Die ressourcen- und klimaschonende Transformation des Gebäudebestands gehört zu den wichtigsten Aufgabenstellungen des gegenwärtigen politischen Handelns. Themen wie das einfache, robuste, klimaangepasste und bezahlbare Bauen und Wohnen haben diesbezüglich eine hohe Priorität und werden in Fachkreisen und der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Diesem Diskurs bietet das Lowtech-Symposium bereits seit 2019 ein Forum für Austausch und Weiterentwicklung unterschiedlicher Positionen und Perspektiven. 

Die vierte Auflage des Symposiums möchte die Frage stellen, ob einfach auch gerecht ist. Den Diskussionsgegenstand liefert das Bedürfnisfeld des Bauens und Wohnens, das als ein komplexes und weit verzweigtes Beziehungsgeflecht das gesamtgesellschaftliche System durchdringt. Daraus leitet sich dessen große Bedeutung für einen nachhaltigen Transformationsprozess ab, der sowohl die Verteilungsgerechtigkeit von Wohnraum auf lokaler Ebene als auch die Ressourcen- und Klimagerechtigkeit im globalen Kontext umfasst. Wohnung, Haus und Quartier bilden praxisnahe Betrachtungsebenen, vor deren Hintergrund soziale, regulative und ökologische Aspekte diskutiert werden sollen: Wie kann neuer Wohnraum möglichst bezahlbar und ressourcenschonend geschaffen werden? Welche Optionen bietet der Bestand? Wie lässt sich sozialer Wohnraum erweitern? Wie kann eine gerechte Verteilung von Raum im Quartier gewährleistet werden? Und was hat das Ganze mit dem Klima zu tun?

Veranstalter des Symposiums sind das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) und das Natural Building Lab (NBL) der TU Berlin, finanziert wird es durch das Innovationsprogramm Zukunft Bau des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB).

Referentinnen und Referenten des Fachsymposiums

Eva Maria Herrmann (Moderation)

Dipl.-Ing. Architektin und freie Journalistin. Architekturstudium an der Hochschule Darmstadt und TU Graz, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in München. 2005 Gründung des Büros für Architekturkommunikation mit dem Schwerpunkt Vermittlung von Baukultur. 2007 bis 2009 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Stiftungslehrstuhl für Wohnungsbau und Wohnungswirtschaft, TU München sowie von 2009 – 2012 freie Kuratorin bei kunst Meran, Südtirol. Freie Mitarbeit im Bereich Veranstaltungsmanagement und Corporate Publishing für verschiedene Verlagshäuser und Unternehmen. 2017 Gründung der ARGE Kommunikation mit Bettina Sigmund und Tim Westphal. Veröffentlichungen, Moderationen, Vorträge, Workshops und Ausstellungen zu allen Themen der Baukultur. Seit 2023 Studium Sustainability Management an der Leuphana Universität Lüneburg. Mitglied in der Bayerischen Architektenkammer und der DGNB Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen.

Ernst Gruber (Moderation)

Ernst Gruber ist Architekt, Grafik- und Kommunikationsdesigner sowie Mitglied der Geschäftsführung des Wiener Büros wohnbund:consult eG, Büro für Stadt.Raum.Entwicklung. Seine Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte sind Wohnbau und Stadtforschung mit Fokus auf die Nutzer und deren Einbindung, u.a. Mitautor der BBSR-Sondierungsstudie "Nutzerkomfort durch Lowtech-Konzepte in Gebäuden". Lehrtätigkeit am Institut für Städtebau der TU Wien, laufende Publikations- und Forschungstätigkeiten. Margarete-Schütte-Lihotzky Projektstipendium 2021 "Genossenschaftlich Wohnen Morgen". Lebt und arbeitet in Wien.

Annika Hock

Annika Hock ist Doktorandin an der TU Berlin. Sie hat Architektur und Stadtplanung an der Universität Stuttgart und Urban, Energy & Environmental Planning an der Aalborg Universitet (DK) studiert. Nach Arbeitserfahrungen im City Sanitation Planning in Bangalore (IND) sowie in der ökologischen Altbausanierung in Zwischenwasser (AT) war sie von 2022 bis 2025 als Referentin am BBSR tätig. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit Suffizienz-Potenzialen und Indikatoren in der Nachhaltigkeitsbewertung von Gebäuden. Sie organisiert das diesjährige Forschungskolloquium und gemeinsam mit Jörg Lammers das 4. Lowtech Bau Symposium.  

Block 1: Wohnung

Bernd Kniess

Bernd Kniess ist Architekt und Stadtplaner. Seit 2008 ist er Professor für Urban Design an der HafenCity Universität Hamburg. Sein Interesse gilt den Wirkungszusammenhängen der gegenwärtigen Stadt, deren diagrammatische Beschreibung er zum Gegenstand inter- und transdisziplinärer Wissensproduktion macht und deren zukünftige Reichweiten er in Verfahren relationaler Praxis, sogenannten ‚Reallaboren‘ erprobt. Er ist Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.

Jonas Lage

Jonas Lage ist Soziologe und forscht seit 2017 am Norbert Elias Center for Transformation Design and Research der Europa-Universität Flensburg zu Fragen suffizienzorientierter Stadtentwicklung und sozial-ökologischer Transformation. Er hat zur Umsetzung von suffizienzorientierter Stadtentwicklungs- und Wohnungspolitik an der TU Dortmund promoviert. Aktuell leitet er das BMBF-geförderte Forschungsprojekt „Zirkuläre Wohnraumnutzung: Kommunale Strategien, Erfolgsfaktoren und Effekte“ (Laufzeit bis 2030).

HSH Mobil

Zwei Menschen, zwei Sozialräume, unterschiedliche Zielgruppen, eine Idee: Rausgehen und die Angebote an die Menschen bringen! Sozialraumorientierung ohne zu wissen, dass es da ein Wort für gibt. Flexibel auf die zufällig Anwesenden reagieren mitten in deren Lebenswelt(2009/2010).
Eine kommt aus dem graphischen Gewerbe mit Abstecher in die Gastro mit sozialräumlichen und gemeinschaftlichen Kontext (Kindercafé) und der Stadtteilkoordination. Einer kommt vom Spielmobil mit Abstechern in die sozialräumliche Arbeit im Kinder- und Jugendbereich bei berufsbegleitendem Studium der Sozialen Arbeit. Zusammengeworfen (wegen eines gleichen Arbeitgebers) entstand 2019 ein großes mobiles Angebot in der Stadtteilkoordination welches sich als wertvoll für die Einrichtung herausstellte und während der Coronapandemie im Wesentlichen unverändert blieb.
Das hat glücklicherweise auch der Berliner Senat verstanden und das Projekt mobile Stadtteilarbeit 2021 in allen Bezirken gestartet und als festen Bestandteil der Gemeinwesenarbeit verstetigt. Zusätzlich kamen neue Perspektiven, ein frischer Blick und viele “Warums?” mit einer jungen Kollegin, die die alten Hasen ganz schön auf Trapp hält! Sie ist nach Abschluss eines Studiums der Evironmental Governance neu im Beruf und ehrenamtlich bei Voices4Berlin für (u.a.) gesellschaftlichen Zusammenhalt engagiert. 

Block 2: Haus

Manuel Ehlers

Manuel Ehlers studierte Wirtschaftsingenieurwesen mit Fachrichtung Bauingenieurwesen und Projektentwicklung an der Bauhaus-Universität Weimar und der TU Berlin. Nach Stationen als Immobilien-Projektentwickler bei HOCHTIEF, Investa Real Estate und OFB baute er ab 2016 bei der Triodos Bank den Bereich „Nachhaltige Immobilien“ in Deutschland auf. In dieser Rolle prägt und schärft er seit Jahren den Nachhaltigkeitsbegriff im Immobilienkontext – mit klarem Fokus auf Klimaschutz und soziale Inklusion sowie der Frage, wie Finanzierungsentscheidungen Baupraxis und Transformation wirksam beeinflussen. Er ist Mitglied im Immobilienbeirat der DGNB, im Zukunftsbeirat Projektentwicklung der EBZ Business School und engagiert sich am Runden Tisch Liegenschaftspolitik im Berliner Abgeordnetenhaus.

Pascal Müller

Pascal Müller ist diplomierter Architekt und hat an der ETH Zürich studiert. 2001 hat er zusammen mit Peter Sigrist das Büro Müller Sigrist Architekten gegründet, welches verschiedene hochgelobte Projekte realisiert hat und mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet wurde. 2010-2012 war er Gastprofessor an der Fachhochschule Architektur, Holz und Bau in Bern und 2021-2022 an der Universität für Landschaft, Ingenieurwesen und Architektur in Genf. Seit 2008 ist er Mitglied beim Bund Schweizer Architekten. 

etal. ArchitektInnen

Das Architekturbüro etal. wurde 2021 von Gesche Bengtsson, Elena Masla und Zora Syren gegründet. Ihre Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von Praxis, Forschung und Lehre. Im Sommersemester 2026 übernehmen sie die Gastprofessur der Wüstenrot Stiftung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). In Ihrer Arbeit widmen sie sich der Entwicklung anpassungsfähiger Räume, dem kritischen Hinterfragen etablierter Standards im Planen und Bauen, und einem sensiblen Umgang mit bestehenden Strukturen.

Wohnprojekt Görzer128

Wir sind die Görzer 128 - solidarisch, schwarmintelligent, buntgemischt, bezahlbar und barrierefrei. Im Frühling 2021 haben wir den Zuschlag für das Grundstück in der Görzer Straße 128 auf Erbpacht erhalten! Dreieinhalb Jahre dauerte der Planungs- und Bauprozess, im Dezember 2024 konnten wir einziehen. Mit der Görzer128 haben wir ein Modellprojekt für eine faire Wohnungspolitik in München geschaffen, das auf Gemeineigentum basiert und damit sicher vor Spekulation ist. Wir freuen uns darauf, all die Möglichkeiten, die unser Haus für uns und unsere Umgebung bietet, zu erkunden und zu zelebrieren und weitere Gruppen in München zu motivieren, sich eine Nische in dieser teuren Stadt aufzubauen.

Block 3: Quartier

Isabel Feichtner

Isabel Feichtner ist Professorin für Öffentliches Recht und Wirtschaftsvölkerrecht an der Universität Würzburg. 2018-2022 war sie Co-Sprecherin des transdisziplinären bayerischen Forschungsverbunds ForDemocracy. Von März 2022 bis 2024 war sie Fellow am The New Institute in Hamburg und leitete das Programm "Reclaiming Common Wealth: Towards a Law and Political Economy of Land Commoons". Von April 2022 bis Juni 2023 war sie Mitglied der Expertenkommission zum Berliner Volksentscheid „Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen.“ Sie ist Mitglied des Sprecher*innenkreises der Allianz für kritische und solidarische Wissenschaft (KriSol). Ihre Forschungsinteressen umfassen die Verteilungswirkungen des Rechts, insbesondere des internationalen Wirtschafts-, des Geld- und Finanzrechts, die Demokratisierung der Gesellschaft und das Recht der Commons. 

Zu ihren Publikationen zählen die Bücher (Post)Koloniale Rechtswissenschaft: Geschichte und Gegenwart des Kolonialismus in der deutschen Rechtswissenschaft (2023, herausgegeben mit Philipp Dann und Jochen von Bernstorff); Constitutions of Value: Law, Governance, and Political Ecology (2023, herausgegeben mit Geoff Gordon); Bodenschätze: Über Verwertung und Vergesellschaftung (2025) und Stadt – Land – Boden. Verbindende Bodenpolitik zwischen Stadt und Land (2025, herausgegeben mit Susanne Heeg, Anne Klingenmeier, Gesine Langlotz und Katja Schubel)

Iris Reuther

1979-1987 Architektur-Studium, Promotion an HAB Weimar (Bauhaus-Universität)
1987-1990 Mitarbeiterin im Institut für Städtebau und Architektur, Bauakademie der DDR, Berlin
1992-2013 Freie Architektin mit dem Büro für urbane Projekte (bis 2007 mit Dr. Marta Doehler-Behzadi), Leipzig
2004-2013 Professur für Stadt- und Regionalplanung Universität Kassel 
2013-2026 Senatsbaudirektorin der Freien Hansestadt Bremen 
Seit 2024: Honorarprofessorin, TU München, School of Engineering and Design
Mitglied von BDA, DASL

Vera Hartmann

Vera Hartmann ist Partnerin und Director bei sauerbruch hutton, einem internationalen Architekturbüro mit Sitz in Berlin. Als Projektleiterin verantwortet sie Projekte in allen Leistungsphasen mit Schwerpunkt auf Wohn- und Bildungsbauten. Ihre Expertise umfasst das Bauen im Bestand, die Innenarchitektur, den Holzbau sowie den Einsatz biobasierter Materialien.
Aktuell ist sie Teil zweier renommierter Forschungsgruppen zu den Themen: Schlanke, schwingungsreduzierte Holz- und Deckendurchlaufsysteme für multifunktionale Gebäude mit langer Nutzungsdauer sowie Holz-Lehm-Hybrid: Reallabor für regeneratives und zirkuläres Bauen in Berlin-Brandenburg.
Vera studierte an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus, an der Escola Tècnica Superior d’Arquitectura de Barcelona (ETSAB) unter Enric Miralles und an der Universität der Künste Berlin. Sie arbeitete für Angélil Graham in Zürich und für Asymptote Architecture in New York, bevor sie 1999 ihr Studium mit einem Diplom abschloss. 

Innovatio Group

Schlussdiskussion

Mirjam Schaub

Mirjam Schaub, Dr. phil. habil., ist Professorin für Kulturphilosophie und Ästhetik am Department Design der HAW Hamburg. Zuvor lehrte sie Philosophie an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle a.d. Saale. Sie studierte Philosophie, Politikwissenschaft und Psychologie in Münster, München (LMU), Berlin (FU) und Paris (Sorbonne I). Von 1990 bis 1995 besuchte sie parallel die Deutsche Journalistenschule in München (DJS) und arbeitete freiberuflich als Kulturjournalistin, u.a. für taz, Freitag, ZEIT und FAZ. Sie schrieb Katalogtexte und Kunstbücher (u.a. das preisgekrönte »Walk Book« mit und über Janet Cardiff) und drehte Künstlerportraits für das ZDF (aspekte). 2001 promovierte sie mit zwei Monografien über das Werk von Gilles Deleuze (die bei Wilhelm Fink erschienen) und habilitierte 2009 über Sinn und Unsinn von Beispielen in Philosophie und Ästhetik (diaphanes). Gerade erschien ihre zweibändige, vergleichende Kulturphilosophie über Radikalität im Felix Meiner Verlag, die im Januar 2026 mit dem 2. Platz des „Sachbuch des Monats“ durch die Bestenliste von NZZ, ORB, Radio 3, WDR 5, ORF ausgezeichnet wurde.

 

Jan Wilkens

Jan Wilkens ist Research Fellow am German Institute for Global and Area Studies (GIGA) und arbeitet im Projekt "Co-Creating Narrative-Based Near-Term Climate Predictions to Prepare for Volatile Future Climates" des Exzellenzclusters „Klima, Klimawandel und Gesellschaft“ (CLICCS). Er forscht zu den Themen Klimagerechtigkeit, Energiewende, Klimawandel und gerechte Transformation. Er ist einer der Herausgeber*Innen des Hamburger Climate Future Outlooks 2023: The plausibility of a 1.5°C limit to global warming-Social drivers and physical processes sowie des Hamburg Climate Futures Outlook 2024: Conditions for Sustainable Climate Change Adaptation. Er ist außerdem einer der koordinierenden Hauptautoren des MedECC-Special Report on environmental change, conflicts, and human migration in the Mediterranean Basin. Er hat auf den Klimakonferenzen in Glasgow, Sharm El-Shaikh, Dubai, Baku und Belém die Verhandlungen zu verschiedenen Themen beobachtet. 

Christopher Dell (Gesprächsleitung)

Christopher Dell (Prof. Dr. phil. habil.) arbeitet als Theoretiker für Städtebau und Architektur, als Komponist und Musiker in Berlin, Bergen und Kopenhagen. Dell lehrt als Professor für Architekturtheorie an der Bergen School of Architecture, Norwegen. Er wirkte zudem als Professor für Städtebautheorie an der HafenCity Universität Hamburg und an der Technischen Universität München. Darüber hinaus hatte er den Lehrstuhl für Städtebau und Stadterneuerung an der Universität der Künste Berlin inne. Im internationalen Kontext umfasst seine Lehre unter anderem die Architectural Association London, die University of the Witwatersrand Johannesburg, die Kunstakademie Arnheim, die HSLU Luzern und die ETH Zürich.

Seit 2000 ist Dell Leiter des ifit, Institut für Improvisationstechnologie, Berlin. 2017 wurde er als Mitglied in die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und Künste berufen. Im Rahmen der Architekturbiennale Venedig 2021 arbeitete Dell gemeinsam mit Christophe Hutin Architects im französischen Pavillon. Dell war 2022-23 Stipendiat am Studio für Architektur der Bundesrepublik Deutschland in der Cité Internationale des Arts Paris und wirkte an der Internationalen Bauausstellung Heidelberg 2022 mit. Neben zahlreichen Essays und Buchbeiträgen hat Dell ein umfangreiches Werk an Monografien veröffentlicht.