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Konsequenzen veränderter Finanzierungsbedingungen für die Bauwirtschaft

Projektbeschreibung

Projektbeteiligte

Eckdaten

Konsequenzen veränderter Finanzierungsbedingungen für die Bauwirtschaft


Projektnummer
Projektbeginn
08.2014
Projektende
10.2014
Projektstatus
abgeschlossen mit Bericht

Konzept

Das Forschungsprojekt gliederte sich in vier Arbeitsschritte:

  1. Bestandsaufnahme zur Struktur und zur Entwicklung der Märkte für die Finanzierung von Bauinvestitionen und von Bauwirtschaftsunternehmen
  2. Auswirkungen der Finanzmarktregulierungen auf die Baunachfrage
  3. Auswirkungen der Finanzmarktregulierungen auf die Unternehmensfinanzierung
  4. Analyse der volkswirtschaftlichen Wirkungen der neuen Regulierungen und ihre Bedeutung für die Bauwirtschaft

Die Bearbeitung dieser Arbeitsschritte basierte auf mehreren Datenquellen der amtlichen Statistik und verknüpfte diese mit Befragungsergebnissen und Auswertungen von Unternehmensdaten.

Ein zentraler Baustein des Projektes war eine Befragung von Unternehmen der Bauwirtschaft, die Aufschluss über den Finanzierungsmix, Veränderungen der Finanzierung in den letzten Jahren und über Vorbereitungen auf Basel III auf Seiten der Unternehmen geben sollte. Hierbei stand die Betrachtung der kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) im Vordergrund. Die Befragung wurde von der IW Consult durchgeführt.

Um darüber hinaus präzise Angaben zur Ertragslage und zur Finanzierungsstruktur der deutschen Bauwirtschaft machen zu können, wurde die Mikrodatenbank der Deutschen Bundesbank zu Unternehmensbilanzen (Ustan) ausgewertet, die Jahresabschlussdaten aus dem Refinanzierungsgeschäft der Unternehmen für den Zeitraum von 1987 bis 2012 bereithält. Auf Basis dieser Paneldaten ließen sich potenzielle Folgen der Finanzmarktregulierung für die Realwirtschaft detailliert abschätzen.

Für die Analyse der möglichen Anpassungen der Banken und Versicherungen an die neuen Regulierungen wurden Experteninterviews mit Vertretern der Kreditinstitute und der Bauwirtschaft durchgeführt. Diese dienten dem Abgleich der entwickelten Thesen mit ihrer Relevanz in der Praxis, sowie dem Erhalt von Einschätzungen über die zukünftige Geschäftspolitik und Ausrichtung von Bauunternehmen und öffentlichen Bauinvestoren.

Ergebnisse

In der vorliegenden Studie wurde untersucht, wie die neuen Finanzmarktregulierungen, initiiert durch Basel III, die Finanzierung der Bauwirtschaft sowie die öffentlichen Bauherren beeinflussen. Aufbauend auf den geführten Experteninterviews mit Bankvertretern und eigenen Analysen lassen sich zwei fundierte Thesen über die generellen Auswirkungen von Basel III bezogen auf das Kreditangebot ableiten:

Erstens ist damit zu rechnen, dass sich die Kosten für Kredite auf lange Sicht erhöhen werden, da die Eigenkapitalkosten für Banken typischerweise höher sind als die Fremdkapitalkosten. Neben dem höherem Eigenkapital stellen zudem die Anfor¬derungen an Dokumentationen und an das generelle Monitoring einen Kostenfaktor für die Banken dar. Ob und inwieweit die Mehrkosten der Banken an die Kunden weitergegeben werden, hängt jedoch maßgeblich von der Wettbewerbssituation im entsprechenden Kreditsegment ab.

Zweitens werden sich die Zinsunterschiede zwischen kurz- und langfristigen Darlehen erhöhen. Zukünftig müssen Banken langfristige Finanzierungen fristenkongruent durch langfristige Refinanzierungen abbilden, wobei jedoch, je nach Liquidität und Sicherheit der Aktiv- und Passivpositionen, Abschläge vorgenommen werden müssen. Ein Teil der Banken wird nicht die Refinanzierung anpassen, sondern eher die Laufzeiten der Kredite reduzieren, um so die Refinanzierungserfordernisse zu senken.

Bezogen auf die hier betrachteten Gruppen – die Bauwirtschaft und die öffentlichen Bauherren – sind darüber hinaus auch einige Besonderheiten zu beachten. Die Bauwirtschaft ist ein Wirtschaftszweig der überwiegend aus kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) besteht. Um die Kreditversorgung dieser Unternehmen zu gewährleisten, besteht bei der Kreditvergabe nach Basel III der sogenannte Unterstützungsfaktor. Dieser Faktor sieht vor, dass Banken bei der Kreditvergabe an KMU letztlich nicht mehr Eigenkapital als nach Basel II vorhalten müssen. Dementsprechend ist zumindest mit einem geringeren Zinsaufschlag zu rechnen. Da die Bauwirtschaft zudem ihre Abhängigkeit von der Bankfinanzierung in den letzten Jahren vermindert hat, ist daher zumindest in der kurzen Frist kaum mit Auswirkungen zu rechnen. Langfristig werden Großunternehmen wahrscheinlich verstärkt Instrumente der Kapitalmarktfinanzierung nutzen, zumal bei dieser Gruppe aufgrund der Regulatorik mit höheren Zinskosten zu rechnen ist.

Auch für die öffentlichen Bauherren ist lediglich von moderaten Anpassungen auszugehen. Kredite an Gebietskörperschaften gelten nach Basel III weiterhin als risikolos, sodass es keine direkte Belastung durch höhere Eigenkapitalkosten gibt.

Banken werden zukünftig mehr Sicherheiten und bessere Dokumentationen verlangen, so dass die Finanzkommunikation insgesamt professionalisiert werden muss. Nur wenn sich die kleine und mittelständische Unternehmen und Kommunen darauf einstellen, werden die Effekte moderat ausfallen. Gerade diesbezüglich scheint es noch Nachholbedarf zu geben.

Veröffentlichungen

Konsequenzen veränderter Finanzierungsbedingungen für die Bauwirtschaft
BBSR-Online-Publikation 01/2016, Hrsg.: BBSR, Februar 2016
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Projektbeteiligte
Eckdaten
Schlagworte zum Projekt : Bauwirtschaft, Finanzierung, Basel III, Finanzmarktvorschriften, Finanzierungskonditionen, Kreditvergabe, Banken