Die planetare Krise ist eng mit einer technokratischen Weltanschauung verknüpft, die Natur zu einer beherrschbaren Ressource degradiert. Ein Umstand, der im Zusammenhang mit einer unablässigen Erweiterung der menschlichen Ressourcenbasis seit Jahrhunderten zu irreversiblen ökologischen und sozialen Problemen führt. Trotz der risikobehafteten Beziehung zwischen Mensch, Technik und Um- bzw. Mitwelt wird die Wirksamkeit technischer Strategien zum Klima- und Ressourcenschutz nicht infrage gestellt. In Anbetracht einer konstant fortschreitenden Inanspruchnahme von Energie, Material und Fläche muss auch im Gebäudebereich bezweifelt werden, ob ausschließlich technikfokussierte Effizienz- und Konsistenzmaßnahmen dazu in der Lage sind, einen nachhaltigen Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz zu leisten.

Die dritte Auflage des Lowtech Symposiums möchte vor dem Hintergrund der beträchtlichen Umweltwirkung von Gebäuden robuste, einfache und vor allem suffizienzorientierte Lösungswege für einen nachhaltigen Transformationsprozess im Gebäudebereich diskutieren. Die Kategorien Raum, Material und Gebrauch liefern dabei den Rahmen für drei Themenblöcke, in denen aus unterschiedlicher Perspektive globale Auswirkungen, lokale Zusammenhänge und gebäudespezifische Ansätze aufgezeigt werden.

Referentinnen und Referenten des Fachsymposiums

Eva Maria Hermann (Moderation)

Dipl.-Ing. Architektin und freie Journalistin. Architekturstudium an der Hochschule Darmstadt und TU Graz, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in München. 2005 Gründung des Büros für Architekturkommunikation mit dem Schwerpunkt Vermittlung von Baukultur. 2007 bis 2009 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Stiftungslehrstuhl für Wohnungsbau und Wohnungswirtschaft, TU München sowie von 2009 – 2012 freie Kuratorin bei kunst Meran, Südtirol. Freie Mitarbeit im Bereich Veranstaltungsmanagement und Corporate Publishing für verschiedene Verlagshäuser und Unternehmen. 2017 Gründung der ARGE Kommunikation mit Bettina Sigmund und Tim Westphal. Veröffentlichungen, Moderationen, Vorträge, Workshops und Ausstellungen zu allen Themen der Baukultur. Seit 2023 Studium Sustainability Management an der Leuphana Universität Lüneburg. Mitglied in der Bayerischen Architektenkammer und der DGNB Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen.

Ernst Gruber (Moderation)

Ernst Gruber ist Architekt, Grafik¬- und Kommunikationsdesigner sowie Mitglied der Geschäftsführung des Wiener Büros wohnbund:consult eG, Büro für Stadt.Raum.Entwicklung. Seine Forschungs¬ und Arbeitsschwerpunkte sind Wohnbau und Stadtforschung mit Fokus auf die Nutzer und deren Einbindung, u.a. Mitautor der BBSR-Sondierungsstudie "Nutzerkomfort durch low-tech Konzepte in Gebäuden". Lehrtätigkeit am Institut für Städtebau der TU Wien, laufende Publikations¬ und Forschungstätigkeiten. Margarete-Schütte-Lihotzky Projektstipendium 2021 "Genossenschaftlich wohnen morgen". Lebt und arbeitet in Wien.

Annika Hock

Annika Hock ist Referentin und Doktorandin am Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) und der TU Berlin. Sie hat Architektur und Stadtplanung an der Universität Stuttgart und Urban, Energy & Environmental Planning an der Aalborg Universität (DK) studiert. Nach Arbeitserfahrungen im City Sanitation Planning in Bangalore (IND) sowie in der ökologischen Altbausanierung in Zwischenwasser (AT) ist sie seit 2022 am BBSR tätig. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit Suffizienz-Potenzialen und Indikatoren in der Nachhaltigkeitsbewertung von Gebäuden. Sie organisiert das diesjährige Forschungskolloquium zu Suffizienz im Gebäudebereich und gemeinsam mit Jörg Lammers das 3. LowTech Symposium.

Silvan Linden

Silvan Linden ist Architekt und gemeinsam mit Sandra Bartoli Mitbegründer der Büros für Konstruktivismus (BFK) in Berlin. Linden war mit Sandra Bartoli und Florian Wüst war Co-Kurator des Ausstellungsprojekts »Licht Luft Scheisse. Perspektiven auf Ökologie und Moderne«. Er ist Mitherausgeber der zugehörigen Kataloge, die 2020 bei adocs Hamburg erschienen sind. Er ist Mitherausgeber der Architekturzeitschrift Architekur in Gebrauch (adocs Hamburg) und der Architekturreihe Disko 1-25 (AdBK Nürnberg 2006-2011). Linden war von 2004-2016 als künstlerischer Mitarbeiter und Gastprofessor an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg tätig. Derzeit vertritt er als Gastprofessor das Fachgebiet Gebäudelehre und Entwerfen an der Technischen Universität Berlin.

Julia Steinberger

Professor Julia Steinberger researches Ecological Economics at the University of Lausanne in Switzerland. After a PhD in experimental physics, Professor Steinberger moved to the interdisciplinary areas of industrial ecology and ecological economics, first as a postdoc at the universities of Lausanne and Zurich, then in Vienna at the Institute of Social Ecology, and subsequently as a professor at the University of Leeds in the UK. Her research examines the connections between resource use (energy and materials, greenhouse gas emissions) and societal performance (economic activity and human wellbeing). From 2017 to 2022, she was the recipient of a Leverhulme Research Leadership Award for her research project ‘Living Well Within Limits’, investigating how universal human well-being might be achieved within planetary boundaries. Since 2023, she co-leads the EU ERC Synergy grant “REAL- A Post-Growth Deal” on post-growth societies. She is Lead Author for the IPCC’s 6th Assessment Report with Working Group 3.

Anton Brokow-Loga

Anton Brokow-Loga (Pronomen er/ihm) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand an der Professur Sozialwissenschaftliche Stadtforschung an der Bauhaus-Universität Weimar. Im Mittelpunkt seiner Forschung steht das Wechselverhältnis von Demokratie und Klimapolitik in kommunalen Transformationsprozessen. Er ist Teil des I.L.A. Kollektivs und engagiert sich in der Transfer- und Bildungsarbeit zu imperialer Lebensweise, Postwachstumsstadt und Bauwende.

Gustav Düsing

Gustav Düsing hat an der Universität Stuttgart und der Architectural Association in London studiert und betreibt ein experimentelles Architekturstudio in Berlin. Seine Arbeit im Spannungsfeld zwischen architektonischer Produktion und künstlerischer Rauminstallation wurde 2020 mit dem Rompreis der Villa Massimo ausgezeichnet und im Jahr 2023 erhielt er gemeinsam mit Max Hacke für das Studierendenhaus der TU Braunschweig unter anderem den Deutschen Architekturpreis, den 2024 DAM Preis und den 2024 EUmies Award. Seit 2015 lehrt er an verschiedenen Universitäten, u.a. an der TU Braunschweig, der UDK Berlin und 2021 wurde er zum Gastprofessor an der Universität Roma Tre ernannt. Im Jahr 2022 co-leitete Gustav Düsing ein Design-Studio an der Cornell University in Rome.

Michaela Christ

Die Soziologin Dr. Michaela Christ leitet das Team Nahmobilität am Deutschen Institut für Urbanistik (Difu). Bis 2023 verantwortete sie zehn Jahre lang am Norbert Elias Center der Europa Universität Flensburg den Forschungsbereich Historische Transformationsforschung und beschäftigte sich in verschiedenen Forschungsprojekten mit suffizienzorientierter Stadtentwicklung. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Mobilität, Stadtsoziologie und gesellschaftliche Naturverhältnisse.

Susanne Winter

Seit acht Jahren Programmleiterin Wald und Forest Policy Director des WWF Deutschland mit den Arbeitsschwerpunkten nationale und EU-Politik, naturnahe Waldwirtschaft, planetare Grenzen des Holzverbrauchs und Wiederherstellung von Waldlandschaften als Teil der ‚UN Decade on Restoration‘.
Mit Studium bis Habilitation im Bereich Forstwirtschaft an Universitäten in Dresden, Göttingen und München verfügt sie über 15 Jahre Erfahrung in waldökologischer Forschung zur Frage: Wie lassen sich der Erhalt der biologischen Vielfalt im Wald mit Holznutzung verbinden?

Ben Pohl

Ben Pohl hat einen handwerklichen, einen sozialwissenschaftlichen und einen gestalterischen Ausbildungshintergrund (M.Sc./Dipl./IHK). Seit 2016 arbeitet er bei Denkstatt sàrl in den Kernbereichen «Sozialräumliche Entwicklungskonzepte», «Dialogformate» und «Urbane Kommunikation». Sein Repertoire an wissenschaftlichen und gestalterischen Methoden setzt er ein, um sich mit der Denkstatt in die verschiedenen Ebenen des Alltags, der Planungswelten, der Eigentümer- und Finanzierungsstrukturen produktiv einzumischen. Er war u.a. als Oberassistent an der ETH (Studio Lead Newrope, D-ARCH) sowie als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der HCU in Hamburg (UD/UdN) tätig. Aktuell engagiert er sich mit dem B/IAS «Basel Insititut für angewandte Stadtforschung» für transdiziplinären Wissenstransfer in der gemeinwohlorientierten Stadtentwicklung.

Margit Sichrovsky

Margit Sichrovsky hat an der Bauhaus Universität Weimar und an der TU Berlin Architektur studiert und anschließend einige Jahre als Projektarchitektin und -leiterin in Planungsbüros gearbeitet. Für sie stehen gesellschaftliche Aspekte im Vordergrund sowie die Frage, welchen Einfluss Architektur auf das direkte Umfeld und jeden Einzelnen hat. Über den baukulturellen Anspruch hinaus interessiert sie, wie Architektur Identifikation und Nachbarschaft fördern kann. Sie setzt sich dafür ein, zirkuläres Planen und Bauen in der Architektur zu etablieren. 2021 ist Margit als Mitglied in den BDA Berlin berufen worden. Seit 2022 ist sie Teil des Arbeitskreises „Nachhaltiges Planen und Bauen“ der Architektenkammer Berlin.

 

Alexandra Abel

Studium der Philosophie, Germanistik und Psychologie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Lehrtätigkeit an der Bauhaus-Universität Weimar zu den Schwerpunkten Architekturpsychologie, Architekturwahrnehmung und Architekturvermittlung bis 2023. Vortrags- und Beratungstätigkeit sowie Publikationen zu den Themen: Bedürfnisorientierte Architektur, Architekturvermittlung, Architektur und Gesundheit, nachhaltiges Wohnen, Wohn- und Lebensvisionen für die Zukunft

Runa T. Hellwig

Im Jahr 2003 stellte sie den Ansatz der adaptiven thermischen Behaglichkeit auf der deutschen Hochschullehrerkonferenz Technischer Ausbau vor und hat seitdem diesen Suffizienz-Ansatz in ihren Forschungsarbeiten verfolgt. Dazu zählen auch ihre Arbeiten wahrgenommenen Kontrolle über das Raumklima. Sie trug zu den wichtigen Überarbeitungen der Arbeitsstättenregeln Raumtemperatur (2010) und Lüftung (2012) in Deutschland bei. Prof. Hellwig ist Mitglied des Arbeitsstättenausschusses des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf einem Paradigmenwechsel in der Praxis der Innenraumklimatisierung in Richtung Suffizienz und Resilienz von Menschen und Gebäuden.

Nanni Grau

Nanni Grau führt seit 2005 gemeinsam mit Frank Schönert das Büro Hütten & Paläste, das sich mit architektonischen Konzepten der Umnutzung von bestehenden Strukturen, Gebäuden und Quartieren auseinandersetzt. Im Fokus steht eine Architekturpraxis der minimalen Eingriffe mittels spezifischer architektonischer Strategien und Praktiken. Zentral ist ein Architekturverständnis, das Gebäude grundsätzlich in ihrer Veränderbarkeit, als vernetzte Lebensräume und Teile von Kreisläufen begreift.
Seit 2024 ist sie Professorin des Fachgebiets Architektur der Transformation an der TU Berlin, von 2021-2024 war sie Professorin an der Hochschule München, 2017-18 Gastprofessorin für Formen partizipativer Stadtentwicklung an der Uni Kassel.

Kassem Taher Saleh

Dipl.-Ing. Kassem Taher Saleh ist seit September 2021 Mitglied des Bundestags. Er ist für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Obmann im Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen, sowie stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Klimaschutz und Energie und im Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe. Er ist aufgewachsen in Plauen im Vogtland. Nach dem Abschluss des Bauingenieurs-Studiums an der TU Dresden arbeitete er als Bauleiter.

Mathias Oliva y Hausmann

Mathias Oliva ist Architekt und leitet seit 2023 das Referat B I 4 Kreislauf- und klimagerechtes Bauen des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen. Im Bundesbauministerium ist er seit 2016 in den Arbeitsgebieten Nachhaltiges Bauen und Bauforschung tätig. Er leitete die Arbeiten zur Entwicklung des Qualitätssiegels Nachhaltiges Gebäude (QNG). Zuvor war er im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung sowie im Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung an der Entwicklung und Umsetzung von Methoden des Nachhaltigen Bauens bei Bundesbaumaßnahmen beteiligt.

Theresa Keilhacker

Theresa Keilhacker ist freischaffende Architektin, seit 1998 arbeitet sie in einer Bürogemeinschaft mit Boris Kazanski in Berlin. Sie war von 2005 bis 2013 Vorsitzende des Ausschusses Nachhaltiges Planen und Bauen der Architektenkammer Berlin, seit 2007 ist sie Mitglied im Rat für Stadtentwicklung. Von Mai 2013 bis April 2017 vertrat sie als Vizepräsidentin die Architektenkammer Berlin und war unter anderem zuständig für Stadtentwicklung und Nachhaltiges Planen und Bauen, sowie den Aufbau und die Pflege internationaler Kontakte.
2014 wurde sie in die Kommission für nachhaltiges Bauen (KNBau) am Umweltbundesamt berufen. Ein Ziel der KNBau ist es, die wissenschaftliche Diskussion zum nachhaltigen Bauen in die Praxis zu bringen. Theresa Keilhacker ist Mitglied im Netzwerk AfA – Aktiv für Architektur. Seit Mai 2021 ist sie Präsidentin der Architektenkammer Berlin.  Im März 2022 wurde Theresa Keilhacker von der Senatorin für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz, Bettina Jarasch in den Klimaschutzrat Berlin berufen, im Juni 2022 in den Expert*innen-Rat des Climate Change Center (CCC).
 

Anja Bierwirth

Anja Bierwirth ist Leiterin des Forschungsbereichs „Stadtwandel“ in der Abteilung „Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik“ des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie. Sie hat in Bremen und Köln Architektur studiert und den Masterstudiengang „Umweltwissenschaften“ der FernUni Hagen absolviert. Sie war als Architektin und im Bereich der Umweltbildung tätig. Seit 2008 arbeitet sie am Wuppertal Institut. Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen kommunale Energie- und Klimaschutzpolitik, Gebäudeenergieeffizienz und -suffizienz und nachhaltige Stadtentwicklung.

Videomitschnitte des Symposiums

Videomitschnitte zu den Vorträgen und Diskussionen werden im Nachgang des Symposiums zur Verfügung gestellt.