Stützensystem aus Brettschichtholz Quelle: Carel van Hees

Kurzbericht

Kreislaufwirtschaft im Holzbau – circularWOOD

Untersuchung zu Design for Disassembly, digitalen Materialpässen und neuen Geschäftsmodellen für wiederverwendbare Holzbauteile

Kompaktbericht

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Projektseite

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Holzbauteile können mehrere Leben haben – wenn sie von Anfang an dafür geplant werden. Eine TU-München-Studie an vier internationalen Leuchtturmprojekten zeigt: Design for Disassembly, digitale Materialpässe und neue Geschäftsmodelle machen Kreislaufwirtschaft im Holzbau zur Realität. The Cradle in Düsseldorf beweist: 100 Prozent rückbaubar ist wirtschaftlich sinnvoll.

Leitende Institution

TU München

Projektende

2024

Forschende

Dr. Sandra Schuster

Dr. Sonja Geier

Förderung

Zukunft Bau 10.08.18.7-20.14

Verschwendete Ressourcen

Herausforderung

Was passiert mit einem Holzgebäude nach der Nutzungsphase? In den meisten Fällen landet es auf der Mülldeponie. Der nachwachsende Rohstoff wird geschreddert und verbrannt oder biologisch zersetzt – der gespeicherte Kohlenstoff entweicht in die Atmosphäre.

Dabei bietet der Holzbau beste Voraussetzungen für Wiederverwendung: Die Elementierung großformatiger Bauteile erlaubt theoretisch einfache Demontage. Praktisch scheitert das System. Irreversible Verbindungen, fehlende Dokumentation und unklare wirtschaftliche Anreize verhindern den Durchbruch der Kreislaufwirtschaft im Holzbau.

Vier Leuchtturmprojekte im Fokus

Forschungsansatz

Das Team um Dr. Sandra Schuster (TU München) und Dr. Sonja Geier (Hochschule Luzern) analysierte vier internationale Leuchtturmprojekte in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden, die unterschiedliche Ansätze zur Kreislauffähigkeit im Holzbau umsetzen. Ergänzt durch Stakeholder-Interviews und Expertenanalysen entwickelten die Forscherinnen praxistaugliche Design-for-Disassembly-Konzepte, Geschäftsmodelle und Zukunftsszenarien.

Die untersuchten Gebäude repräsentieren unterschiedliche Typologien: The Cradle in Düsseldorf als siebengeschossiges Bürogebäude mit 6.600 Quadratmetern, die Triodos Bank in den Niederlanden mit modularer Bürokonstruktion, das Haus des Holzes in der Schweiz als Bildungseinrichtung und Demonstrator sowie das Feuerwehrhaus in Straubenhardt als öffentlicher Bau. Die Botschaft der Fallstudien ist eindeutig: Kreislaufwirtschaft funktioniert in unterschiedlichen Gebäudetypen und Größenordnungen – und sie schränkt die gestalterische Freiheit nicht ein, sondern erweitert sie.

Holz kann mehrere Leben haben

Ergebnisse

1. Design for Disassembly macht Wiederverwendung möglich

Kreislaufwirtschaft beginnt auf dem Reißbrett. Das Prinzip Design for Disassembly basiert auf drei Säulen:

  • Reversible Verbindungen

    Schrauben statt Kleber – mechanisch lösbare Fügungen ermöglichen die zerstörungsfreie Demontage.
  • Modulare Bauweisen

    Standardisierte Rastermaße verlängern die Nutzungsdauer erheblich.
  • Vollständige Dokumentation 
    Lückenlose Erfassung aller Bauteile, Verbindungen und Materialqualitäten schafft die Grundlage für spätere Wiederverwendung.

Die Projekte belegen: Mechanisch reversible Verbindungen ermöglichen Demontage ohne Qualitätsverlust. Bauteile können mit nahezu identischer Qualität in neue Gebäude integriert werden – der Kohlenstoffspeicher wird um Jahrzehnte verlängert.
 

2. The Cradle Düsseldorf: 100 % rückbaubar

Die Holz-Hybridbauweise kombiniert gestalterische Exzellenz mit Kreislauffähigkeit. Jede Verbindung ist dokumentiert, jedes Bauteil katalogisiert. Das Gebäude funktioniert wie ein Materiallager für zukünftige Projekte. Damit ist The Cradle in Düsseldorf zu 100 Prozent rückbaubar konstruiert. 

3. Digitale Materialpässe schaffen Transparenz

Ohne Dokumentation keine Wiederverwendung. BIM-basierte Systeme zur Erfassung von Materialflüssen sind unverzichtbar. Digitale Materialpässe dokumentieren die Herkunft, den Zustand, die Verbindungsdetails und die Qualitätsklassen. Sie ermöglichen Rückverfolgbarkeit, minimieren Haftungsrisiken und optimieren die Planung. Die Abstimmung von BIM-Modellen mit digitalen Plattformen und Bauteilbörsen funktioniert bereits heute.