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BMWSB-Impulse zum Klimaschutz Teil 3

Projektbeschreibung

Projektbeteiligte

Eckdaten

BMWSB-Impulse zum Klimaschutz Teil 3

BMWSB-Impulse zum Klimaschutz Teil 3


Projektnummer
Projektbeginn
12.2021
Projektende
08.2024
Projektstatus
abgeschlossen ohne Bericht

Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) setzt mit Unterstützung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) Impulse zum Klimaschutz im Gebäudebereich. Die ersten durch BMWSB und BBSR initiierten öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen sollten in Kohleausstiegsregionen starten und Klimaschutz „zum Anfassen“ in ausgewählte Schulen bringen. Mit einer sozialwissenschaftlichen Evaluation untersuchte und begleitete Teil 3 des Projekts die in 2022 gestarteten Maßnahmen über einen Zeitraum von rund eineinhalb Jahren.

Ausgangslage

Das BMWSB unterstützt die im Jahr 2016 initiierte Informations- und Aktivierungskampagne „80 Millionen gemeinsam für Energiewechsel“ (vorher „Deutschland macht’s effizient“) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) mit eigenen fach- und zielgruppenspezifischen Öffentlichkeitsmaßnahmen.

2022 startete die Bundesinitiative „Klimabildung in Schulen in Strukturwandelregionen“ (KiS) des BMWSB und des BBSR im Rahmen des Innovationsprogramms „Zukunft Bau“ – gestaltet, geplant und umgesetzt von der Berliner Energieagentur (BEA). Ziel war es, Schülerinnen und Schülern das Thema Klimaschutz möglichst niederschwellig, alters- und zielgruppengerecht näherzubringen, in Energiefragen aufzuklären und für Energiethemen zu begeistern. Längerfristig sollten auf diese Weise auch nachhaltige Wirkungen für die spätere Berufswahlorientierung erzielt werden.

Nach dem ursprünglichen Konzept sollten von KiS in einer ersten Pilotphase (Teil 1) Bildungsmaßnahmen an den Schulen initiiert, ein Akteursnetzwerk aufgebaut sowie eine digitale Plattform eingerichtet werden. Hierfür sollten mindestens drei Schulen mit mehreren Klassen in Kohleausstiegsregionen gewonnen werden (vor allem im Lausitzer Braunkohlerevier als eine der Kern-Kohleausstiegsregionen Deutschlands).

In einer zweiten Phase (Teil 2) sollten circa 20 weitere Schulen aus anderen Kohleausstiegsregionen hinzukommen, um die Aktivitäten der ersten Pilotphase in die Breite zu tragen. Aufgrund von Hemmnissen bei der Akquise wurden deutlich weniger Schulen einbezogen als ursprünglich vorgesehen: drei Schulen, in denen Workshops durchgeführt wurden und sechs weitere Schulen als Teilnehmer an einer Schulklimakonferenz. Alle Schulen liegen im Ruhrgebiet.

Teil 3 der BMWSB-Impulse zum Klimaschutz knüpfte direkt an diese Projekte an und beinhaltete die sozialwissenschaftliche Evaluation der BMWSB-Öffentlichkeitsmaßnahmen zum Thema Klimabildung an Schulen.

Ziel

Ziel der Evaluation waren Erkenntnisse zu folgenden Aspekten:

  • Wahrnehmung und Akzeptanz von Klimaschutz-Bildungsangeboten an (teilnehmenden) Schulen
  • Umsetzungspotenzial (nötige Voraussetzungen, mögliche Hemmnisse) sowie Stärken und Schwächen der Bildungsangebote
  • Optimierungshinweise und Teilnahmeeffekte: Lernerfolge, Wahrnehmung und Akzeptanz von Maßnahmen im Bereich Klimaschutz und Energieeffizienz, Ausbildungs- und Berufsorientierung auf entsprechende Berufsfelder gerade in Strukturwandelregionen

Auftragnehmer des Forschungsprojektes war com.X Institut für Kommunikations-Analyse & Evaluation, Bochum.

Konzept

Das multimethodische Evaluationskonzept berücksichtigte alle relevanten Perspektiven und Akteursgruppen mittels qualitativer und quantitativer Erhebungsmethoden. Im Sinne einer wechselseitigen Methodenkontrolle bzw. -triangulation wurden die Erhebungsmethoden aufeinander abgestimmt und dem Evaluationsverlauf entsprechend angepasst. Folgende Akteurs- und Zielgruppen wurden in die sozialwissenschaftliche Evaluation eingebunden:

  • Lehrkräfte und Schulleitungen (KiS-Projektschulen und bundesweit)
  • Schülerinnen und Schüler (KiS-Projektschulen und bundesweit)
  • KiS-Projektbetreuerinnen und -betreuer
  • Projektakteure und Projektpartner, Beteiligte an KiS-Schulaktionen

Im Sinne einer flexiblen Begleitforschung orientierte sich die Evaluation (Teil 3) an der Entwicklung und den Veränderungen des Ursprungskonzepts der Klimaschutzbildungsmaßnahmen (Teil 1 und 2) und nahm im Projektverlauf unter anderem folgende Anpassungen vor:

  • Ausweitung der Befragungen auf weiterführende Schulen im gesamten Bundesgebiet mit Schwerpunkt auf Kohleausstiegsregionen in östlichen Bundesländern
  • Inhaltliche Erweiterung der Methoden, um allgemeine Erkenntnisse zu Rahmenbedingungen für außerunterrichtliche Aktivitäten, der Rolle von Klimabildung an Schulen und der grundsätzlichen Akzeptanz von Angeboten wie KiS zu erlangen
  • Verzicht auf die Entwicklung und Schaltung einer Onsite-Befragung auf der KiS-Projektseite

Das Grundmethodenset der Begleitforschung blieb konform zum ursprünglichen Forschungskonzept. Im Einzelnen kamen folgende Methoden zum Einsatz:

  • Desk Research, vor allem mit Fokus auf die Konzepte und entwickelten Materialien von KiS
  • Umfeldanalyse (online) bestehender Bildungsangebote im Bereich Klimaschutz und Klimabildung an Schulen
  • Quantitative Onlinebefragung von Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern (an KiS-Projektschulen und als bundesweite Befragung)
  • Qualitative Leitfadeninterviews mit Teilnehmenden an KiS-Projektschulen, KiS-Projektbetreuerinnen und -betreuern sowie Projektpartnern
  • Besuch und teilnehmende Beobachtung der Schulaktionen an KiS-Projektschulen (KiS-Workshops „Zukunft gestalten“ und „Schulklimakonferenz“)

Ergebnisse

Bedeutung und Akzeptanz von Klimabildungsangeboten wie KiS

Rolle von Klimabildung im Kontext außerunterrichtlicher Aktivitäten und Akzeptanz von Angeboten wie KiS

  • Angebote zum Thema Umwelt- und Klimaschutz nehmen im Gesamtangebot außerunterrichtlicher Aktivitäten an Schulen einen mittleren Rang ein (siehe Abbildung 1).
  • Haupthemmnisse für Aktivitäten außerhalb des Regelbetriebs sind fehlendes Personal, hohe Arbeitsbelastung, wenig Anreize für Lehrkräfte, fehlende Mittel sowie enge Lehrpläne mit wenig Freiraum für andere Themen und Inhalte.
  • Klimabildungsangebote scheinen an Schulen in den östlichen Bundesländern und speziell in östlichen Kohleausstiegsregionen weniger relevant zu sein.
  • Bei der Akquise potenzieller KiS-Projektschulen zeigte sich, dass punktuelle, tiefer und qualifizierter ansetzende Kontaktversuche oft erfolgversprechender sind als quantitative, in die Breite zielende Maßnahmen.
  • In der zweiten Pilotphase erwies es sich als erfolgreich, Schulen durch bereits vorhandene persönliche Kontakte vor Ort für KiS zu gewinnen.
  • Um die Bekanntheit und damit die Akzeptanz von Angeboten wie KiS von lokalen Anfängen hin zu bundesweiten Aktionen aufzubauen, ist ein entsprechend hoher zeitlicher Aufwand erforderlich.

Basis: Alle bundesweit befragten Lehrkräfte (n = 281) und Schülerinnen und Schüler (n = 751)
Frage F1: Wie groß ist das Angebot an Aktivitäten, Projekten oder Veranstaltungen für Schülerinnen und Schüler außerhalb des Unterrichts? Bitte geben Sie jeweils für die folgenden Bereiche die Größe an, soweit Sie das überblicken./Wie groß ist an Deiner Schule das Angebot an Aktivitäten, Projekten oder Veranstaltungen für Schülerinnen und Schüler außerhalb des Unterrichts? Bitte gib für die folgenden Fächer oder Bereiche Deine Einschätzung ab. Skala von 1 = Sehr großes Angebot bis 6 = Kein Angebot.

In der Grafik dargestellt nur die Skalenpunkte 1 und 2, deren zusammengefasster Gesamtwert und der Mittelwert.


Relevanz des Themas Umwelt- und Klimaschutz an Schulen

  • Analog zum Stellenwert im Kontext außerunterrichtlicher Aktivitäten wird dem Thema Umwelt- und Klimaschutz an Schulen ein mittlerer Stellenwert zugemessen.
  • Ein Großteil der Befragten gibt jedoch an, Klima- und Umweltthemen selbst schon im Unterricht oder außerhalb dessen behandelt zu haben (siehe Abbildung 2).
  • Für viele Schulen sind Nachhaltigkeits- und Umwelthemen auch Teil des Schulprofils und Schulmarketings.
  • Eine große Mehrheit der Befragten wünscht eine noch größere Bedeutung von Klima- und Umweltschutzthemen an ihren Schulen. Hier zeigen sich regionale Unterschiede: Zwar wünschen auch die meisten Befragten im Osten mehr Klimabildung in Schulen, jedoch gerade in den östlichen Kohleausstiegsregionen erkennbar weniger als in den westlichen.

Basis: Alle bundesweit befragten Lehrkräfte (n = 281) und Schülerinnen und Schüler (n = 751)
Mehrere Antworten möglich bei Zustimmung („Ja, im regulären Unterricht“/„Ja, bei außerunterrichtlichen Aktivitäten für Schülerinnen und Schüler“)
Frage F6a: Haben Sie selbst schon das Thema Umwelt- und Klimaschutz in der Schule behandelt?/Hast Du selbst schon das Thema Umwelt- und Klimaschutz in der Schule behandelt?


Klimabildung an Schulen: Interesse, Einbindung, Bedarfe und Anknüpfungspunkte für KiS

  • Sowohl das Interesse an baulich-energetischen Aspekten im Kontext von Klimaschutz, dem Kernelement von KiS, als auch die damit bereits erfolgte Beschäftigung kann als hoch eingestuft werden (siehe Abbildungen 3 und 4).
  • Besonders der energieeffiziente Umgang im bestehenden Schulgebäude gilt als niederschwelliger, schulalltagsnaher, leicht zu beeinflussender und meistbehandelter Themenkomplex. Dazu zählen Maßnahmen und Aktionen wie Schulgärten, Anweisungen und Schulungen zu energieeffizientem Verhalten in der Gebäudenutzung oder die Nutzung nachhaltiger Materialien.
  • Diese naheliegenden und zunächst mit den meisten der baulich-energetischen Klimaschutzaspekten wenig kompatibel erscheinende Themen sollten in Angeboten wie KiS mitgedacht und als Brücken zwischen Themenbereichen genutzt werden.
  • Die Umfeldanalyse zu Klimabildungsangeboten zeigt, dass es bisher nur wenige Angebote gibt, die auch über niederschwellige Themen wie etwa den energieeffizienten Umgang mit dem eigenen Schulgebäude hinausgehen.
  • KiS trifft somit in seiner ursprünglichen Konzeption mit einem klaren baulich-energetisch Schwerpunkt inklusive des Aspekts der Berufswahlorientierung auf eine Lücke wie auch auf Interesse und einen Bedarf an den Schulen.

Basis: Alle bundesweit befragten Lehrkräfte (n = 281)
Frage F9: Wie interessant sind die folgenden Aspekte im Bereich Gebäudetechnik und Klimaschutz für Ihre Schule als Thema für den Unterricht oder Aktivitäten außerhalb des Unterrichts? Skala von 1 = Sehr interessant bis 6 = Gar nicht interessant.
Frage F10: Und welche der zuvor genannten Aspekte haben Sie selbst oder andere schon im Unterricht oder außerhalb des regulären Unterrichts behandelt? Skala: 1 = Selbst schon behandelt, 2 = Andere in der Schule, 3 = Noch nicht behandelt, 4 = Weiß nicht.

In der Grafik dargestellt nur die Skalenpunkte 1 und 2, deren zusammengefasster Gesamtwert und der Mittelwert (nur F9).

Basis: Alle bundesweit befragten Schülerinnen und Schüler (n = 751)
Frage F9: Wie interessant ist für Dich die Gebäudetechnik und der Klimaschutz an Deiner Schule als Thema für den Unterricht oder Aktivitäten außerhalb des Unterrichts? Skala von 1 = Sehr interessant bis 6 = Gar nicht interessant. In der Grafik dargestellt nur die Skalenpunkte 1 und 2, deren zusammengefasster Gesamtwert und der Mittelwert.
Frage F10: Und was davon hast Du selbst schon im Unterricht oder außerhalb des Unterrichts behandelt?

Bewertung der von KiS an Schulen durchgeführten Maßnahmen

Allgemeine Zufriedenheit mit KiS-Formaten und -Maßnahmen an Schulen

  • Die meisten Projektpartner, Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler fanden die „Schulklimakonferenz“ in Bottrop und mit Einschränkung auch die Workshops „Zukunft gestalten“ an den KiS-Schulen gelungen.
  • Teilnehmende zeigten sich oft begeistert und gaben an, Neues zum Thema Klimabildung erfahren oder bisheriges Wissen vertieft zu haben.
  • Bei den von KiS durchgeführten Maßnahmen und Formaten an Schulen kamen die in der ursprünglichen Konzeption wichtigen baulich-energetischen Themen und Hinweise für die Berufsorientierung jedoch wenig bis gar nicht zur Sprache.

Einschätzung zum KiS-Workshop „Zukunft gestalten“

  • In den KiS-Workshops „Zukunft gestalten“ wurden Aspekte der Berufswahlorientierung aufgrund der meist jungen Altersgruppen praktisch nicht behandelt.
  • Befragte Lehrkräfte geben jedoch an, dass ein frühzeitiges Kennenlernen von Berufsbildern außerhalb der eigenen Lebens- und Erfahrungswelt sinnvoll sein kann.
  • Baulich-energetische Themen wurden in den Einführungen aller Workshops und in Gebäuderundgängen angesprochen ‒ anschauliche Rundgänge mit Erläuterungen unter Einsatz von Messgeräten fanden aber nur vereinzelt statt.
  • Bei der Gruppenarbeit der Workshops fiel die Themenwahl meist auf niederschwellige und im Schulalltag einfacher umsetzbare Themen (Mülltrennung, Schulbegrünung, einfache Energiesparmaßnahmen).

Einschätzung zur „Schulklimakonferenz“

  • Passend zum ursprünglichen Konzept bot die „Schulklimakonferenz“ deutlich mehr baulich-energetische Themen und entsprechende Berufswahlorientierung als die Workshops.
  • Auch hier nahmen viel mehr jüngere Jahrgangsstufen teil als zunächst vorgesehen. Dies überraschte beteiligte Projektpartner und stellte sie teils vor Probleme, da das Angebot für Ältere konzipiert war.
  • Studiengänge und Berufe, die einen baulich-energetischen Beitrag zum Klimaschutz leisten können, wurden vor allem im Rahmen des „Markt der Möglichkeiten“ aufgezeigt.
  • Sieben Workshops boten als Kernteil der Konferenz einen Mix aus baulich-energetischen, weiteren klimarelevanten sowie meist niederschwelligen und im (Schul-)Alltag leichter umsetzbaren Themen.
  • Berufsorientierung mit Blick auf technische, baulich-energetische Studiengänge und Berufe fand mit Ausnahme eines Workshops wenig bis gar nicht statt.

Fazit

Klimabildung ist im schulischen Kontext eher von mittlerer Relevanz und steht, wie auch andere, vor allem außerunterrichtliche Angebote in Schulen, vor Herausforderungen wie knappen Ressourcen und Lehrplanengpässen. Angebote wie KiS treffen auf Interesse, benötigen jedoch angepasste Ansätze, um sowohl niederschwellige als auch komplexe Themen zu behandeln und eine größere Akzeptanz zu erreichen. Im Angebotsspektrum zur Klimabildung gibt es vor allem wenige, die auf baulich-technische und/oder entsprechende berufsorientierende Aspekte fokussieren. Deshalb ist es sinnvoll, dass Akteure, die in der Debatte rund um den Klimaschutz technische Aspekte und Aspekte der Berufsorientierung einbringen können, mit Angeboten für Schülerinnen und Schüler präsent sind.

Projektbeteiligte
Eckdaten
Schlagworte zum Projekt : Klimabildung, Klimaschutz, Energieeffizientes Bauen, Energieeffizienz, Schule, Klimaschutz in Schulen, BMWSB-Impulse, BMWSB-Impulse zum Klimaschutz, Effizienzhaus Plus, ComX
Projekt auf der Webseite des BBSR : https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/forschung/programme/zb/Auftragsforschung/5EnergieKlimaBauen/2021/klimabildung-teil-3/01-start