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Darstellung von Hindernissen zur Umsetzung von Konzepten des Einfachen Bauens

Projektbeschreibung

Projektbeteiligte

Eckdaten

Darstellung von Hindernissen zur Umsetzung von Konzepten des Einfachen Bauens

Darstellung von Hindernissen zur Umsetzung von Konzepten des Einfachen Bauens


Projektnummer
Projektbeginn
10.2024
Projektende
04.2026
Projektstatus
abgeschlossen ohne Bericht

Das Forschungsvorhaben hat die zentralen Hindernisse und Handlungsbedarfe, die der Umsetzung des Einfachen und zirkulären Bauens im Bestand entgegenstehen, untersucht. Ziel war es, zur Überwindung rechtlicher, technischer und organisatorischer Barrieren konkrete Maßnahmenpakete und Handlungsempfehlungen zu entwickeln, wobei grundsätzlich die Einflussmöglichkeiten des Bundes unter Wahrung aller bauordnungsrechtlich vorgegebenen Schutzziele im Mittelpunkt der Untersuchungen standen.

Ausgangslage

Der Baupreisindex für den Neubau von Wohngebäuden stieg zwischen dem ersten Quartal 2000 und dem vierten Quartal 2023 um etwa 109 %, während der Bauwerkskostenindex der ARGE e.V. eine Steigerung von rund 144 % verzeichnete. Diese Differenz erklärt sich durch gestiegene Anforderungen beim Bauen, insbesondere durch gesetzliche Rahmenbedingungen sowie durch Erhöhung der baulichen Qualität und der gebauten Quantität.

In Deutschland regeln über 7.500 Baunormen den Bauprozess, was das kostengünstige und ressourcensparende Bauen erschwert. Fast 75 % des Wohngebäudebestands stammt jedoch aus der Zeit vor 1990, wobei kein spezifischer Baupreisindex für den Bestand existiert. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass die beobachtete Baupreisentwicklung und die bestehende Regelungsdichte hier ebenfalls kosten- und komplexitätssteigernd wirken. 

In diesem Kontext gewinnen zwei Lösungsansätze an Bedeutung: 

  1. Zirkuläre Maßnahmen im Rahmen der Kreislaufwirtschaft (Circular Economy), die den Ressourceneinsatz beim Bauen minimieren und Materialien im Kreislauf halten. 
  2. Das Konzept des Einfachen Bauens, das insbesondere auf klimagerechtes Bauen, (konstruktive) Einfachheit, Robustheit sowie die Abweichung von bestimmen Ausstattungsstandards abzielt, ohne dabei bauordnungsrechtliche Schutzziele zu gefährden.

Beide Ansätze sollen das Bauen ressourcenschonender und kostengünstiger gestalten, scheitern jedoch oft an bestehenden rechtlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen.

Ziel

Das Forschungsvorhaben hat Hindernisse und Lösungsansätze für das Konzept des Einfachen Bauens mit besonderem Fokus auf baulichen Maßnahmen im Bestand untersucht. Zusätzlich wurde der Zusammenhang zu zirkulären Bauansätzen betrachtet. Durch Einfaches Bauen im Bestand und zirkuläre Maßnahmen sollen ökonomische und ökologische Systeme zu entlastet, Emissionen reduziert und der Wohnungsknappheit sowie steigenden Mieten entgegengewirkt werden.

Die Projektergebnisse umfassen Maßnahmen und Handlungsempfehlungen für die Umsetzung des Einfachen und zirkulären Bauens im Bestand, wobei insbesondere mögliche Handlungsstrategien des Bundes skizziert werden.

Auftragnehmer war die bauoek GmbH, Winterthur, Schweiz.

Konzept

Das Forschungsvorhaben gliederte sich insgesamt in fünf Arbeitspakete:

1a: Literaturrecherche als Datengrundlage
Die bereits im Vorfeld des Forschungsvorhabens identifizierten Publikationen wurden durch weitere Studien, Publikationen und Regelwerke ergänzt. Auch Initiativen der Länder sowie der Architektenkammern wurden zusammengetragen und verglichen.

1b: Befragung von Expertinnen und Experten
Zusätzlich wurden Expertinnen und Experten anhand eines Interviewleitfadens befragt. Die Ergebnisse der Literatur- und Marktrecherche wurden hierbei hinterfragt und ergänzt. Im Fokus der Befragungen standen neben der Definition auch Hindernisse und mögliche Lösungsansätze des Einfachen Bauens.

2: Workshop mit Begleitkreis
Im Rahmen eines geführten Workshops wurden die Ergebnisse aus dem ersten Arbeitspaket einem das Forschungsvorhaben begleitenden Gremium aus Fachexperten (Begleitkreis) vorgestellt und diskutiert. Auf diese Weise wurde ein Fokus auf Ansätze mit hoher Tragfähigkeit gelegt und darauf aufbauend spezifische Umsetzungsstrategien herausgearbeitet. 

3: Ausarbeitung von Lösungsansätzen
Im dritten Arbeitspaket wurden zunächst wesentliche Hindernisse bei der Umsetzung des Einfachen Bauens zusammengefasst und deren Zusammenhänge unter Berücksichtigung bauordnungs- und zivilrechtlicher Aspekte dargestellt. Zur Überwindung der Hemmnisse wurden Konzepte, Planungs- und Umsetzungsstrategien sowie mögliche Abweichungen innerhalb der spezifischen Rahmenbedingungen dargestellt.

4: Workshops mit Expertinnen und Experten
In diesem Arbeitspaket wurden die im vorangegangenen Arbeitsschritt entwickelten Lösungsansätze auf Workshops mit Expertinnen und Experten vorgestellt und deren Praxistauglichkeit mit Fokus auf dem Bauen im Bestand diskutiert. Auf dieser Grundlage haben die Teilnehmenden geeignete Handlungsempfehlungen formuliert. Diese fokussieren vor allem auf die Ebene des Bundes. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Maßnahmen der Bund einleiten kann, um die identifizierten Lösungsansätze zu unterstützen.

5: Zusammenfassung und Endbericht
Im letzten Arbeitspaket wurden die Ergebnisse der Arbeitspakete und Workshops zusammengefasst. Aus den Erkenntnissen wurden mögliche Strategien entwickelt, die die am Bau beteiligten Akteure unterstützen, um Hindernisse zur Umsetzung von Konzepten des Einfachen und zirkulären Bauens im Bestand konstruktiv zu umgehen. 

Ergebnisse

Die Literaturauswertung zeigt Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Konzepten des Einfachen Bauens und des Gebäudetyps-E (eine Initiative für einfaches und experimentelles Bauen, bei der auf nicht notwendige Komfortstandards und überflüssige Bauvorschriften verzichtet wird, um kostengünstiger und schneller zu bauen). Beide Konzepte kritisieren die steigende Komplexität und normativen Anforderungen im Bauwesen, die zu höheren Kosten und Fehleranfälligkeit führen.

Hindernisse für Einfaches und zirkuläres Bauen im Bestand betreffen insbesondere das öffentliche Baurecht. Die Bereiche Aufstockung und Umnutzung werden durch restriktive Vorschriften und haftungsrechtliche Bedenken eingeschränkt. Lösungsansätze umfassen den Abbau rechtlicher Hürden und einen „bauordnungsrechtlichen Bestandsschutz“, bei welchem ein Gebäude, das zum Zeitpunkt seiner Errichtung den damaligen bauordnungsrechtlichen Vorschriften entsprach, in seiner Nutzung bestehen bleiben darf, auch wenn sich die Gesetze geändert haben. Im Bereich Tiefgaragen und Stellplätze wird die Festschreibung von Stellplätzen als Kostentreiber genannt, mit Vorschlägen zur Abweichung von Stellplatzschlüsseln im geförderten Wohnungsbau. Weitere Hindernisse stellen Dachbegrünungen und Aufzugsanlagen dar. Im Privatrecht führt die hohe Anzahl an Normen zu Fehlern und Kostensteigerungen. Lösungsansätze umfassen die Einführung eines Gebäudetyps-E und rechtssichere Kataloge zur Unterscheidung zwischen sicherheitsrelevanten und komfortbezogenen Normen. Im Bereich der weiteren Rahmenbedingungen wird die generelle Kostensteigerung im Bauwesen als zentrales Hindernis für das Einfache Bauen genannt. Lösungsansätze umfassen Fördermaßnahmen wie die Senkung der Mehrwertsteuer.

Die Expertenbefragung mit Fokus auf Hindernissen und Lösungsansätzen des Einfachen und zirkulären Bauens im Bestand ergibt eine gleichwertige Relevanz des Einfachen Bauens im Wohn- und Nichtwohnbau sowie im Neubau und Bestand. Wichtige Merkmale sind konstruktive Einfachheit, Robustheit und die Abweichung von den anerkannten Regeln der Technik (aRdT), welche durch Ressourcen- und Energieeinsparungen sowie Kostenreduktion ergänzt werden. Hindernisse im öffentlichen Recht sind unter anderem Vorgaben zu Lärmschutz, Brandschutz und Energiestandards. Im Privatrecht hemmen aRdT, Haftung, Vergaberecht und Gewährleistung die Umsetzung von Bauprojekten. Weitere Hindernisse sind Personalmangel, Marktfragmentierung und fehlende Materialmarktplätze.

Auf Grundlage der Ergebnisse der Literaturrecherche, der Expertenbefragungen sowie einer Diskussionsrunde wurden tragfähige Lösungsansätze für das Einfache und zirkuläre Bauen identifiziert und weiterentwickelt. Zusätzlich wurde die folgende Definition des Einfachen Bauens aus den Diskussionsergebnissen abgeleitet: „Einfaches Bauen bedeutet klimagerechtes Bauen ohne Einsatz von übermäßig viel Gebäudetechnik, zudem Einfachheit des Hauses hinsichtlich Konstruktion und Gebäudetechnik, Schichtenarmut, handwerkliche Details und langlebige Oberflächen sowie robuste Gebäudetechnik.“ 

Die relevanten Hindernisse für das Einfache Bauen wurden hinsichtlich öffentlichen Rechts, Privatrecht und weiteren Rahmenbedingungen überarbeitet. Zu den wichtigsten Herausforderungen zählen komplexe bauliche Anforderungen, Energiestandards, haftungsrechtliche Bedenken sowie die Marktfragmentierung.

Auf dieser Grundlage werden drei Lösungsansätze mit besonders hoher Tragfähigkeit vorgeschlagen: 

  1. Überprüfung der anerkannten Regeln der Technik sowie Definition von Komfort- und Ausstattungsniveaus baulicher Anlagen, auch mittels Übernahme bestehender Konzepte zum Einfachen Bauen wie beispielsweise der
    19 Pilotprojekte des Bayerischen Staatsministeriums oder des „Regelstandards Erleichtertes Bauen“ aus Schleswig-Holstein
  2. Neuausrichtung und Optimierung bestehender Fördermechanismen, insbesondere auf Bundesebene 
  3. Einführung neuer Honorierungsmodelle für das Bauen im Bestand inklusive der Entwicklung eines Katalogs von Besonderen Leistungen und die Plausibilisierung entsprechender Honorare

Bei den Lösungsansätzen fallen insbesondere die Fördermechanismen sowie die Honorierungsmodelle zum überwiegenden Teil in den Verantwortungsbereich des Bundes. Die Umsetzung dieser Maßnahmen weist ein hohes Potenzial auf, das Einfache und zirkuläre Bauen im Bestand durch den Abbau von Hemmnissen effektiv zu fördern, und sollten daher weiterentwickelt werden.

Projektbeteiligte
Eckdaten
Schlagworte zum Projekt : Einfaches Bauen, zirkuläres Bauen, Baukosten, Preis Index
Projekt auf der Webseite des BBSR : https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/forschung/programme/zb/Auftragsforschung/jahr/2024/hindernisse-einfach-bauen/01-start