der Flächenaufwand für die Unterbringung der Patienten im Verhältnis zu den anderen Krankenhausfunktionen groß ist. Letztlich übertragen sich Planungsfehler bei gleicher Stationsstruktur auf viele Stationen.

Maßgebliches Kriterium für die Lage des Pflegebereichs ist die optimale Anbindung an die übrigen relevanten Funktionsbereiche im Krankenhaus. Hier ist die kurze Wegebeziehung des Pflegebereichs zu den Funktionsstellen Operation, Arztdienst und den Fachabteilungen als wichtigstes Kriterium zu nennen. Sinnvoll ist auch die räumliche Nähe zur Intensivpflege und IMC (Intermediate Care, englisch für Zwischenpflege), da sich viele Prozessabläufe bei Personen und Logistik mit denen der Normalpflege überschneiden. Für Patienten und Besucher ist darüber hinaus die Nähe zu Einrichtungen an den Eingängen, der Zugang zu den Außenanlagen und zu weiteren Versorgungseinrichtungen von Bedeutung.

Das Patientenzimmer stellt eine besondere Entwurfsaufgabe innerhalb des Pflegebereiches dar, die bereits Generationen von Architekten, Krankenhausplanern und Innenarchitekten beschäftigt hat. Die Herausforderung, eine Vielzahl an Anforderungen und Nutzerinteressen in einem Raum dieser Größe unterzubringen, ist beträchtlich.

Das Forschungsprojekt KARMIN [2,5] hat erforscht, inwiefern ein Zweibettpatientenzimmer derart ertüchtigt werden kann, dass das Infektionsrisiko für nosokomiale Infektionen der Patienten reduziert werden kann. Die daraus gewonnenen Empfehlungen werden hier dargestellt und durch bereits bestehende Empfehlungen aus dem Projekt HYBAU [1] zum Thema Zimmergröße und Anzahl benötigter Desinfektionsmittelspender ergänzt.

KARMIN - Krankenhaus Architektur, Mikrobiom und Infektion
Projektleitung

Institut für konstruktives Entwerfen, Industrie- und Gesundheitsbau (IKE), TU Braunschweig
Dr.-Ing. Wolfgang Sunder, Architekt
Lukas Adrian Jurk, Designer
Julia Moellmann, Architektin
Oliver Zeise, Architekt

Kontakt Projektkoordinierung

w.sunder@tu-braunschweig.de
+49 531 391 2542

Forschungskonsortium

- Institut für Hygiene und Umweltmedizin, Charité Universitätsmedizin Berlin
- Institut für konstruktives Entwerfen, Industrie- und Gesundheitsbau (IKE), TU Braunschweig
- Röhl GmbH Blechbearbeitung
- Septomics Research Group, Universitätsklinikum Jena

Industriepartner

- Atos Information Technology GmbH, München
- BODE Chemie GmbH, Hamburg
- Brillux GmbH & Co. KG, Münster
- Continental AG, Hannover
- FSB Franz Schneider Brakel GmbH + Co KG, Brakel
- Hansa Armaturen GmbH, Stuttgart
- HEWI Heinrich Wilke GmbH, Bad Arolsen
- JELD-WEN Deutschland GmbH & Co. KG, Oettingen
- Kusch+Co GmbH, Hallenberg
- nora systems GmbH, Weinheim
- REISS Büromöbel GmbH, Bad Liebenwerda
- Resopal GmbH, Groß-Umstadt
- RZB Rudolf Zimmermann, Bamberg GmbH
- Schüco International KG, Bielefeld
- Villeroy & Boch AG, Mettlach
- wissner-bosserhoff GmbH, Wickede

Förderzeitraum

10.2016 - 06.2022

Auslobung/Call

InfectControl 2020

Mittelgeber

Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF)

Förderträger

Projektträger Jülich (PtJ)

Förderkennzeichen

03ZZ0818A

Zonierung
Für eine effektive Infektionsprävention müssen auf allen Betrachtungsebenen vom Grundriss bis hin zum baulichen Detail Maßnahmen durchgeführt und das menschliche Verhalten sowie Arbeitsprozesse einbezogen werden. Laufwege der Nutzenden wirken sich ebenso auf das Infektionsgeschehen aus. So können teilweise Arbeitsschritte ausgelassen oder vergessen werden, wenn etwas Notwendiges wie etwa ein Desinfektionsmittelspender nicht unmittelbar griffbereit ist. Patienten sollten auch unterstützt werden, weniger Flächen berühren zu müssen. Daher sollte ein Mehrbettpatientenzimmer durch eine klare Zonierung in einen Eingangsbereich, einen fassadenseitigen Besucherteil, sowie symmetrisch links- und rechtsseitig angeordneten Nasszellen und Pflegearbeits- und Patientenbereiche unterteilt sein. Dadurch können Bewegungsabläufe im Raum klar koordiniert und Abstände eingehalten werden. Ein trichterförmiger Eingangsbereich ermöglicht es Pflegekräften schnell den Zustand der Patienten zu erfassen, ohne das komplette Zimmer durchschreiten zu müssen. Am Eingangsbereich sollten verschiedene situations- und personenspezifische Lichtszenarien an einem Bedienpanel ausgewählt werden können. So kann eine Reinigungskraft für ihren Arbeitsvorgang beispielsweise eine Maximalausleuchtung des Zimmers auswählen und muss nicht einzelne Lichtschalter aufsuchen und berühren. Ein in unmittelbarer Patientennähe platzierter Pflegearbeitsbereich sollte eine Arbeitsplatte, einen Handschuh- und einen Desinfektionsmittelspender, einen Abwurfeimer sowie einen Pflegearbeitsschrank auf engem Raum bündeln. Die dort vorgehaltenen Pflegematerialien können von den Pflegekräften unmittelbar zur Anwendung vorbereitet und anschließend entsorgt werden. Dabei müssen sie nicht den zweiten Patientenbereich durchschreiten. Die Patienten wiederum sollten weit voneinander entfernt, aber in einer gleichwertigen Position in Bezug zur Fassade liegen. Daher empfiehlt sich eine zur Fassade längsseitige und gegenüberliegende Positionierung. Um nicht den direkten Blicken des Zimmernachbarn ausgesetzt zu sein, kann die Position der Betten auch leicht angewinkelt werden.

Reinigbarkeit
Eine generell gute Reinigbarkeit des Zimmers ist durch verschiedene Faktoren bedingt. Eine geringe Verfugung ist dafür grundsätzlich sicherzustellen. So können Bauteile, wie beispielsweise die Besuchersitzbank und Patiententische gezielt miteinander verbunden gebaut werden. Wenn Flächen radial ineinander übergehen, wird die Wischdesinfektion von Flächen erleichtert. Für Böden gibt es verschiedenen Reinigungsstrategien, die bei der Planung mit den entsprechenden Reinigungskräften abgestimmte werden müssen. Besteht der Boden aus dem Vollmaterial Kautschuk, müssen nicht regelmäßig neue Schutzschichten aufgetragen, dafür aber entsprechende Reinigungsmittel verwendet werden, die dem Material gerecht werden. Häufig wird die routinemäßige Oberflächenversiegelung der Böden in der Alltagspraxis hinausgezögert, sodass sich auf beschädigten und aufgerauten Böden leichter Keime ansiedeln können. Ob eine Hohlkehle im Übergang des Bodens in die Wandfläche verbaut wird, ist hinsichtlich der Durchführbarkeit mit den Handwerkern abzustimmen und der hausinterne Einsatz von Reinigungsmaschinen zu prüfen, welche Schmutz lediglich entlang der Hohlkehle nach oben drücken könnten. Großes Potenzial für Reinigungskräfte bietet der Einsatz eines gebündelten Entsorgungssystems, wie z.B. ein beidseitig nutzbarer Abwurfeimer - erreichbar vom Pflegearbeitsbereich und durch eine Klappe im Patientenbad. Dadurch werden Abfälle aus dem Patientenraum und -bad gebündelt entsorgt und die Reinigungskraft durch weniger Arbeitsschritte entlastet. Allerdings ist auf eine ausreichend große Öffnung zu achten, die auch das Verstauen großer Windeln ermöglicht sowie die Verwendung eines verschlossenen Systems, sodass Abfälle nicht versehentlich neben dem Abwurfeimer in schwer zu erreichenden Bereichen platziert werden kann.

7.1 Die Patientenzimmergröße

Sollten eher Einzelzimmer oder Mehrbettzimmer geplant werden?
Eine der grundlegenden Entscheidungen bei der Planung eines Krankenhauses stellt die Definierung der Anzahl der Einzel-, Doppel- und Mehrbettzimmer dar. Wie viele es anteilig geben sollte, lässt sich jedoch nicht krankenhausübergreifend beantworten. Unabhängig von der Frage des infektionspräventiven Potenzials von Einzelzimmerunterbringung gibt es im Bau und Unterhalt von Einzelzimmern finanzielle Vor- und Nachteile, die den Mehrkosten durch zusätzliche Bettenbelegung von in unzureichend hygienepräventiv gestalteten Mehrbettzimmern infizierten Patienten gegenübergestellt werden müssen. Mehr Einzelzimmer resultieren im Allgemeinen in längeren Laufwegen und somit einer höheren Arbeitsbelastung für das Personal. Zudem ist in einem Zweibettzimmer Geselligkeit gegeben, wenn dies von den Patienten gewünscht wird. Dies kann den Genesungsprozess unterstützen. Auch können sich beide Patienten gegenseitig überwachen, sodass im Notfall schneller Hilfe gerufen werden kann und das Einbettzimmer nicht aufwendig sensorisch überwacht werden muss. Auch müssen die Bedingungen zur Unterscheidung von Wahlleistungs- und normalem Patientenzimmer mit den privaten Krankenkassen ausgehandelt werden. Diese Unterscheidung muss jedoch nicht zwangsläufig in der Abgrenzung von Einzel- und Mehrbettzimmer resultieren, sondern kann sich auch in der Flächengröße und Ausstattung wiederspiegeln. Im Rahmen des Forschungsprojekts HYBAU wurde die Frage recherchiert, ob Einbettzimmer gegenüber Mehrbettzimmern die Transmissions-/Infektionsrate von nosokomialen Infektionen und/oder multiresistenten Infektionserregern reduzieren. Das entsprechende Systemic Review [12] ergab, dass es in erster Linie möglich ist, durch bauliche Bedingungen (z. B. Einzelzimmer mit und ohne Schleuse) die Übertragung von Infektionen über die Luft zu verhindern. Voraussetzung ist eine getrennte Belüftung. Es ist davon auszugehen, dass dieser Anteil von Krankenhausinfektionen sehr gering ist (wahrscheinlich < 3 %). Ein gewisser Vorteil durch Einzelzimmerunterbringung wird im Hinblick auf die Kontaktübertragung von Infektionserregern angenommen. Dies wird damit begründet, dass das separate Zimmer ein zusätzlicher Faktor zur Erinnerung an die konsequente Durchführung der Händedesinfektion sein könnte. Bei Infektionserregern, die auch durch die gemeinsame Benutzung des Sanitärbereiches übertragen werden können, ist ein Vorteil durch Einbettzimmer zu erwarten. Wahrscheinlich ist es für die Infektionsprävention nützlich, wenn eine Pflegekraft oder ein Arzt sich in einem Zimmer auf die Arbeit an einem Patienten konzentrieren kann und nicht durch Geschehnisse beim Patienten im Nachbarbett abgelenkt wird (ggf. auch verbunden mit Manipulationen beim Nachbarpatienten ohne zwischengeschaltete Händedesinfektion).

Die KRINKO empfiehlt bei der medizinischen Versorgung von immunreaktionsgeschwächten Patienten, dass mindestens 40 %, besser 50 %, der Zimmer zur Isolierung als Einzelzimmer zu planen sind [13], [14]. Diese Einzelzimmer sind mit eigenem Bad und Toilette mit entsprechenden Händedesinfektionsmittelspendern und einem ausreichend groß dimensionierten Eingangsbereich zu realisieren. Die KRINKO stellt nur fest, dass eine Einzelunterbringung erforderlich ist, wenn die Übertragung des Erregers auf dem Luftweg/aerogen oder über respiratorische Sekrete (Tröpfcheninfektionen) erfolgen kann [15]. Darüber hinaus führt sie aus, dass die Empfehlung zur Einzelunterbringung auch in der Besonderheit einzelner Erkrankungen oder einzelner Erkrankungsphasen (profuse Durchfälle), bei schwer kontrollierbarem Übertragungsweg (z. B. Ektoparasiten) oder bei Patienten, die nicht in der Lage sind, Maßnahmen der Basishygiene einzuhalten, begründet sein kann. Zusätzlich empfiehlt sie, dass bei Neuplanungen oder Sanierungen auf Normalpflegestationen ein Anteil von Einzelzimmerbetten an der Gesamtbettenzahl von 10 bis 20 % nicht unterschritten werden soll.

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) liefert sehr konkrete Vorgaben für Intensivstationen. Sie rät zur ausschließlichen Ausstattung mit 20 m2 großen Einbettzimmern mit Schleuse und zu 40 m2 großen Zweibettzimmern. Dabei sollte mindestens ein Isolierzimmer je sechs Betten auf einer Intensivstation vorhanden sein [16].

Zudem sollte der abteilungsbezogene Bedarf festgestellt werden. So erfordern die unterschiedlichen Krankheitsbilder, Arbeitsprozesse und Einschränkungen der Patienten unterschiedliche Zimmertypen. Auf manchen Stationen kann daher beispielsweise auf eine eigene Zimmerdusche verzichtet werden und stattdessen eine stationsübergreifende Nasszelle eingerichtet werden. Neue Versuche erforschen, inwiefern eine patientenbezogene Belüftung in Mehrbettzimmern möglich ist und das Infektionsrisiko weiter minimieren kann.

Hat eine größere Quadratmeterzahl pro Bett bzw. ein größerer Abstand zwischen den Betten in einem Mehrbettzimmer Einfluss auf die Transmissions-/Infektionsrate?
Zu dieser Frage wurde eine Literaturrecherche im Forschungsprojekt HYBAU durchgeführt. Eine Studie weist nach, dass die Sepsisrate nach dem Umzug einer Neugeborenen-Intensivstation in wesentlich größere Räume im Vergleich zur vorherigen räumlichen Situation signifikant reduziert wurde. In einer weiteren Studie, die während des SARS-Ausbruchs in China durchgeführt wurde, stellte sich heraus, dass Bettabstände von weniger als 1 m mit signifikant höherem Risiko des SARS-Erwerbs verbunden waren.

Bildquelle: IKE - TU Braunschweig

Barrierearme/-freie Patientenzimmer und Nasszellen

Durch eine barrierearme/-freie Dimensionierung werden mobilitätseingeschränkte Patienten bei ihrer eigenständigen Bewegung unterstützt. Dies kann die Hilfestellung durch Personal und somit auch den direkten, unkontrollierten Kontakt zwischen Personal und Patient minimieren.

Bildquelle: IKE - TU Braunschweig

Patientenraum Same-Handed

Die identische Anordnung von Patientenzimmern verhindert, dass sich das Personal und auch die Patienten bei Verlegung in unterschiedlichen räumlichen Situationen neu orientieren müssen. Prozessfehler, auch in Bezug auf die Hygiene, lassen sich dadurch verringern.

Bildquelle: IKE - TU Braunschweig

Drei-Zonen-Raum

Wenn allen Nutzenden eine klare, lesbare Zone zugeteilt ist, kann der unkontrollierte Körperkontakt zwischen Nutzenden in Bewegungssituationen (in räumlichen Engstellen) vermieden werden.

Bildquelle: IKE - TU Braunschweig

Vorbereich vor Patientenzimmer

Wo ein Vorbereich vorhanden ist, entsteht räumlich mehr Distanz zum Flurbetrieb, was vor allem bei Isolierpatienten vorteilhaft ist. Hier ergibt sich die Möglichkeit, zusätzliche Schutzausrüstung vor dem Zimmer vorzuhalten und zusätzliche Desinfektionsmittelspender ohne Kollisionsgefahr anzubringen.

Bildquelle: IKE - TU Braunschweig

Schleuse nachrüstbar
 
Die Möglichkeit, eine Schleuse nachzurüsten oder in nosokomialen Ausbruchsituationen temporär herzustellen, kann als bauliche Maßnahme zur Verringerung von Infektionsübertragungen beitragen.

Bildquelle: IKE - TU Braunschweig

Arbeitsbereich für Personal im Patientenraum

Wenn sich die Hilfsmittel für die pflegerische Versorgung und ein geeigneter Arbeitsbereich auf dem Zimmer patientennah befinden, kann das Personal den Patienten gezielter versorgen, Arbeitsprozesse werden planbarer und können optimiert werden.

Bildquelle: IKE - TU Braunschweig

Bad mit Fenster

Die natürliche Belüftung einer fassadenseitigen Nasszelle kann zu einem besseren Raumklima beitragen und dadurch der Verbreitung von Keimen entgegenwirken.

Bildquelle: IKE - TU Braunschweig

Bettpositionierung nicht nebeneinander

(A) Die Vermeidung der Infektionsübertragung ist durch eine räumliche Trennung der Patienten in einem Zweibettzimmer möglich. Dadurch wird das Personal bei der Einhaltung von Händedsinfektionvorschriften unterstützt, da die Gefahr, zwei nebeneinanderliegende Patienten nacheinander zu versorgen, ohne sich die Hände zu desinfizieren, reduziert wird. Desinfektionsmittelspender müssen entsprechend positioniert werden.

(B) Ist der Patient für das Personal gut sichtbar, sind eine bessere Versorgung und schnelles Reagieren im Ernstfall gewährleistet. Eventuelles Fehlverhalten des Patienten oder von Besuchern kann so besser aufgedeckt und vermieden werden.

Bildquelle: IKE - TU Braunschweig

Zwei identische Nasszellen zur getrennten Nutzung

Ist für jeden Patienten eine eigene Nasszelle vorgesehen, werden gemeinsam genutzte Kontaktflachen im Bad vermieden, deren Berührung grundsätzlich ein Infektionsrisiko bedeuten kann. Die Kontamination in einer Sanitärzelle überträgt sich zudem nicht zwangsläufig auf die andere Zelle. Die Installation eines zweiten Waschbeckens senkt die Gefahr einer Infektionsübertragung über Waschbeckenoberfläche oder Armatur. Die Installation eines zweiten WCs senkt die Gefahr durch Infektionsübertragung über Klosettoberfläche oder Spültaster.

Bildquelle: Anna Shvets auf pexels

7.2 Ausstattung in Patientenzimmern

Die Anforderungen an die Ausstattung in Krankenhäusern sind hoch: Es gelten strenge Vorgaben zu Hygienestandards, zur eindeutigen Trennung von reinen und unreinen Bereichen, zur Langlebigkeit und dazu, welchen Reinigungsprozeduren Ausstattungsgegenstände standhalten müssen. Die Ausstattung, die präventiv auf die Infektionsübertragung wirken kann, erfordert neben dem Widerstand gegen mechanische, chemische und physikalische Einwirkungen leicht zu reinigende und desinfektionsmittelbeständige Oberflächen und bauliche Details. Es ist sinnvoll, Ausstattungsgegenstände zu wählen, die eine möglichst glatte und fugenfreie Oberfläche mit geringer Oberflächenenergie haben. Die Oberflächen von technischen Geräten, wie z. B. Medizintechnik und EDV, sollten auf ein Minimum reduziert werden. Oberflächen sollten zudem möglichst radialer Übergänge haben. Die durchzuführende hygienische Flächendesinfektion vom Boden bis hin zu allen Arbeitsflächen und Geräteoberflächen ist dadurch schneller und effektiver durchführbar. Zugleich sollten Schränke, Tresen, Arbeitsflächen und Stauraumlösungen den individuellen Anforderungen der Nutzer entsprechen. An vielen Stellen müssen zudem technische Apparaturen, Anschlüsse und Abläufe integriert werden. Dem Planer sollte bei der Ausstattung von Räumen bewusst sein, dass neben dem Anspruch an funktionale und hygienisch sinnvolle Oberflächen ein wohnliches Ambiente die Genesung von Patienten unterstützt und die Zufriedenheit des Personals steigert.

Alle frei stehenden Objekte, die den Boden berühren, sollten mobil sein, sodass sie bei einer Zimmerreinigung einfach verschoben werden können. Festinstallierte Schränke sollten bündig mit Wand und Decke verbaut sein, sodass es keine schlecht zu reinigenden Zwischenräume gibt. In Mehrbettpatientenzimmern sollte jedem Patienten ein Patiententisch, Stuhl und Schrank auf der eigenen Zimmerhälfte zugeordnet sein. Die Patienten können so Abstände wahren und berühren nicht irrtümlich die Gegenstände des zweiten Patienten. Alle Schränke sollten Push-to-open Mechanismen verbaut haben, sodass die Flächen schnell gereinigt werden können, ohne dass die Reinigungskraft durch Griffe behindert wird. Auch der Abwurfeimer am Pflegearbeitsbereich sollte sich mit dem Knie öffnen lassen, sodass die Vorderseite nicht mit einer Hand berührt werden muss.

Als weiterer, von unterschiedlichen Personengruppen viel berührter Gegenstand gilt dem Patientennachttisch eine besondere Berücksichtigung. Es sollten hinsichtlich deren Reinigbarkeit optimierte Modelle gewählt werden, die eine wohnliche Ästhetik mit Vorzügen der Reinigbarkeit durch Bauteilreduzierung, radiale Flächenübergänge und Verringerung der Fugenanzahl verbinden. Ein großes Platzangebot der Schubladen und Fächer ermöglicht darüber hinaus eine übersichtliche Organisation von Gegenständen, sodass Schubfächer nicht unnötig häufig auf und zu geschoben werden müssen. Zudem erlauben Nachttische mit beidseitiger Nutzbarkeit eine flexiblere Pflege an beiden Seiten des Bettes.

Als weiteres patientenbezogenes Objekt erlangt der Bedside Terminal als zentrales Element der Patientenaufklärung und des -empowerments zunehmend an Bedeutung. Informative Inhalte können den Patienten über infektionspräventive Verhaltensweisen aufklären, sodass Patienten aktiv zur Infektionsprävention beitragen können.

Der Besucherbereich sollte sich durch eine durchgängige und freitragende Bank auszeichnen. Dadurch kann der Boden unterhalb der Bank einfach gereinigt werden, ohne dass Stützen den Prozess behindern würden. Die Polsterung sollte abnehmbar gestaltet sein, um Schmutz in den Polsterfugen besser entfernen zu können. Idealerweise wird eine fugenlose Sitzschale installiert.

Der zentrale Ausstattungsgegenstand zur horizontalen Infektionsprävention im Patientenzimmer ist der Desinfektionsmittelspender. Durch das Einhalten der fünf Momente der Händedesinfektion [17] kann ein Großteil potenzieller Infektionen vermieden werden. Zur Steigerung der Compliance mit dieser Vorgabe kann auch die Architektur beitragen.

Händedesinfektion

Ausreichende Händedesinfektion ist der entscheidende Faktor zur Vermeidung von Übertragungen von Infektionserregern von einem Patienten auf den anderen im Krankenhaus. Die WHO hat dazu neben einer Reihe anderer Organisationen Empfehlungen erarbeitet [18]. Drei spezifische Faktoren führen zur Nichtkonformität mit bestehenden Desinfektionsrichtlinien: Erinnerungsvermögen, Aufmerksamkeit und Entscheidungsfindung – soll heißen, Vergessen zu desinfizieren, Ablenkung von der Desinfektion und das Priorisieren anderer Tätigkeiten. Konkret bedeutet dies, dass fehlendes Wissen bzw. Aufklärung zur Händedesinfektion, ein unzureichend gestalteter Umweltkontext, der entscheidungshemmend und mehrdeutig ist, sowie die fehlende Verfügbarkeit von Zeit und Desinfektionsmittel vorgebeugt werden muss. Hinsichtlich der Verfügbarkeit und des Erinnerns bedeutet dies, dass die Spender unmittelbar zu erreichen und sichtbar entlang der Arbeitsrouten der Pflegekräfte als hauptsächlich nutzende Personengruppe angeordnet werden sollten. Die exakten Arbeitsabläufe sollten bei der Planung möglichst stationsspezifisch abgefragt werden. Auch das restliche Zimmer muss eindeutig und hinsichtlich der Prozesse optimiert gestaltet sein, sodass Pflegekräfte nicht an der Umsetzung der Händedesinfektionsrichtlinien gehindert werden. Spender mit Schellenhalterung können dabei flexibel an Stangen wie etwa dem Bedrail positioniert werden. Smarte Spender können der Logistik einen niedrigen Füllstand melden, sodass eine ununterbrochene Verfügbarkeit sichergestellt werden kann.

Nach den Vorgaben der „Aktion saubere Hände“ wird ein Händedesinfektionsmittelspender pro Bett auf Intensivstationen verlangt. Für Normalstationen wird jeweils mindestens ein Spender für zwei Betten vorgegeben, der aber so angebracht sein soll, dass das Personal bei Arbeiten an beiden Betten nur eine kleine Distanz zum Spender hat (in der Regel zwischen zwei Betten)

Laut der KRINKO Empfehlung [11] soll überall dort, wo eine Händedesinfektion durchgeführt werden muss, in unmittelbarer Nähe Desinfektionsmittelspender vorzuhalten [Kat. IB, IV]. „Für Patientenzimmer wird in Abhängigkeit von der Anzahl der Patientenbetten bettennah als Mindestausstattung ein Spender pro Patientenbett auf Intensiv- und Dialysestationen und auf Nichtintensivstationen ein Spender für je zwei Patientenbetten sowie in der Sanitärzelle empfohlen“

Die Art der eingesetzten Spender, d. h. wand- oder bettmontierte Spender, mobile Spender mit Dosierpumpen bzw. Kittelflaschen, richtet sich nach den räumlichen Verhältnissen und den zu versorgenden Patienten. Beispielsweise kann es in der Geriatrie, Psychiatrie und Pädiatrie sowie in stationären Pflegeeinrichtungen sowie ambulanten Diensten sinnvoll sein, auf Kitteltaschenflaschen sowie auf Spender am Visiten- oder Verbandwagen zurückzugreifen, um eine Gefährdung der Patienten durch missbräuchliches Benutzten des Desinfektionsmittels auszuschließen.

In Patientenzimmern sollte eine intelligente Wahl verschiedener Spender platziert werden. Wichtig für den erfolgreichen Einsatz ist die ständige Verfügbarkeit des Mittels, das Wissen um die richtige Anwendung und eine sichtbare Platzierung. Daher sollten in einem Zweibettzimmer insgesamt sechs Desinfektionsmittelspender entlang der Arbeitsrouten des Pflegepersonals platziert werden: an der jeweiligen Arbeitsplatte der Pflegebereiche, am Fußende der Patientenbetten im Blickfeld und auf dem Weg der Pflegekraft zum nächsten Patienten und neben dem Waschtisch in den jeweiligen Nasszellen. In den Nasszellen sollte der Desinfektionsmittelspender an einer anderen Wand als der Seifenspender angebracht werden, um einer möglichen Verwechselung durch Nutzer vorzubeugen. Auch sollten sich beide Spender optisch unterscheiden. Moderne, smarte Spender können durch den Einsatz von Nudging (bspw. das Anzeigen eines Smileys nach der Benutzung) die Compliance der Nutzenden zusätzlich steigern. Zudem sammeln derartige Spender Nutzungsdaten, die in einer Teambesprechung bei der Feststellung allzu niedriger Compliance mit den geltenden Richtlinien ausgewertet werden können. Die Spender sollten vor Kollision geschützt installiert werden und das Heruntertropfen von Desinfektionsmitteln, welches zu Arbeitsunfällen oder dem schnellen Verschleiß des darunterliegenden Materials führen kann, vermeiden.

Das Forschungsprojekt KARMIN der TU Braunschweig und der Charité Universitätsmedizin Berlin hat gezeigt, wie ein exemplarisches Zweibettpatientenzimmer infektionspräventiv gebaut werden kann. Weitere Informationen dazu können auf der Projektwebseite eingesehen werden [2].

Bildquelle: IKE - TU Braunschweig

Links: unvorteilhafte Positionierung eines einzelnen Desinfektionsmittelspenders

Rechts: vorteilhafte Positionierung der Desinfektionsmittelspender

Oberflächen und Materialien

Die Auswahl der Oberflächen, Farben und Materialien kann für eine freundliche Atmosphäre sorgen, aber auch die Hygiene im Zimmer erhöhen. Kontaktintensive Flächen sollten keine komplexen Muster aufweisen, sondern farblich monochrom gehalten werden, sodass Verunreinigungen schnell erkannt und entfernt werden können. Die patientenbezogenen Flächen können mit einem Holzdekor versehen werden, um einen wohnlichen Charakter und Geborgenheit in der sonst relativ steril wirkenden Umgebung zu vermitteln. Es sollten je nach Stationstyp altersgerechte Farbcodes gewahrt werden, die demente Patienten in ihrer Orientierung unterstützen können.

Bildquelle: Nowebo GmbH

8.0 Isolierung hochkontagiöser Patienten in Zeltsystemen

Der Anstieg der weltweiten Bevölkerungszahlen, die Globalisierung und der Klimawandel erhöhen das Risiko, dass sich hochkontagiöse Erreger aus anderen Klimazonen auch bei uns in Deutschland ausbreiten können. So können sich potente Krankheitserreger durch die Zunahme von verdichteten Populationen in stetig wachsenden urbanen Räumen leichter weiterentwickeln und durch den zunehmenden Flugverkehr in kürzester Zeit nahezu weltweit ausbreiten [19, 20]. Dabei besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich Verdachtsfälle oder tatsächlich infizierte Patienten aus Unwissenheit bzw. aufgrund der noch fehlenden Diagnose nicht sofort in eines der hierfür in Deutschland zuständigen Krankenhäuser mit Sonderisolierstationen begeben. Mögliche erste Anlaufstellen sind daher die regionalen Krankenhäuser und deren Notaufnahmen. Somit stellt sich die Frage nach dem Umgang mit diesen Patienten und deren Versorgung vor Ort bis zum Transport auf die zuständige Sonderisolierstation spätestens 24 Stunden nach Aussprache des Verdachts. Das Risiko für Epidemien bzw. Pandemien steigt entsprechend, je exponierter, hochkontagiöse und unbehandelte Patienten der Allgemeinheit begegnen. Aus diesen Gründen müssen vermehrt Konzepte zum präventiven Infektionsschutz und zur Versorgung von Verdachtsfällen oder bereits erkrankter Personen umgesetzt werden.

Der hierfür notwendige Vorbereitungs- und Ausbildungsstand in den Kliniken ist dabei sehr unterschiedlich. Es ist davon auszugehen, dass die meisten Kliniken bei derartigen Gefahrenlagen an den Rand ihrer Kompetenzen gelangen, da für die benötigten Mitarbeiterschulungen im Klinikalltag oft keine Zeit und für das benötigte Material und die Infrastruktur keine ausreichende Finanzierung zur Verfügung steht. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit der Einreise eines tatsächlich mit VHF (Viral hämorrhagisches Fieber), hier einmal beispielhaft genannt, oder einem ähnlich pathogenen Erreger infizierten Patienten aktuell noch relativ gering – steigt jedoch langsam an [21, 22]. Die Konsequenzen einer verspäteten oder falschen Diagnose und/oder eines falschen Umgangs mit solchen Patienten wären jedoch schwerwiegend. Neben der Entwicklung von Schulungskonzepten und Kommunikationsstrategien zur Resilienzförderung für die Mitarbeiter der Kliniken, gilt es auch die infrastrukturellen Voraussetzungen für eine sichere temporäre Isolierung unkompliziert und kostengünstig bereitzuhalten. Der hier vorgestellte Ansatz basiert auf den Erkenntnissen des Projekts EKOS [23] und stellt eine mögliche Lösung zur Isolierung von Patienten in Krankenhäusern über ein Zeltsystem für Innenräume dar. Weltweit wurden weitere Möglichkeiten der Isolierung hochkontagiöser Patienten entwickelt, die jeweils unterschiedliche bauliche Voraussetzungen erfordern und verschiedene Level der Patientenversorgung und -behandlung ermöglichen. So gibt es mobile Containereinheiten, die zu Unterdruckisolierstationen zusammengesetzt werden können, Patientenzimmer und Stationen, die Schleusenbereiche für den Notfall vorhalten, aber auch Patientenanzüge, die am Körper der Infizierten direkt angelegt werden. Diese schränken jedoch zwangsläufig auch die Patientenversorgung ein. Das zentrale Gremium bei dieser Thematik der Patientenversorgung stellt in Deutschland der STAKOB dar. Der STAKOB (Ständiger Arbeitskreis der Kompetenz- und Behandlungszentren für Krankheiten durch hochpathogene Erreger) am Robert Koch Institut ist ein bundesweites Expertennetzwerk, das das Management, die Versorgung und die Behandlung von hochkontagiösen Patienten koordiniert.

EKOS - Infektionspräventive bauliche Musterlösung: Sonder-Isolierbereich im Schwerpunktkrankenhaus
Projektleitung TV3 - Infektionspräventive bauliche Musterlösung: Sonder-Isolierbereich im Schwerpunktkrankenhaus

Institut für konstruktives Entwerfen, Industrie- und Gesundheitsbau (IKE), TU Braunschweig
Dr.-Ing. Jan Holzhausen, Architekt
Dipl.-Ing. Malte Koeppen, Architekt

Kontakt Projektkoordinierung

gesundheitsbau-ike@tu-braunschweig.de
+49(0)531 391-2544

Forschungskonsortium

- FU Berlin, Institut für Tier- und Umwelthygiene
- FSU Jena, Fachgebiet Interkulturelle Wirtschaftskommunikation
- Institut für konstruktives Entwerfen, Industrie- und Gesundheitsbau (IKE), TU Braunschweig
- Robert Koch-Institut, Informationsstelle des Bundes für Biologische Gefahren und Spezielle Pathogene
- TU Berlin, Herman-Rietschel-Institut

Industriepartner

Nordwest-Box GmbH & Co.KG

Förderzeitraum

11.2016 - 03.2020

Auslobung/Call

InfectControl 2020

Mittelgeber

Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF)

Förderträger

Projektträger Jülich (PtJ)

Förderkennzeichen

03ZZ0817C

Es lassen sich prinzipiell zwei unterschiedliche Ansätze zum Umgang mit HCID-Patienten in Krankenhäusern der Schwerpunkt- und Maximalversorgung beschreiben. Während z.B. im ABAS Beschluss 610 schwerpunktmäßig der sichere Umgang mit dem Patienten durch den Einsatz von „organisatorischen und persönlichen Schutzmaßnahmen“ [24] im baulichen und technischen Bestand beschrieben wird, sind auf dem Markt befindliche Systeme häufig autark und erlauben nur eine eingeschränkte Integration in die Bestandsinfrastruktur der Kliniken. Oft sind dies Zeltsysteme, die nahe der Bestandshäuser aufgebaut werden und eine eigene technische Infrastruktur (Strom, Wasser, Heizung, medizinische Gase) benötigen, um die Versorgung der Patienten sicherzustellen. Weitere Nachteile autarker Zeltsysteme für Patient und Mitarbeiter sind mögliche von außen einwirkende Stressfaktoren, z.B. Temperaturschwankungen, witterungsbedingte Bewegungen des Zeltes und die ungewohnte Umgebung. Diese könnten vor allem beim bereits durch die Krankheit stark gestressten Patienten zu weiterer Verunsicherung führen. Vorteile sind u.a. eine sichere Isolierung des Patienten außerhalb des Bestandshauses, das hierdurch erhöhte Sicherheitsgefühl anderer Patienten und Mitarbeiter sowie die geringen Einschränkungen des Klinikbetriebs.

Zur temporären Isolierung von Verdachtsfällen und hochkontagiösen Patienten in Bestandsgebäuden definiert das baulich-funktionale Hygienemanagement verschiedene Anforderungen an die Räumlichkeiten. Hierbei muss standortspezifisch der jeweils bestmögliche Kompromiss zwischen der geforderten qualitativ hochwertigen medizinischen Versorgung und Behandlung der HCID-Patienten (High Consequence Infectious Diseases) und einem sicheren, ressourcenschonenden und effektiven baulichen Konzept ausgelotet werden.

Zu den infrastrukturellen Anforderungen gehören zum einen die Oberflächenqualitäten der Bauteile und deren Fügungen. In einem Isolierzimmer muss gewährleistet sein, dass alle Oberflächen robust, geschlossen, glatt, abriebfest sowie chemikalien- und desinfektionsmittelbeständig sind. Gleiches gilt für die Fugen zwischen unterschiedlichen Bauteilen. Diese Oberflächenqualitäten müssen auch bei normaler Nutzung des Raumes im Klinikalltag erhalten bleiben, regelmäßig kontrolliert und ggf. instand gesetzt werden. Zum anderen müssen auch die haustechnischen Anlagen den neuen Anforderungen entsprechen oder, falls dies nicht der Fall ist, für die Zeit der Isolierungsmaßnahme außer Betrieb genommen werden können. Dies betrifft überwiegend die Lüftungsanlage, da grundsätzlich auch von einem möglichen Auftreten von Erregern ausgegangen wird, die aerogen übertragbar sind. Ist das Isolierzimmer also über einen Lüftungskanal mit anderen Räumen oder Bereichen des Krankenhauses verbunden, besteht die Gefahr einer ungewollten Ausbreitung der Erreger über diese Verbindung. Um der Gefahr der aerogenen Infektionsübertragung zusätzlich entgegenzuwirken, wird gleichzeitig eine autarke Lüftungsanlage zum Aufbau eines Unterdrucksystems empfohlen, die die angesaugte Luft über ein geeignetes Filtersystem nach außen abgibt. Der Unterdruck ist im Patientenbereich am höchsten und nimmt zum vorgeschalteten Dekontaminationsbereich hin ab (Unterdruckkaskade) [25]. So wird die Ausbreitung aerogener Erreger durch Luftaustausch mit benachbarten Bereichen verhindert. Kritisch gesehen werden in diesem Zusammenhang abgehängte Decken und Festeinbauten im Raum. Diese können, je nach Konstruktion und Material, geschlossene Bereiche ausbilden, die den Aufbau eines im gesamten Raum konstanten Unterdrucks und eine vollständige Raumdekontamination nach Verlegung des Patienten, z.B. durch Begasung, erschweren. Bei der Entsorgung der anfallenden hochkontagiösen Abwässer ist die Nutzung des normalen Leitungssystems der Bestandshäuser auszuschließen, da hierüber eine potenzielle Ausbreitung der Erreger möglich ist. Flüssigabfälle sind daher soweit möglich zu vermeiden, im gegebenen Fall über Zellulose oder ähnliche Materialien zu binden und mit dem weiteren Abfall sicher zu entsorgen. In Bestandshäusern, in denen für die Isolierung kein Patientenzimmer mit Vorraum zur Verfügung steht, muss weiterhin ein Bereich zur Ausschleusung und Dekontamination der Mitarbeiter aus dem Patientenbereich hergerichtet werden. Dieser Bereich muss so konzipiert sein, dass er auch die Funktion einer Luftschleuse übernimmt und einen direkten Austausch kontaminierter Luft zwischen dem Patientenbereich und den anschließenden Räumlichkeiten verhindert.

Zur Ergänzung bestehender Lösungen, wie z.B. Außenzelte, Container, Isolationsbetten und Isolationszimmer in Bestandshäusern, wurde im Projekt EKOS [3] ein modulares und aufblasbares Zeltsystem für Innenräume entwickelt. Dies kann in der Notaufnahme bei der Erstaufnahme des hochkontagiösen Patienten schnell aufgebaut werden. Geschultes Personal in Gebläseschutzanzügen übernimmt dabei die Versorgung des Patienten. Die Dimensionierung der Zeltmodule erfolgte u.a. anhand von Standardmaßen des Krankenhausbaus, um die Nutzung des Zeltsystems in möglichst vielen Bestandshäusern zu gewährleisten, und wurde mit den prozessualen Anforderungen des medizinischen Personals abgeglichen. Der Patient wird bei diesem System über ein transparentes Innenzelt mit eigener Lüftungsanlage sicher isoliert. Weitere Module dieses Systems sind ein Dekontaminationszelt, eine Luftschleuse mit Kolbenlüftung zum schnellen Luftaustausch aufgrund einer hohen Luftwechselrate zur Reduktion der Erregerkonzentration, Verbindungselemente sowie technisch-funktionale Einheiten, die zum Betrieb des temporären Isolierbereiches notwendig sind. Die Einteilung der unterschiedlichen Bereiche erfolgt, wie auch bei Sonderisolierstationen üblich, in den Farben Rot, Gelb und Grün. Rot ist hierbei der gemäß dem Infektionsrisiko gefährlichste Bereich direkt beim Patienten. Der angeschlossene Dekontaminationsbereich wurde als Gelbbereich definiert, während dem Isolierbereich organisatorisch zugeordnete Räumlichkeiten außerhalb des Zeltsystems als Grünbereich bezeichnet werden.

Bildquelle: IKE - TU Braunschweig

Um nach der Feststellung eines Verdachtsfalles schnellstmöglich und effektiv reagieren zu können, wurde die tragende Struktur des Zeltes als pneumatische Konstruktion mit einem aufblasbaren Gestänge und einem eingehängten, auswechselbaren Innenzelt realisiert. Eine separate Lüftungsanlage mit Filtersystem sowie eine Material- und Abfallschleuse wurden in dem System integriert. Die Anschlüsse für Strom und medizinische Gase werden über geeignete Schnittstellen direkt vom Bestand ins Zelt verlegt. Ziel ist es, dass der Aufbau des temporären Isolierbereiches, im Notfall auch ohne die haustechnische Abteilung, direkt durch das medizinische Personal quasi auf Knopfdruck erfolgen kann.

Die Lösung sollte eine angemessene Versorgung betroffener Patienten zulassen, ohne dabei unwirtschaftlich hohe Erstinvestitionen und Unterhaltungs- sowie Personalkosten zu generieren. Gleichzeitig soll ein Höchstmaß an Sicherheit für Patienten und Mitarbeiter gewährleistet werden. Vorteile dieses Konzepts sind ein einfacher, witterungsunabhängiger Aufbau, eine sichere Isolierung durch den vereinfachten Aufbau einer Unterdruckkaskade, verminderte Kosten gegenüber autarken Außenzelt- bzw. Containerlösungen durch Nutzung der technischen Infrastruktur des Bestandshauses sowie eine Reduktion der Stressbelastung beim Patienten, da dieser im Gebäude ohne die Umwelteinflüsse wie bei Außenzelten untergebracht wird.

Der Lösungsansatz eines modularen Innenzeltsystems kann allerdings nicht allen Ansprüchen des prozessualen Hygienemanagements gerecht werden. Die benötigte Raumgröße eines Zeltsystems, das strukturell und ausstattungstechnisch eine umfängliche intensivmedizinische Versorgung und Behandlung der Patienten ermöglicht, schränkt die Auswahl an geeigneten Räumen in bestehenden Krankenhäusern stark ein. Der in der Musterlösung dargestellte Isolierbereich (Rot) entspricht der Größe eines Rettungs- bzw. Intensivtransportwagen, in denen ebenso lebenserhaltene Therapien oder Pflegemaßnahmen – wenn auch beschränkt – durchgeführt werden können. In Krankenhäusern mit größerem Flächenpotential können entsprechend komplexere Zeltsysteme vorgehalten werden. Ein größerer finanzieller Aufwand sowohl im Bau als auch in der Schulung der Mitarbeitenden zur Nutzung des entsprechenden Isolierzeltes ist dann jedoch zu erwarten.

Weitere Informationen zu dem ebenfalls im EKOS-Projekt entwickelten Schulungskonzept für das medizinische Personal der Krankenhäuser und die Kommunikationsstrategie, die die interne und externe Kommunikation betroffener Krankenhäuser und damit die Resilienz der Mitarbeiter verbessern sollen, können auf der Projektwebseite gefunden werden [3]. Weitere themenverwandte Literatur und Informationen können hier abgerufen werden:

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9.0 Zusammenfassung

Zurzeit gibt es nur wenige Studien, die einen Zusammenhang zwischen baulichen Faktoren im Krankenhaus und dem Auftreten von Krankenhausinfektionen bzw. dem Erwerb von multiresistenten Erregern belegen. Belegt ist, dass eine Verbesserung der Händehygiene durch ausreichende und bettnahe Ausstattung von Patientenzimmern mit Händedesinfektionsmittelspendern erreicht wird. Intensivstationen sollten so ausgestattet sein, dass pro Patientenbett mindestens ein Händedesinfektionsmittelspender existiert. Auf Normalstationen sieht die Mindestausstattung einen Spender für je zwei Patientenbetten sowie in der Sanitärzelle vor. Relativ gut ist auch die Evidenz für den Vorteil der Ausstattung der Intensivstationen mit einem möglichst großen Anteil von Einbettzimmern. Deshalb sollten in der Zukunft deutlich mehr Einzelzimmer auf Intensivstationen gebaut werden, eventuell sogar 100 %. In Bezug auf den Einbau von Einzelzimmern in Normalstationen ist die Studienlage weniger gut, und entsprechende Empfehlungen können am ehesten aus dem Analogieschluss abgeleitet werden. Nach den KRINKO-Empfehlungen sollte mindestens ein Anteil von Einzelzimmern an der Gesamtbettenzahl im Krankenhaus von 20 bis 30 % erreicht werden, um zumindest Patienten mit Infektionen oder multiresistenten Erregern besser managen zu können. Diesen Standard haben wir noch lange nicht erreicht. In vielen anderen westeuropäischen Ländern und den USA wird bereits ein wesentlich höherer Ausstattungsgrad in Bezug auf Einbettzimmer für Normalstationen gefordert. Ein 50 %-Anteil von Betten in Einzelzimmern sollte diskutiert werden. Zur notwendigen Größe der Patientenzimmer lässt sich bisher aus der Literatur wenig ableiten. Hier ergibt sich die Zimmergröße in erster Linie durch die notwendigen Flächen für die Umsetzung der Pflege- und Therapiemaßnahmen.

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10.0 Welche Gesetzte, Normen und Richtlinien sind zu beachten?

Die wesentlichen Vorgaben für die Infektionsprävention in Deutschland resultieren aus dem Infektionsschutzgesetz und den jeweiligen Landeshygieneverordnungen. Die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI) ist ein Expertengremium, das auf der Basis von vorhandener Fachliteratur und Expertenwissen regelmäßig entsprechende Empfehlungen zur Infektionsprävention für bestimmte Patientengruppen bzw. im Hinblick auf bestimmte Erkrankungen erarbeitet.

Im Folgenden werden wesentliche Standards zur Infektionsprävention im Kontext der baufunktionalen Anforderungen strukturiert dargestellt und entsprechend ihrer Wertigkeit in gesetzliche Regelungen, Verordnungen und Regelungen privater Organisationen unterteilt.

Das deutsche Infektionsschutzgesetz (IfSG) ist seit dem 1. Januar 2001 in Kraft. Es regelt die Prävention und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen. Zentrale Bedeutung des Gesetzes haben die vorbeugenden Maßnahmen zur Übertragung von Krankheiten auf den Menschen, die schnelle Erfassung von Infektionen und die Vermeidung weiterer Verbreitung. Im IfSG ist auch geregelt, dass beim Robert Koch-Institut die KRINKO (Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention) eingerichtet ist [26].

KRINKO-Empfehlungen, die sich mit baulich-funktionalen Aspekten auseinandersetzen, betreffen in erster Linie die Bereiche Endoskopie, Zentrale Sterilgutversorgungsabteilung (ZSVA), Isolierstation, OP, Neonatologie, Onkologie und Intensivstation (ITS). Aufgrund der Gesetzesänderung des IfSG vom 28. Juli 2011 werden alle medizinischen Einrichtungen dazu verpflichtet, die Empfehlungen der KRINKO zu berücksichtigen. Auf Basis wissenschaftlicher Studien und theoretischer Begründungen hat die Kommission eine Kategorisierung ihrer einzelnen Empfehlungen entwickelt, um die Umsetzung der Hygienerichtlinien zu gewährleisten [27].

Weitere hygienerelevante Gesetze:

Medizinproduktegesetz [28], Arzneimittelgesetz [29], Kreislaufwirtschaftsgesetz [30]

Auf Ebene der Verordnungen sind in Bezug auf baufunktionale Anforderungen u. a. die Bauordnung, die Krankenhausverordnungen verschiedener Bundesländer, die Trinkwasserverordnung, aber auch die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) zu nennen. Neben den allgemeinen Bauordnungen haben sechs Bundesländer (Brandenburg, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein) Verordnungen erlassen, die sich mit den speziellen Anforderungen von Krankenhäusern auseinandersetzen.

Darüber hinaus existiert die aus dem Jahr 1976 stammende Muster-Krankenhausbauverordnung (KhBauVO), in der Leitlinien zu den Themen Brandschutz, Hygiene, Belüftung, Belichtung sowie Raumgröße und Raumaufteilung festgelegt sind. Die über die Jahrzehnte veränderten Anforderungen an den Bau und den Betrieb von Gesundheitsgebäuden führen dazu, dass die Muster-Krankenhausbauverordnung nicht mehr aktuell ist und deshalb dringend überarbeitet werden müsste. Die Muster-Krankenhausbauverordnung wird dennoch von vielen Planern als Orientierungshilfe genutzt [31].

Ergänzend zu den Gesetzen und Verordnungen gibt es eine Vielzahl von Richtlinien und Empfehlungen privater Organisationen

DIN-Normen: Für den Bau von Krankenhäusern gibt die DIN 13080 die Gliederung des Krankenhauses in Funktionsbereiche und Funktionsstellen sowie die Strukturierung der Flächen nach krankenhausrelevanten Funktionen vor [32]. Eine weitere für den Krankenhausbau relevante Norm ist die DIN 1946-4, welche die raumlufttechnischen Anlagen in Gebäuden und Räumen des Gesundheitswesens betrifft [33].

VDI-Richtlinie: Der Verein Deutscher Ingenieure hat im Bereich des Krankenhausbaus und der Hygiene die VDI-Richtlinie 6023 „Hygiene in Trinkwasserinstallationen“ und die VDI-Richtlinie 6022 „Raumlufttechnik, Raumluftqualität“ herausgegeben. Des Weiteren existiert seit 2013 ein Fachausschuss zum Thema Nachhaltigkeit bei Bau und Betrieb von Krankenhäusern, der sich u. a. mit dem Themenfeld Hygiene beschäftigt [34, 35].

DIVI: Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin ist ein Zusammenschluss von Personen, wissenschaftlichen Gesellschaften und Berufsfachverbänden mit dem Ziel der Förderung der Intensivmedizin. Für die Intensivstation existiert die „Empfehlung zur Struktur und Ausstattung von Intensivtherapiestationen“ [36].

Landesämter: Die Landesämter verschiedener Bundesländer geben Informationsblätter zu infektionshygienischen Anforderungen heraus. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales Mecklenburg-Vorpommern (LAGuS) hat 2016 das Infoblatt „Bauanforderungen und funktionelle Empfehlungen aus der Sicht der Hygiene“ [37] herausgegeben; das Bayrische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) veröffentlichte 2014 den modularen Leitfaden „Erläuterungen zur Checkliste Versorgung von immunsupprimierten Patienten“ [38].

Bauministerkonferenz Fachkommission Bau- und Kostenplanung: Die Bauministerkonferenz ruft in regelmäßigen Abständen Projektgruppen zu krankenhausrelevanten Funktionsstellen aus. Auftrag der jeweiligen Projektgruppen ist die Entwicklung einer praxisorientierten Planungshilfe, die Empfehlungen zu baulichen, strukturellen und fachtechnischen Anforderungen im staatlichen und geförderten Krankenhausbau hinsichtlich Konzeptionen, Standards und Qualitäten liefert. Zu nennen ist die „Planungshilfe Intensivpflege“ des Netzwerkes Krankenhausbau aus dem Jahr 2018 [39].

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11.0 Quellenverzeichnis

[1] Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung BBSR (Hrsg.), 2018: Bauliche Hygiene im Klinikbau. Planungsempfehlungen für die bauliche Infektionsprävention in den Bereichen der Operation, Notfall- und Intensivmedizin, in: Zukunft Bauen. Forschung für die Praxis, Bd. 13. 2. Auflage.

[2] www.karmin.info

[3] www.ekos.rki.de

[4] Gastmeier, P., Geffers, C. (2008). Nosokomiale Infektionen in Deutschland. Dtsch Med Wschr, 133, S. 1111–1115.

[5] W. Sunder, J. Moellmann, O. Zeise und L. Jurk, Das Patientenzimmer: Planung und Gestaltung, Basel: Birkhäuser Verlag, 2020, S. 15-17

[6] KHG Krankenhausfinanzierungsgesetz, Gesetz zur wirtschaftlichen Sicherung der Krankenhäuser und zur Regelung der Krankenhauspflegesätze, ursprüngliche Fassung 1972, Neubekanntmachung 1991, letzte Änderung 2019)

[7] Ernst & Young, Krankenhauslandschaft im Umbruch, Stuttgart: Ernst & Young, 2010, S. 9 Gesundheitsberichterstattung des Bundes (GBE Bund), 2016, Intensivmedizinische Versorgung in Krankenhäusern, Anzahl Betten. http://www.gbe-bund.de/ oowa921, abgerufen am 07.04.2016

[8] R. Wischer und H.-U. Riethmüller, Zukunftsoffenes Krankenhaus – Ein Dialog zwischen Medizin und Architektur, inkl. Beiheft, Wien: Springer, 2007

[9] Gesundheitsberichterstattung des Bundes (GBE Bund), 2016, Intensivmedizinische Versorgung in Krankenhäusern, Anzahl Betten. http://www.gbe-bund.de/oowa921, abgerufen am 07.04.2016

[10] Grundmann, H.-J., Bärwolff, S., Schwab, F., Tami, A., Behnke, M., Geffers, C. et al. (2005). How many infections are caused by transmission in intensive care units? Crit Care Med, 33, S. 946–951.

[11] Kola, A., Schwab, F., Bärwolff, S., Eckmanns, T., Weist, K., Dinger, E. et al. (2010). Is there an association between nosocomial infection rates and bacterial cross transmission. Crit Care Med, 38, S. 46–50.

[12] Stiller, A., Salm, F., Bischoff, P., Gastmeier, P. (2016). Relationship between hospital ward design and healthcare-associated infection rates: a systematic review and meta-analysis. Antimicrobial Resistance Infect Control, 5, S. 51.

[13] KRINKO (2016). Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens. Bundesgesundheitsblatt, 59, S. 1189–1220.

[14] KRINKO (2010). Anforderungen an die Hygiene bei der medizinischen Versorgung von immunsupprimierten Patienten. Bundesgesundheitsblatt, 53, S. 357–388.

[15] KRINKO (2015). Infektionsprävention im Rahmen der Pflege und Behandlung von Patienten mit übertragbaren Krankheiten. Bundesgesundheitsblatt, 58, S. 1151–1170.

[16] DIVI (2011). Empfehlungen zur Struktur und Ausstattung von Intensivstationen. https://www.divi.de/empfehlungen/publikationen/intensivmedizin/399-empfehlungen-zur-struktur-von-intensivstationen-langversion/file. (Zugriff am 10.01.2018).

[17] RKI – Robert Koch Institut, 29.03.2022: Die fünf Momente der Händehygiene Zugriff: www.rki.de/DE/Content/Infekt/Krankenhaushygiene/Haendehygiene/Downloads/Standardhaendehyg2_Poster.html

[18] World Health Organization (WHO) (2009). WHO guidelines for hand hygiene in health care. Geneva: WHO

[19] Brockmann D. Dynamik und Ausbreitung von Infektionserkrankungen in einer globalisierten, vernetzten Welt. In: Augustin J, Koller D, editors. Geografie der Gesundheit: Die räumliche Dimension von Epidemiologie und Versorgung. 1. Auflage. Bern: Hogrefe; 2017. p. 255–267.

[20] Gottschalk R, Grünewald T, Biederbick W. Aufgaben und Funktion der Ständigen Arbeitsgemeinschaft der Kompetenz- und Behandlungszentren für hochkontagiöse, lebensbedrohliche Erkrankungen. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz 2009 [cited 2017 Jan 20]; 52(2):214–218. Zugriff: http://edoc.rki.de/oa/articles/reQtHK4aAro/PDF/22qv14uof6qE.pdf

[21] Fock R, Koch U, Finke E-J, Niedrig M, Wirtz A, Peters M et al. Schutz vor lebensbedrohenden importierten Infektionskrankheiten: Strukturelle Erfordernisse bei der Behandlung von Patienten und anti-epidemische Maßnahmen. Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 2000 [cited 2019 Jul 26]; 43(11):891–9. Zugriff: https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/1567/274cmPRtdnFZo.pdf?-sequence=1&isAllowed=y

[22] Herzog C, Hunger I. Rahmenkonzept Ebolafieber: Vorbereitungen auf Maßnahmen in Deutschland: Robert Koch-Institut (RKI); 2016 Mar 24 [cited 2017 Jul 26]. Zugriff: http://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/E/Ebola/Rahmenkonzept_Ebolafieber.pdf;jsessionid=BD27908F993DEF-5F3471A5391049F9C0.2_cid290?__blob=publicationFile

[23] Koeppen M, Holzhausen J (2019) Temporäre Isolierungsmaßnahmen im Krankenhaus: Erstversorgung von Patienten mit Verdacht auf hochkontagiöse Erreger in Krankenhäusern der Schwerpunkt- und Maximalversorgung. Hygiene & Medizin, D118 – D123.

[24] Ausschuss für biologische Arbeitsstoffe (ABAS), editor. Beschluss 610: Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten außerhalb von Sonderisolierstationen bei der Versorgung von Patienten, die mit hochpathogenen Krankheitserregern infiziert oder krankheitsverdächtig sind; 2016 2016 Oct 17 [cited 2017 Mar 16].

[25] Grünewald T. Strukturelle Erfordernisse für das Management von Patienten mit hochkontagiösen, lebensbedrohlichen Erkrankungen - Update 2015. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz 2015 [cited 2017 Jan 6]; 58(7):662–670. Zugriff: http://www.rki.de/DE/Content/Service/Publikationen/Downloads/BGBL_07-2015_Gruenewald.pdf?__blob=publicationFile

[26] Infektionsschutzgesetz. Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz – IfSG). Bundesgesetzblatt 2000, S. 1.045, zul. geänd. 8.7.2011.

[27] KRINKO (2002). Anforderungen der Hygiene an die baulich-funktionelle Gestaltung und apparative Ausstattung von Endoskopieeinheiten. BGBl Gesundheitsforsch – Gesundheitssch, 45, S. 412–414.

[28] Medizinproduktegesetz (MPG) vom 7.8.2002, Bgbl 2002; I: 3, S. 146, zuletzt geändert 24. Juli 2010.

[29] Arzneimittelgesetz (AMG) vom 12.12.2005, Bgbl I S. 3.394, zuletzt geändert 22. Dezember 2010.

[30] Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (KrW/AbfG), Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Beseitigung v. 27.9.1994, Bgbl I S. 2.705, zul. geänd. 11.8.2009.

[31] Muster einer Verordnung über den Bau und Betrieb von Krankenhäusern (Krankenhausbauverordnung – KhBauV0), Fassung Dezember 1976.

[32] DIN 13080 (2016). Gliederung des Krankenhauses in Funktionsbereiche und Funktionsstellen. Berlin.

[33] DIN 1946-4 (2008). Raumlufttechnische Anlagen in Gebäuden und Räumen des Gesundheitswesens.

[34] VDI-Richtlinie 6022 (2011). Raumlufttechnik, Raumluftqualität – Hygieneanforderungen an raumlufttechnische Anlagen und Geräte.

[35] VDI-Richtlinie 6023 (2013). Hygiene in Trinkwasser-Installationen – Anforderungen an Planung, Ausführung, Betrieb und Instandhaltung.

[36] Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) (2010). Empfehlungen zur Struktur und Ausstattung von Intensivstationen.

[37] Landesamt für Gesundheit und Soziales M-V (LAGuS): Bauanforderungen und funktionelle Empfehlungen aus der Sicht der Hygiene, 11/2016

[38] Bayr. Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL): Erläuterungen zur Checkliste Versorgung von immunsupprimierten Patienten, modularer Leitfaden ab 2014

[39] Bauministerkonferenz – Konferenz der für Städtebau, Bau- und Wohnungswesen zuständigen Minister und Senatoren der Länder (ARGEBAU), Fachkommission Bau und Kostenplanung, Netzwerk Krankenhausbau: Planungshilfe Intensivpflege, 2018

Bild und Grafiknachweis
Wenn nicht anders angegeben: Institut für Konstruktives Entwerfen, Industrie- und Gesundheitsbau (IKE) – TU Braunschweig