Zurück

Inhalte

Gebäudewärme sozialverträglich transformieren

Projektbeschreibung

Projektbeteiligte

Eckdaten

Gebäudewärme sozialverträglich transformieren

Gebäudewärme sozialverträglich transformieren


Projektnummer
Projektbeginn
02.2026
Projektende
04.2026
Projektstatus
abgeschlossen ohne Bericht

Der Gebäudesektor ist eine wichtige Säule der nachhaltigen Transformation – und steht dabei zugleich im Brennpunkt sozialer Fragen. Steigende Kosten, ungleiche Förderzugänge und energieineffiziente Gebäude zeigen: Klimaschutz braucht soziale Gerechtigkeit. Um die Transformation des Gebäudebereichs fair und wirksam zu gestalten, bedarf es einer gerechten Kostenverteilung, gezielter Unterstützung vulnerabler Haushalte und generell neuer Wege für eine klimaneutrale Wärmeversorgung. Klimaschutz und bezahlbares Wohnen sollten in Einklang gebracht werden.

Ausgangslage

Deutschland hat sich im Rahmen internationaler und europäischer Verpflichtungen zum Ziel gesetzt, bis 2045 Klimaneutralität zu erreichen. Dieses im Bundes-Klimaschutzgesetz verankerte Ziel erfordert tiefgreifende strukturelle Veränderungen in allen Sektoren, wobei der Energiewende in Gebäuden eine Schlüsselrolle zukommt: Etwa 15 % der direkten Emissionen und 42 % des Endenergieverbrauchs entfallen auf den Gebäudesektor (UBA 2024a; 2024b).

Der rechtliche und politische Rahmen wird zunehmend durch die europäische Gesetzgebung geprägt, etwa durch die Novellierungen der Energy Performance of Buildings Directive (EPBD, EU 2024/1275) und der Energy Efficiency Directive (EED, EU 2023/1791) im Rahmen des „Fit for 55“-Pakets. Diese Richtlinien zielen darauf ab, die Energieeffizienz von Gebäuden zu verbessern, die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung zu beschleunigen und gleichzeitig soziale Aspekte stärker zu berücksichtigen.

Die Transformation des Gebäudesektors wird jedoch erhebliche gesellschaftliche und wirtschaftliche Auswirkungen haben. Preissteigerungen bei fossilen Energieträgern, Investitionen für energetische Sanierungen und der notwendige Heizungstausch stellen viele Haushalte vor große Herausforderungen. Die Akzeptanz von Klimaschutzmaßnahmen hängt maßgeblich davon ab, ob diese sozialverträglich ausgestaltet sind – das heißt, ob sie finanzierbar, verständlich und die Lasten gerecht verteilt sind. Aktuell werden bestehende Förderprogramme vor allem von einkommensstärkeren Eigentümerhaushalten in Anspruch genommen, während Haushalte mit geringem Einkommen aufgrund verschiedener Barrieren ausgeschlossen bleiben. Eine sozial gerechtere Ausgestaltung der Förderung erfordert sowohl gezielte Zuschussprogramme für vulnerable Gruppen als auch eine konzeptionelle Weiterentwicklung in Richtung strukturwirksamer Maßnahmen.

Vor diesem Hintergrund wird auch diskutiert, die Förderstruktur grundlegend zu reformieren und den Schwerpunkt staatlicher Aktivitäten von der rein individuellen Sanierungsförderung hin zu einer strukturellen Unterstützung der Dekarbonisierung der Wärmeversorgung zu verlagern – als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Der Fokus liegt dabei auf dem Ausbau und der Transformation zentraler Infrastrukturen wie Wärmenetze, der Integration erneuerbarer Energien sowie der Schaffung geeigneter regulatorischer und finanzieller Rahmenbedingungen für einen flächendeckenden Technologiewechsel. Wärmenetze bieten die Möglichkeit, ganze Quartiere oder Stadtteile kollektiv mit klimaneutraler Wärme zu versorgen und so Skaleneffekte zu nutzen. Kommunale Wärmeplanung wird zunehmend als Steuerungsinstrument betrachtet, das eine koordinierte Entwicklung und Umsetzung klimaneutraler und sozial gerechter Wärmeversorgung auf lokaler Ebene ermöglichen soll. Die Verbindung von regulatorischen Vorgaben mit gezielten Investitionsanreizen schafft die Basis für einen erfolgreichen, breitenwirksamen Umbau der Wärmeinfrastruktur und stellt sicher, dass die Potenziale der Dekarbonisierung für alle Bevölkerungsgruppen nutzbar gemacht werden.

Besondere Aufmerksamkeit gilt den sogenannten „Worst Performing Buildings“ (WPB), also Gebäuden mit besonders schlechter Energieeffizienz und fossiler Heiztechnik. Hier besteht ein doppeltes Problem: hohe Emissionen und starke soziale Betroffenheit. Die europäischen Richtlinien greifen diesen Aspekt auf, indem sie Mitgliedstaaten verpflichten, in nationalen Renovierungsstrategien und Klimaplänen konkrete Maßnahmen zur Verringerung von Energiearmut vorzulegen. Gleichzeitig wurden mit der neuen EED erstmals Verpflichtungen eingeführt, die eine gezielte Unterstützung energiearmer und vulnerabler Haushalte vorschreiben. Auch der Klima-Sozialfonds (EU 2023/955) verfolgt das Ziel, Haushalte und Kleinstunternehmen abzufedern, die durch CO₂-Kosten besonders belastet sind.

Um die Transformation auch aus sozialer Sicht erfolgreich, motivierend und akzeptierend voranzubringen, ist es wichtig, dass soziale Ungleichheiten vermieden werden, die Teilhabe von vulnerablen Gruppen ermöglicht wird und diese geschützt werden. Maßnahmen sollten so gestaltet sein, dass sie soziale Gerechtigkeit fördern oder zumindest nicht gefährden, und Energiearmut vermeiden bzw. abbauen. Für den Gebäudebereich bedeutet dies, dass bezahlbares Wohnen und Klimaschutz in Einklang gebracht werden müssen.

Ziel

Das Forschungsprojekt knüpft an diese Herausforderung an, indem es analysiert, wie Klimapolitik im Gebäudesektor sozialverträglich ausgestaltet und Akzeptanz durch gerechte Kosten- und Nutzenverteilung gestärkt werden kann. Es untersucht, wie die Transformation des Gebäudesektors und die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung sozial gerecht gestaltet werden können. Im Fokus stehen die Auswirkungen auf das Wohnen und die Frage, wie vulnerable Haushalte wirksam unterstützt werden können, ohne sie organisatorisch oder finanziell zu überfordern.

Dafür analysiert das Projekt bestehende Klimaschutzinstrumente im Gebäudebereich, bewertet ihre sozialen Effekte und entwickelt Empfehlungen zur Weiterentwicklung von Förderprogrammen und Beratungsangeboten. Auch europäische Vorgaben – etwa EPBD, EED, RED III und der Klima-Sozialfonds – werden einbezogen, um neue regulatorische und finanzielle Spielräume zu nutzen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den Möglichkeiten, staatliche Unterstützung zentraler zu organisieren und die Wärmewende stärker als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge zu begreifen.

Konzept

Forschungsleitfragen

  • Welche Angebote/Maßnahmen könnten Kommunen/Energieversorger Gebäudeeigentümer/-innen in dezentralen Versorgungsgebieten machen? Wie könnten ein Heizungstausch und (falls notwendig) die Sanierung jenseits der heutigen Förderung mit dem Ziel der Sozialverträglichkeit unterstützt werden, insbesondere bei Haushalten mit schlechter/sehr schlechter Anpassungsfähigkeit?
  • Wie könnte der Bau von Nahwärmenetzen (z. B. durch Bürgergenossenschaften) unterstützt werden, insoweit dieses Modell eine effiziente und sozialverträgliche Option darstellt?
  • Müssten alternative Angebote der Wärmeversorgung in einem Modell der staatlichen Grundversorgung erfolgen, so dass im Zweifelsfall ein Versorger zu Angeboten verpflichtet werden könnte (im Sinne eines öffentlichen Gutes analog zu der Versorgung mit Elektrizität oder Telekommunikation), oder sind solche Maßnahmen auch denkbar im heutigen System?
  • Böten Quartierslösungen die Möglichkeit, Häuser ohne Nachnutzungsperspektive von Sanierungsinvestitionen auszusparen, da sich dort Investitionen in eine Sanierung nicht lohnen? Wie könnte eine alternative Unterstützung für Bewohner/-innen solcher Häuser aussehen?
  • Wie könnten im Zusammenhang mit dem Wärmenetzausbau wirksame Sanierungsanreize für Vermieter/-innen gesetzt werden, damit Mieter/-innen nicht durch hohe Energieverbräuche finanziell überfordert werden, und wie müsste die staatliche Fördersystematik dazu ggf. umgestaltet werden?
  • Welche gesetzlichen Grundlagen müssten ggf. für die Umsetzung der entwickelten Maßnahmen geschaffen werden?

Vertiefend werden anhand von Kurzgutachten Themen diskutiert, die sich im Projektverlauf ergeben.

Forschungskonzeption und Methodik

Das Forschungsvorhaben kombiniert Politik- und Instrumentenanalyse, sozialwissenschaftliche Bewertung und technisch-infrastrukturelle Betrachtungen, um die Sozialverträglichkeit der Wärmewende im Gebäudesektor zu untersuchen. Dazu werden bestehende Maßnahmen zur CO₂‑Reduktion systematisch hinsichtlich ihrer sozialen Wirkungen, Wechselwirkungen und Kostenstrukturen analysiert. Europäische Rechtsakte wie EPBD, EED, RED III und der Klima-Sozialfonds fließen als regulatorischer Rahmen in die Bewertung ein. Parallel werden Förderprogramme, Beratungsangebote und kommunale Wärmeplanungsprozesse untersucht, um Verbesserungspotenziale zu identifizieren. Ergänzend werden Optionen dekarbonisierter Wärmeversorgung – von Quartierslösungen bis zu dezentralen Systemen – bewertet, insbesondere mit Blick auf vulnerable Haushalte. Die Ergebnisse werden in einem Expertenworkshop zur Diskussion gestellt.

In weiteren Projektverlauf werden Konzepte erarbeitet, um die Wärmeversorgung potenziell als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge zu verankern und Sanierungsanreize bei vermieteten Gebäuden zu stärken. Hierbei handelt es sich um neue/alternative Maßnahmen. Auch diese Erkenntnisse werden in einem Expertenworkshop präsentiert und zirkuliert.

Alle gewonnenen Erkenntnisse aus den Analysen, Workshops und Bewertungen werden abschließend zusammengeführt und systematisch verdichtet. Auf dieser Basis entwickelt das Projekt konkrete, praxisnahe Handlungsempfehlungen für eine sozialverträgliche Transformation des Gebäudesektors, die zeigen, wie Klimaschutz, bezahlbares Wohnen und gerechte Kostenverteilung miteinander in Einklang gebracht werden können.

Links

  • UBA - Umweltbundesamt, 2024a: Emissionsübersichten KSG-Sektoren 1990–2023 [abgerufen am 23.05.2024].
    >> Umweltbundesamt (UBA)
  • UBA - Umweltbundesamt, 2024b: Endenergieverbrauch nach Energieträgern und Sektoren [abgerufen am 29.01.2024].
    >> Umweltbundesamt (UBA)
Projektbeteiligte
Eckdaten
Schlagworte zum Projekt : Gebäudewärme, Wärmewende, Wärmeversorgung, Dekarbonierung, Klimaneutralität vulnerable Haushalte, Sozialverträglichkeit, Wohngebäude, Daseinsvorsorge, Anpassungsfähigkeit, CO2-Reduktion, Förderung
Projekt auf der Webseite des BBSR : https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/forschung/programme/zb/Auftragsforschung/jahr/2026/gebaeudewaerme-sozial/01-start